08.06.2010 · 100 Prominente fordern Wiedergutmachung für das angebliche Fehlurteil im Fall Claudia Pechstein. Die Eisschnellläuferin wird des Blutdopings beschuldigt. Doch Thomas Bach, Präsident des DOSB, kann und darf der Forderung gar nicht nachkommen.
Von Evi SimeoniSehen wir es doch einfach positiv. Es gibt 100 bekannte Deutsche aus Sport, Politik und Showgeschäft, die davon überzeugt sind, dass Claudia Pechstein nicht gedopt hat. Das ist nett von ihnen. Dafür stehen sie mit ihrem Foto und ihrem Namen. Sie müssen also wirklich überzeugt sein von dem, was sie vertreten.
Warum? Sind sie Experten für Blutdoping? Nein. Haben sie Claudia Pechstein untersucht? Nein. Haben sie das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (Cas) gelesen, das ihre zweijährige Sperre bestätigt hat? Eher nicht. Aber sie haben Mitgefühl mit der fünffachen Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, der so niedere Handlungen vorgeworfen werden wie Blutdoping. Sie können sich nicht vorstellen, dass diese treuherzige Frau die Regeln übertreten hat. Sie glauben ihren Beteuerungen, Opfer, einer Justiz-Manipulation zu sein und denken sowieso, Spitzensportler sollten mehr respektiert und nicht immer von Nicht-Spitzensportlern (und Nicht-Prominenten) des Dopings bezichtigt werden. Das ist vielleicht sogar ehrenwert. Aber nicht sehr überzeugend.
Die 100 deutschen „Prominenten“ sind der Bitte eines Pechstein-Sponsors nachgekommen. Sie haben einen Brief unterschrieben, der Thomas Bach auffordert, er solle sich für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Pechstein vor dem Sportgerichtshof einsetzen. Der Boxer Artur Abraham, der Bobfahrer André Lange, der ehemalige Handballer Stefan Kretzschmar, der Moderator Dieter Thomas Heck und der Schauspieler Heiner Lauterbach fordern Wiedergutmachung für das angebliche Fehlurteil gegen die Eisschnellläuferin.
Promi-Demokratie statt Gewaltenteilung?
Sie glauben also, dass Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Einfluss auf eine Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts nehmen müsste, damit es günstig für Claudia Pechstein ausfällt. Vor diesem Gericht haben Pechstein und ihre Anwälte nämlich schon formell einen Antrag auf Wiederaufnahme vor dem Cas gestellt. Sie haben also den vorgeschriebenen Rechtsweg bereits beschritten, doch das reicht den Promis nicht.
Wenn sie aber verlangen, dass ein hoher Sportfunktionär sich einmischen sollte in ein laufendes juristisches Verfahren gegen eine Sportlerin, dann gehen sie auch davon aus, dass er das kann. Das heißt, die 100 „prominenten“ Unterzeichner des Briefs glauben zwar an Claudia Pechsteins Unschuld. An die Unabhängigkeit des Schweizer Bundesgerichts glauben sie aber nicht. Sonst wüssten sie, dass Thomas Bach auf dieses Gericht keinen Einfluss haben kann und darf. Andernfalls wäre es geschehen um die Gewaltenteilung, und an ihre Stelle träte die Promi-Demokratie.
Demokratieverständnis
Christian Wolff (CharlyWhisky)
- 08.06.2010, 00:50 Uhr
Wenn man als Sportler, ständig an
Reiner Luecker (Reinerluecker)
- 08.06.2010, 02:25 Uhr
Abgesang auf die Demokratie
Klaus Dieter (Leser2009)
- 08.06.2010, 08:51 Uhr
Nichts verstanden
Frank Garbe (Frank_Garbe)
- 08.06.2010, 22:10 Uhr