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Hansjörg Kofink im Gespräch : „Das konnte man alles wissen“

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Erfolg in jeder Faser: Die westdeutsche Olympia-Mannschaft bei der Eröffnungsfeier in München 1972 Bild: dpa

Der Name des ehemaligen Trainers Hansjörg Kofink ist eng verbunden mit dem Widerstand gegen das Anabolika-Doping der siebziger Jahre. Im F.A.Z.-Interview spricht er über Vertuschung von Fakten, Ächtung von geständigen Athleten und die Ignoranz der Politik.

          Der Name des 78 Jahre alten Pädagogen Hansjörg Kofink ist eng verbunden mit dem Widerstand gegen das Anabolika-Doping der siebziger Jahre. 1972 trat er darum als Frauen-Bundestrainer im Kugelstoßen zurück. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über Vertuschung von Fakten, Ächtung von geständigen Athleten und die Ignoranz der Politik.

          Sind Sie überrascht?

          Über den Inhalt der Studie, über die Förderung von Doping mit Steuergeldern, bin ich nicht überrascht, weil ich ihn bis auf Einzelheiten seit Jahren, ja Jahrzehnten kenne.

          Sie wissen das alles also schon?

          Dank eines kleinen Kreises mit Anti-Doping-Kämpfern wie Brigitte Berendonk, ihrem Mann Professor Werner Franke, dem Pädagogen Professor Gerhard Treutlein oder der Apotheker Klehr. Wir haben uns schon 1977 hier in meinem Haus beraten, wie man nach den Olympischen Spielen in Montreal die Dopingproblematik veröffentlichten kann. Wir hatten viele konkrete Details zu Doping im westdeutschen Team. Aber es gab ja auch zahlreiche Veröffentlichungen in den Medien. Seit 1977 ist von diesen Dingen heftig berichtet worden, von der Kolbe-Spritze für die ganze Olympiamannschaft, vom Doping der Sprinterinnen in der 4x100-Meter-Staffel. Dann kam der Tod der voll gedopten Siebenkämpferin Birgit Dressel 1987, die Entlarvung des Sprinters Ben Johnson 1988 in Seoul. Dazu haben die Kanadier einen 600 Seiten starken Bericht angefertigt, in dem auch steht, dass Johnsons Trainer Kontakte in die Bundesrepublik hatte. Und dann ist in der Zeit der Wende fast alles auf den Tisch gelegt worden, eben auch Doping in Westdeutschland.

          Sie denken an die Testosteron-Studie unter Leitung des ehemaligen Olympiaarztes Joseph Keul in Freiburg, Paderborn und Saarbrücken, vom Bund finanziert, auch in dieser Zeitung seit 1991 immer wieder dokumentiert, bis hin zu Verwicklung des Anti-Doping-Labors in Köln?

          Ja, aber ich denke auch an einen Beitrag der Richthofen-Kommission, die nach der Wende die Aufarbeitung des deutschen Sports in Ost und West leisten sollte. Da war von einem Papier in der Öffentlichkeit die Rede, auf dem 180 Namen von Dopern oder Mitwissern des Dopings gestanden haben sollen. Einen Tag später wurde mit fünf Zeilen lapidar vermerkt, die Liste gäbe es gar nicht. Das ist längst widerlegt. Es hat niemand weiter nachgebohrt. Der deutsche Spitzensport hätte Anfang der neunziger Jahre verändert werden können. Das ist nicht passiert.

          Was ist passiert?

          Der Fall von Katrin Krabbe, die zusammen mit zwei Kolleginnen bei einer Dopingkontrolle identischen Urin bei einem Trainingslager 1992 in Südafrika abgab war die Folge einer unheiligen Vereinigung von Sportfreund West mit Sportsfreund Ost. Da sind Leute wie ihr Trainer Springstein, im vereinigten Deutschland nach der Krabbe-Affäre zum Trainer des Jahres gewählt, obwohl im Berliner Dopingprozess aktenkundig, und dann als Minderjährigendoper überführt, eingekauft worden und 300 andere sehr schnell in Brot und Lohn gebracht worden. Da gab es auch einen entsprechenden politischen Druck und einen Willen des Sports.

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