18.04.2008 · IOC-Vizepräsident Bach hat eine Einladung des Dalai Lama zur Eröffnungsfeier der Sommerspiele ausgeschlossen. Der deutsche Sport hat unterdessen von seinen Plänen Abstand genommen, die deutsche Mannschaft am Brandenburger Tor zu verabschieden.
Der Dalai Lama wird vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) keine Einladung zur Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Peking (8. bis 24. August) erhalten. „Eine Einladung an den Dalai Lama wäre eine politische Demonstration, die das IOC eindeutig überfordern würde“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach dem Sportinformationsdienst, „das IOC ist keine Weltregierung.“
Bach rechtfertigte die Zurückhaltung des Sports in der Diskussion um Menschenrechte und Tibet-Frage. Wenn sich das IOC „in eine Art Vermittlerrolle begeben würde, überschätzen wir uns bei weitem. Das ist Aufgabe der Vereinten Nationen“, erklärte der Florett-Olympiasieger von 1976 im kommenden „Sonntagsgespräch“ des Hessischen Fernsehens. Der Dalai Lama ist das geistliche Oberhaupt der Tibeter, lebt aber seit Jahrzehnten im Exil in Indien.
Kein Abschied am Brandenburger Tor
Zugleich sieht DOSB-Präsident Bach keine Chance, dass Athleten bei den Spielen mit einem „Free Tibet“-T-Shirt erscheinen können. „Das geht nicht. Das ist nicht auf Olympia bezogen“, sagte der Sportfunktionär. Die IOC-Charta verbietet politische, rassistische und religiöse Demonstrationen. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte jüngst aber explizit die Meinungsfreiheit der Sportler betont. Sie sollen sich auch in Pressekonferenzen zu Themen wie Menschenrechten und Tibet äußern können.
Wie Bach am Freitag weiter sagte, findet die Verabschiedung der deutschen Olympiamannschaft nach Peking Ende Juli nicht wie vorgesehen am Brandenburger Tor statt. Man habe von den Plänen Abstand genommen, weil die Athleten im Mittelpunkt stehen sollten und die Veranstaltung nicht durch politische Auseinandersetzungen überlagert werden solle, sagte Bach.
Die zahlreichen Proteste beim Fackellauf werden nach Meinung des IOC-Vizepräsidenten die Faszination des Olympischen Feuers nicht nachhaltig beschädigen: „Es ist ein olympisches Symbol und kein staatliches Hoheitszeichen. Es lädt dazu ein, dass sich 205 Nationen an einem Ort zu friedlichem Wettstreit versammeln.“ Deshalb wolle auch er wie die meisten Mitglieder der IOC-Exekutive am 8. August die Flamme durch Peking tragen.