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Gedopt von 1998 bis 2010 Radprofi Rasmussen packt aus

 ·  Der ehemalige Radprofi Michael Rasmussen gesteht, dass er von 1998 bis 2010 „so gut wie ohne Unterbrechung“ gedopt gewesen sei. Seine Enthüllungen zeigten zudem die geheimen Seiten des Radsports.

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© AFP Vergrößern Der Gipfel: Michael Rasmussen war praktisch immer gedopt

Nachdem er für den Sturz von Lance Armstrong gesorgt hat, scheint Travis Tygart sich nun der Strukturen des dopingverseuchten Radsports und dessen Führung, namentlich des Welt-Radsportverbandes UCI anzunehmen. Darauf deuten jedenfalls Bemerkungen von Tygart, dem Vorsitzenden der amerikanischen Antidopingagentur (Usada) in Deutschland und Nachrichten aus Dänemark hin.

Der ehemalige Radprofi Michael Rasmussen, der 2007 auf bestem Wege war, die Tour de France zu gewinnen und von seinem Team Rabobank wegen offensichtlichen Dopingverdachts aus dem Rennen genommen wurde, gestand am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Hernig, dass er in den zwölf Jahren von 1998 bis 2010 „so gut wie ohne Unterbrechung“ gedopt gewesen sei. Die Vorsitzende von Anti Doping Danmark, Lone Hansen, sagte laut dpa, Rasmussen habe für bahnbrechende Enthüllungen der geheimen Seite des Radsports gesorgt - nicht nur ihr gegenüber, sondern auch, unter anderem, gegenüber Tygarts Usada. Rasmussens Aussage über Struktur und Beteiligte des Dopings sei substantiell.

Tygart forderte in Kenntnis dieser Aussagen schon am Donnerstag, nachdem er Gast des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin gewesen war, den Radsport mit seinen Dopingnetzen und Lügengebäuden von Grund auf auszumisten. „Wir brauchen im Radsport eine (zeitlich) beschränkte und gut strukturierte Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Sportlern in einer sicheren Umgebung erlaubt, mit der Wahrheit herauszukommen, um zum Kern der Frage vorzudringen, wie es passierte, und sicher zu stellen, dass es nicht wieder passiert“, sagte Tygart. Athleten und anderen, die bereit seien, auszusagen, müsse Schutz und Straffreiheit gewährt werden. Am Donnerstag besuchte Tygart die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) in Bonn.

Tygart wirft der UCI vor, Doping ignoriert und gefördert zu haben. „Viele, die Epo-Doping und Bluttransfusionen betrieben oder zugelassen haben, sind immer noch in diesem Sport, in der Verbandsführung, in Teams oder möglicherweise als Athleten selbst“, sagte er. „Solange wir nicht einen Neubeginn machen und von Tag eins an saubermachen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass diejenigen ihr Verhalten ändern, die in der Vergangenheit dopten und damit durchkamen. Das Risiko, dass die Kultur des Dopings den Radsport wieder beherrscht, wäre groß.“

Mindestens eine Geldspende von Armstrong

Womöglich weiß Tygart mehr über die UCI und deren alte und neue Führung unter den Präsidenten Hein Verbruggen und Pat McQuaid, als dieser lieb ist. „Wir haben Informationen, die für den Fall Armstrong nicht relevant waren. Deshalb haben wir uns mit der unabhängigen Kommission zusammengesetzt, die angeblich den Radsport retten sollte“, sagte nach seiner Anhörung. „Wir haben ihr unsere Vorschläge gegeben. Als die Kommission darüber mit der UCI sprach, stimmte diese nicht zu, sondern löste die Kommission auf.“ Tygarts Satz, er wisse einen Weg, den Radsport vom Doping zu befreien, muss für dessen Führung wie eine Drohung klingen. Verbruggen musste einräumen, mindestens eine Geldspende von Armstrong angenommen zu haben. Der UCI wird vorgeworfen, positive Dopingbefunde von der Tour de France und der Schweiz-Rundfahrt vertuscht zu haben.

Auch, um Athleten vor der Macht von Verbandsfunktionären zu schützen, spricht sich Tygart dafür aus, Zeugenschutz in der Neufassung des Wada-Kodex zu verankern. Entscheidend sei, auf die Athleten einzugehen und ihr Vertrauen zu gewinnen. „Die Athleten bestimmen die Kultur. Wenn wir sie davon überzeugen können, dass der Preis des Betrügens mit gefährlichen Medikamenten zu hoch ist, werden sie für eine Kultur der Sauberkeit einstehen. Wir müssen Wege finden, ihre Bereitschaft zu vergrößern, reinen Tisch zu machen und sich den Antidopingeinrichtungen anzuvertrauen.“

Armstrongs Frist, mit der Usada ins Gespräch zu kommen, läuft am Mittwoch aus. Er erwarte echte Reue, die Bereitschaft zur Entschuldigung und Versöhnung mit denen, die er verletzt und denen er geschadet habe, sagte Tygart. Armstrong solle zudem Informationen liefern.

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