http://www.faz.net/-gu9-763ti
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 28.01.2013, 14:48 Uhr

Fuentes vor Gericht „Spanien verschwendet Geld“

Die spanische Justiz brauchte fast sieben Jahre, bis sie dem mutmaßlichen Dopingarzt Fuentes den Prozess machte. Zum Auftakt des Gerichtsverfahrens wird die Vernehmung des Hauptangeklagten vertagt. Dieser demonstriert Gelassenheit.

© dpa Auf dem Weg in den Gerichtssaal: Eufemiano Fuentes

Fehlstart beim Prozess um den größten Dopingskandal im spanischen Sport: Nachdem sich schon die Ermittlungen gegen den Mediziner Eufemiano Fuentes und dessen Helfer fast über sieben Jahre hingezogen hatten, lief auch der Auftakt des Gerichtsverfahrens am Montag alles andere als glatt. Die mit Spannung erwartete Vernehmung des mutmaßlichen Dopingarztes, der am ersten Prozesstag in Madrid Gelassenheit demonstrierte, wurde auf diesen Dienstag verschoben.

Die Staatsanwaltschaft legt Fuentes und vier Mitangeklagten eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit zur Last. Sie verlangt für alle fünf je zwei Jahre Haft und ein zweijähriges Berufsverbot. Der 57 Jahre alte Hauptangeklagte, der an der Spitze eines Dopingrings gestanden und Sportler mit aufbereitetem Eigenblut behandelt haben soll, gab sich entspannt.

Mehr zum Thema

„Spanien verschwendet viel Geld mit dem Verfahren gegen mich“, sagte der Mediziner am Eingang des Gerichts. „Ich arbeite als Arzt in einer Klinik, die vom Staat finanziert wird, und meine Patienten brauchen mich.“ Den wartenden Reportern hielt er entgegen: „Ich glaube, Sie sind nervöser als ich.“ In dem Prozess sind keine Radsportler unter den Angeklagten. Zur Eröffnung wurde zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Zulassung von Beweismittel und andere Verfahrensfragen beraten.

Mehrere Profis sind als Zeugen geladen, darunter der zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador und Ivan Basso. Der im Mai 2006 aufgedeckte Skandal brachte mehr als 50 Radprofis unter Dopingverdacht, auch Stars wie Jan Ullrich und Tyler Hamilton. Der frühere US-Profi schickte den spanischen Behörden schriftliche Erklärungen über seine Bluttransfusionen in der Praxis von Fuentes. Er erklärte sich nach Informationen des amerikanischen Portals espn.com bereit, als Zeuge vor dem Madrider Gericht auszusagen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem mutmaßlichen Dopingarzt eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit © AP Vergrößern Die Staatsanwaltschaft legt dem mutmaßlichen Dopingarzt eine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit zur Last

Als Fuentes von Reportern auf Hamiltons Buch „The Secret Race“ angesprochen wurde, in dem der ehemalige Profi über Dopingpraktiken berichtete, erwiderte er: „Ich lese keine Sportbücher.“ Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der Weltradsportverband UCI sind als Nebenkläger vertreten. Die Wada erhofft sich von dem Verfahren Aufschlüsse darüber, ob auch Profis anderer Sportarten die Dienste von Fuentes in Anspruch genommen haben.

In den offiziellen Akten der Ermittler sind nur die Namen von Radsportlern aufgeführt. Der frühere Profi Jörg Jaksche dämpft die Erwartungen. „Die ganze Anklage ist sehr wacklig“, sagte der Ansbacher im WDR-Radio. Weil Fuentes, dessen Schwester Yolanda und den früheren Rennstallmanagern Manolo Saiz (Once, Liberty), José Ignacio Labarta (Comunidad Valenciana) und Vicente Belda (Kelme) nur ein Verstoß gegen die Gesundheitsgesetze zur Last gelegt werden kann, spricht Jaksche von einer „juristischen Krücke“.

Der frühere amerikanische Profi Tyler Hamilton will sich als Zeuge zur Verfügung stellen © dpa Vergrößern Der frühere amerikanische Profi Tyler Hamilton will sich als Zeuge zur Verfügung stellen

Doping war bei der Aufdeckung des Skandals nach spanischen Recht nicht strafbar. Das Gerichtsverfahren ist bis Mitte März terminiert, die Urteile werden kaum vor April erwartet. Die Richterin Julia Patricia Santamaría erlaubte am Montag zwei Gruppen von Fotografen, die Angeklagten im Gerichtssaal abzulichten. Dies löste auf der Anklagebank heftige Proteste aus. „Das ist nicht demokratisch“, beklagte sich Saiz. Sein Verteidiger ergänzte: „Die Angeklagten werden vorgeführt wie in einem Zirkus.“

Auch der Mainzer Anti-Doping-Forscher Perikles Simon glaubt nicht an gravierende Konsequenzen aus dem Madrider Doping-Prozess. „Ich bin so ein bisschen skeptisch“, sagte der renommierte Sportmediziner im Deutschlandradio Kultur. Er verstehe nicht, wieso der Skandal erst jetzt vor Gericht komme, ergänzte aber mit Blick auf Deutschland: „Ich sehe nicht, dass es in Deutschland zu anderen Situationen käme als jetzt hier in diesem spanischen Prozess.“

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Operación Puerto Dopingarzt Fuentes freigesprochen

Die Operación Puerto endet mit einem Freispruch für den Dopingarzt. Die beschlagnahmten Blutbeutel müssen aber ausgeliefert werden - somit könnten die Namen der Sportler doch noch ermittelt werden. Mehr

14.06.2016, 16:45 Uhr | Sport
Südafrika Pistorius ohne Prothesen im Gerichtssaal

Vor dem Gericht in Pretoria geht der Prozess um den südafrikanischen Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner Oscar Pistorius auf die Zielgerade. Für Ende der Woche wird eine Verkündung des Strafmaßes erwartet. Am Mittwoch trug die Verteidigung ihre letzten Argumente vor. Dazu gehörte auch, zu zeigen, wie verletzlich Pistorius ohne seine Prothesen sein soll. Mehr

15.06.2016, 20:28 Uhr | Gesellschaft
Doping im Fußball Die wollen doch nur spielen

In fast allen Sportarten wird gedopt. Nur beim Fußball angeblich nicht. Weil das nichts bringt, heißt es. Aber das ist ein einziges Märchen. Mehr Von Andreas Frey und Michael Brendler

17.06.2016, 10:18 Uhr | Wissen
Copyright-Verstoß Sänger Ed Sheeran angeklagt

Der britische Sänger Ed Sheeran muss sich vor Gericht verantworten. Dem Musiker wird vorgeworfen, er habe es mit dem Copyright nicht so genau genommen und seinen Hit Photograph abgekupfert. Mehr

09.06.2016, 10:26 Uhr | Gesellschaft
Auktion in Madrid Früchte der Kooruption

Vom 27. bis zum 29. Juni versteigert das Madrider Auktionshaus Fernando Durán den Nachlass des spanischen Stadtplaners Juan Antonio Roca aus dem Fall Malaya Mehr Von Clementine Kügler

23.06.2016, 17:21 Uhr | Feuilleton

Das Team bleibt der Star

Von Christian Eichler, Paris

Messi? Zurückgetreten! Ibrahimovic? Auch. Ronaldo? Vielleicht bald. Island, Deutschland und Italien beweisen, dass ein erfolgreiches Nationalteam keine Superstars benötigt. Anderswo werden sie aber mehr denn je gebraucht. Ein Kommentar. Mehr 4 8