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Dopingbeichten Raab belastet Telekom, Ullrich wartet ab

25.05.2007 ·  Alles wartet auf ein Bekenntnis von Jan Ullrich, doch der Toursieger schweigt weiter. Der Weg von Riis, Zabel, Aldag und anderen ehemaligen Telekom-Profis ist dem einstigen Sport-Liebling versperrt, da zwei Staatsanwaltschaften gegen ihn ermitteln.

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Die Geständniswelle im Profi-Radsport rollt. Am Freitag legte der Däne Bjarne Riis nach, der 1996 die Tour de France mit dem Telekom-Rennstall gewann. Auch das Outing von Jörg Jaksche, der auf dem Medienmarkt bedeutende Summen gefordert hatte, steht noch aus. Der für Österreich startende Ansbacher ist in das spanische Ermittlungsverfahren unter dem Schlagwort „Operación Puerto“ verwickelt. Alles wartet nun auch auf ein Bekenntnis von Jan Ullrich, doch der Sieger der Tour de France 1997 schweigt weiter.

Der Weg von Erik Zabel, Rolf Aldag und anderen ehemaligen Telekom-Profis, die versuchten, sich mit öffentlichen Bekenntnissen zu Doping-Vergehen von ihrer Vergangenheit zu befreien, ist dem einstigen deutschen Sport-Liebling vorerst versperrt. Zwei Staatsanwaltschaften ermitteln gegen ihn; in dem Bonner Verfahren, in dem wegen einer Anzeige wegen Betrugsverdachts zum Nachteil von T-Mobile ermittelt wird, droht ihm sogar eine Gefängnisstrafe. Sollte das Bonner Verfahren gegen Ullrich aufgrund der neuen Sachlage eingestellt werden, wäre auch der Weg für seine Beichte frei, ebenso für die seines ehemaligen Betreuers Rudy Pevenage. „Sollte in dem Team systematisches Doping betrieben worden sein, könnte dies die Betrugsvorwürfe gegen Ullrich schwächen“, sagte Jörg Schindler, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft.

„Im Grunde bin ich jetzt der Doofe“

Darauf, dass in den neunziger Jahren Doping von Telekom-Profis (T-Mobile ist der Nachfolge-Rennstall) verlangt und für sie organisiert wurde, deuten die Vorwürfe des Wittenbergers Uwe Raab hin. Der 44 Jahre alte ehemalige Radprofi war von 1993 bis 1995 beim Team Telekom unter Vertrag. „Ja, die Teamleitung ist mit Dopingmitteln an mich herangetreten“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Als ich abgelehnt habe, war ich weg vom Fenster, meine Karriere besiegelt.“ Heute aber könne er erhobenen Hauptes durch die Welt gehen. Der Dortmunder Bernd Gröne, ebenfalls ehemaliger Telekom-Fahrer, wiederum denkt mit Bitterkeit an die Jahre, als das Epo-Doping im Team begann. „Im Grunde bin ich jetzt der Doofe, der nur mit dem, was er in den Beinen hatte, die Berge hochgeklettert ist und 1995 aussortiert wurde, weil er nicht mehr gut genug war“, erklärte der 42 Jahre alte Gröne, der beteuert, niemals Dopingmittel genommen zu haben, der „Recklinghäuser Zeitung“.

Auch Peter Becker, von 1987 bis 2002 Trainer von Jan Ullrich, rechnet damit, dass dieser sich bald äußern werde. Es müsse Klarheit geschaffen werden. Ullrich habe ihm gegenüber immer wieder seine Unschuld beteuert. „Ich war natürlich von seinen Leistungsexplosionen genauso überrascht wie alle anderen auch.“ Ullrich habe ihm erklärt, er wolle gesund bleiben und gesunde Kinder haben, da brauche sich Becker keine Sorgen zu machen.

Entscheidung über Zabels Zukunft

Die zu erwartende Einschaltquote bei einem möglichen Ullrich-Bekenntnis im Fernsehen dürfte Grenzen sprengen. Schon die Übertragung der Pressekonferenz mit Aldag und Zabel hatte mehr Zuschauer als die Entscheidung der Tour de France im vergangenen Jahr. Mehr als 5,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Sondersendungen in ARD und ZDF.

Erik Zabels sportliche Zukunft entscheidet sich am Wochenende bei einem „Krisengipfel“ in Bremen. Der Topsprinter aus Unna, Milrams Team-Direktor Gianluigi Stanga (Italien), Team-Manager Gerry van Gerwen (Niederlande) und Martin Michel vom Sponsor Nordmilch werden sich mit den Konsequenzen des Geständnisses befassen. Pat McQuaid, Präsident des Internationalen Radsport-Verbandes (UCI), befürwortet die Fortsetzung von Zabels Karriere, er sollte bei jungen Fahrern für einen sauberen Radsport werben. Auch gegen einen Start bei den Weltmeisterschaften in diesem Herbst in Stuttgart spreche aus UCI-Sicht nichts. Zabels für 1996 zugegebene Verfehlung ist nach der Acht-Jahres-Regel der Welt-Anti-Doping-Agentur verjährt. Seine Teilnahme an der „Nacht von Hannover“ am 3. August ist laut Organisationschef Reinhard Kramer weiter erwünscht. Das für 3. August geplante Radrennen „Hammer City-Night“ dagegen ist ganz abgesagt.

„Aldag und Henn müssten suspendiert werden“

Milram-Teammanager van Gerwen verwies auf den Ethik-Code der Pro-Tour-Teams: „Demnach müssten auch die geständigen Aldag und Henn von ihren Posten suspendiert werden.“ Aldag ist Sportdirektor bei T-Mobile, Christian Henn Sportlicher Leiter bei Gerolsteiner. Der ebenfalls geständige Udo Bölts (Heltersberg) hat seine freie Mitarbeit als Teilzeit-Teamleiter von Gerolsteiner niedergelegt.

Unterdessen hat der Hartmannbund nach dem Doping-Geständnis zweier Freiburger Sportärzte die Aufnahme eines strikten Dopingverbots in die Berufsordnung der Ärzte gefordert. Außerdem solle ein Dopingverbot gesetzlich geregelt werden. Bislang könnten die Landesärztekammern Medizinern, die Doping praktizierten, zwar die Approbation entziehen, klagten diese jedoch vor den Sozialgerichten, würde dort der Entzug der Approbation in aller Regel als „unbillige Härte“ eingeschätzt. Die Ärzte dürften danach meist wieder arbeiten. Burkhard Bremer, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer, hat den Rückzug aller Ärzte der Freiburger Uniklinik von der Betreuung deutscher Sportverbände kritisiert. Dies sei verantwortungslos. Nun seien Sportler bei ihren Wettkämpfen ohne ärztliche Betreuung.

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