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Im Gespräch: Clemens Prokop : „Wir schöpfen nicht alles aus im Anti-Doping-Kampf“

  • Aktualisiert am

Clemens Prokop gehörte zwischen 2002 und 2004 der Anti-Doping-Kommission des Europäischen Leichtathletik-Verbandes an Bild: dpa

Clemens Prokop will Konsequenzen aus der Doping-Studie und mehr Effektivität bei der Nada. Der DLV-Präsident fordert im Interview vor der am Wochenende beginnenden Leichathletik-WM zudem Teilnahmeverweigerungen für Länder ohne akzeptables Kontrollsystem.

          Wenige Tage vor der Leichtathletik-WM in Moskau hat die Studie über staatlich finanzierte Doping-Forschung in Westdeutschland für Aufsehen gesorgt, obwohl vieles längst bekannt war. Was hat Sie noch überrascht?

          Die Vermengung von Doping, Sportfunktionären und Finanzierung von Forschung mit staatlichen Geldern finde ich erschreckend. Mich würde schon sehr interessieren, welche Personen in die auch damals illegalen Praktiken verwickelt waren und insbesondere, ob es Personen betrifft, die noch heute im Sport Funktionen ausüben.

          Hat die Politik überhaupt Interesse an vollständiger Aufklärung?

          Die doch sehr verzögerte Veröffentlichung einer sehr verkürzten Fassung wirft viele Fragen auf. Die Beteiligten - das Bundesinnenministeirum, das Bundesinstitut für Sportwissenschaften, der Deutsche Olympische Sportbund und Wissenschaftler - scheinen sich hierfür die Verantwortung gegenseitig zuzuschieben. Gut, dass die Studie jetzt endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Sie könnte auch ein Grund sein, abermals über eine neue Rekordliste nachzudenken, zum Beispiel ab dem 1.1.2015, sowie über die Forderung, dass im Aufsichtsrat der Nationalen Anti-Doping-Agentur keine Vertreter des organisierten Sports vertreten sein dürfen, um den Anschein zu vermeiden, dass die Kontrollierten die Kontrolleure kontrollieren.

          Sie fordern die Hilfe des Staates bei der Doping-Bekämpfung. Es sieht aber so aus, als habe der Staat zumindest zeitweise ganz andere Interessen verfolgt. Haben Sie noch Vertrauen?

          Ich gehe davon aus, dass sich seitdem viel verändert hat, und die geforderte Justiz hat keine Interessenkonflikte mit sportlichen Erfolgen. Aber wenn sich herausstellen sollte, dass tatsächlich mit öffentlichen Geldern Doping-Forschung betrieben worden ist, wäre das für den Staat ein erschreckendes Zeichen. Vielleicht erklärbar vor dem Hintergrund des damaligen Ost-West-Konflikts, aber trotzdem in keiner Weise entschuldbar.

          Was können Sie als Präsident des DLV tun, um zur Aufklärung beizutragen?

          Ich versuche zunächst alles, um eine Veröffentlichung der kompletten Studie zu erreichen.

          Was macht Ihnen mehr Sorgen: die deutsche Doping-Vergangenheit oder die internationale Doping-Problematik der Gegenwart: Gay, Powell, Jamaika, Türkei, Russland.

          Die Vergangenheitsbewältigung ist sehr wichtig, um die Vorgänge geschichtlich richtig einordnen zu können und entsprechende Lehren für die Zukunft zu ziehen. Aber das aktuelle Problem ist natürlich die momentane Situation. Hier müssen wir die richtigen Instrumente in die Hand nehmen, um Doping so effizient wie möglich zu bekämpfen.

          Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund von den Weltmeistersschaften in Moskau?

          Dass die Leichtathletik sich als glaubwürdige Sportart darstellt. Ich sehe die Vielzahl von Doping-Fällen durchaus positiv. Von jedem Fall geht die Warnung aus: Betrüger, wir können euch kriegen!

          Wie ist diese Häufung zu erklären?

          Die Häufung beruht einmal wohl darauf, dass es verfeinerte Analyseverfahren gibt und neue Verfahren zum Nachweis von Langzeit-Metaboliten zur Verfügung stehen. Zum anderen hat der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) verstärkt in Ländern getestet, in denen kein zufriedenstellendes Kontrollsystem existiert.

          IAAF-Präsident Diack hat mit Blick auf die vielen positiven Fälle in der Türkei gesagt, ein Land, das seine Athleten nicht unter Kontrolle habe, könne keine Olympischen Spiele bekommen.

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