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Gen-Doping-Nachweis „Wir zeigen, was möglich ist“

 ·  Zuverlässiger Nachweis von Gen-Manipulation im Sport: Die deutschen Forscher Perikles Simon und Michael Bitzer haben ein Verfahren entwickelt, Gen-Doping nachzuweisen. Ihr Problem: Sie müssen Sport, Politik und Industrie überzeugen, das Verfahren möglichst schnell zu legitimieren

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Doper aller Länder aufgepasst! In Mainz und Tübingen wartet man auf die Fortschrittlichsten unter Euch. Dieses Signal sendeten der Molekularbiologe Perikles Simon und sein Forscherkollege Michael Bitzer am Donnerstag in die Welt. Die beiden haben mit ihren Mitarbeitern einen Bluttest entwickelt, der es in sich hat: Nämlich die notwendigen Belege, „Gendoping zuverlässig auch nach längerer Zeit“ direkt nachzuweisen.

Die Veröffentlichung der Arbeit richtete sich an die Kriminellen in der Manipulationsbranche. Auf dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, eine Horrorvision des Sports in die Tat umzusetzen. Wer lässt sich schon ein Gen in eine Körperzelle schießen, das dann etwa die Produktion des Blutdopingmittels Epo anregt, wenn er möglicherweise Krankheiten und auch noch den Nachweis fürchten muss? „Das werden sich die unerschütterlichsten Doper sehr gut überlegen“, sagt der an der Gutenberg-Universität Mainz lehrende Simon.

Eine Weltneuheit aus Deutschland als Gegengift für den infizierten Sport? So weit wollten selbst die Autoren der Arbeit nicht gehen. „Ich bin mir nicht sicher, ob Gendoping im Moment praktiziert wird“, sagt Simon. Trotzdem könnte der Gen-Doping-Nachweis die Antidoping-Politik vom Nach- zum Vorläufer machen. Denn wenn Simon und Bitzer gelang, was selbst Experten bezweifelten, dann sollten auch Nachweisverfahren in weniger schwierigen Fällen möglich sein. „Wir können mit unserem Nachweis herausfinden, ob jemand Gen-Doping zur Produktion von IGF1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor) betreibt. Ein Nachweis für die konventionelle Einnahme ist aber bisher nicht da“, sagt Simon: „Das ist grotesk, absolut.“

Der Angriff gilt also nicht nur den kriminellen Geistern in geheimen Laboren. Er richtet sich auch an Anti-Doping-Protagonisten. „Wir haben uns diese Mühe auch gemacht, um den großen Sportverbänden zu zeigen, was möglich ist. Sie sollten sich überlegen, wie viel sie in die Glaubwürdigkeit ihres Sports investieren.“ Simon hat bei einer Befragung von 16 Jahre alten Nachwuchsathleten aus dem deutschen Spitzensport erschreckende Antworten erhalten. „Acht Prozent haben Doping zugegeben. Da kann sich der Sport schon mal ausrechnen, was in vier Jahren auf ihn zukommt.“

Vermutlich eine Quittung für die Zurückhaltung bei der Förderung der Antidoping-Forschung. Sechs Millionen Dollar stellt die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) pro Jahr zur Verfügung. „Mit 100 Millionen könnte man viel mehr erreichen“, sagt Simon – falls es gelänge, die Schlagzahl der Forschung zu erhöhen, indem man mehr Experten wie Molekularpharmakologen und Endokrinologen für die Mitarbeit gewinnt.

Bis zum Start des Gen-Doping-Nachweises im Sport muss das Verfahren die Kontrollen der Wada passieren. Bitzer, Forscher am Universitätsklinikum Tübingen, erwartet durchaus Komplikationen: „Die Labore müssen schon sehr sauber arbeiten, damit es nicht zu einem falschen positiven Test kommt.“ Trotzdem setzt Simon auf eine Startfreigabe für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Vermutlich hängt das Tempo dieses Prozesses aber stark vom Willen des Sports, der Politik und auch der Industrie ab, deren finanzielles Engagement im Antidoping-Kampf bislang kaum der Rede wert ist. Mehr Einsatz scheint sich aber zu lohnen. Beim Dauerlauf zwischen Dopern (Igel) und Fahndern (Hasen) gibt es einen Rollentausch in der Disziplin Gen-Doping: Die Wissenschaft führt – vorerst.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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