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Dopingforschung : Technischer K.o.

Das Forschungsprojekt Doping in der Bundesrepublik Deutschland ist gescheitert. Die Ergebnisse der Historiker drohten an die Substanz des Sports von heute zu gehen.

          Das war abzusehen, seit die ersten unangenehmen Ergebnisse auftauchten: Das Forschungsprojekt Doping in der Bundesrepublik Deutschland, das den freien Sport im freien Westen in die Ecke stellte, ist gescheitert. Selbstbewusst vertraten Repräsentanten des Sports und der Sportwissenschaft am Dienstag in Berlin die These, dass sie das Projekt gewollt und gefördert hätten und dass es die Nachlässigkeit der Humboldt-Universität Berlin war, die ihm den Garaus machte.

          Da sitzen sie nun mit ihren unveröffentlichten Berichten, die aufzeigen, wie eine Mentalität der Leistungssteigerung aus der Forschung der Wehrmacht in die Sportmedizin des westdeutschen Sports im Kalten Krieg überging, wie die Scheinheiligkeit von Funktionären und Politikern in Appellen für einen sauberen Sport und in der gleichzeitige Duldung und Förderung von Doping gipfelte. Und nun fehlt das, was der Historiker Giselher Spitzer und sein Berliner Forschungsteam über die Zeit nach dem Fall der Mauer nachtragen sollten und wollten: Die schmerzhaften Wahrheiten über den Prozess der Einheit. Was wusste der Westen eigentlich über das systematische, vom Staat verlangte Doping in der DDR? Waren die Funktionäre blauäugig, als sie erfahrene Doper einstellten, waren sie zynisch, oder waren sie überzeugt, dass die erfolgreiche Trainer auch gute Trainer sein konnten, auch im Osten?

          Was auch immer dabei herausgekommen wäre: Die Treffer zeigen immer mehr Wirkung, je näher sie der Gegenwart kommen. Die fünfziger und sechziger Jahre sind Geschichte. Die siebziger und achtziger sind weit genug weg, dass Enthüllungen schmerzen mögen, aber keine ernsten Folgen haben. Aber was auch immer die wie Detektive arbeitenden Wissenschaftler nun drohten zu veröffentlichen, das wäre, wenn es so brisant wäre wie ihre ersten Ergebnisse, an die Substanz des Sports von heute gegangen. Das wäre nicht mit theoretischen Überlegungen zu erledigen gewesen.

          Der deutsche Sport hatte sich von den Dopingforschern in die Ecke treiben lassen. Nun tänzelt er unbedrängt durch den Ring und fordert, dass es weitergeht. Seine Erleichterung ist mit Händen zu greifen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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