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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Doping-Spezial Versagen der Athleten

14.01.2009 ·  Namhafte Leichtathleten protestieren gegen die Entlassung des dopingbelasteten Trainers Werner Goldmann und bezeichnen die juristische Aufarbeitung als „Bauernopferjagd“. Doch nicht nur die Beschwerde der Athleten ist besorgniserregend. Der Fall Goldmann belegt auch das Versagen der Funktionäre.

Von Jörg Hahn
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Der Offene Brief, mit dem namhafte deutsche Leichtathleten für die Weiterbeschäftigung des dopingbelasteten Trainers Werner Goldmann eintreten, offenbart einerseits Ahnungslosigkeit über die Vorgeschichte (siehe: Fall Goldmann: Leichtathleten protestieren gegen „Bauernopferjagd“). Goldmann wird bereits in einem im Sommer 2000 ergangenen Urteil des Landgerichts Berlin gegen den DDR-Sportchef Ewald und dessen Chefmediziner Höppner als Doping-Täter aufgeführt. Ein Strafverfahren gegen Goldmann wurde gegen Zahlung von 4000 Mark eingestellt. (siehe: Leichtathletik: Deutscher Verband trennt sich von Doping-Trainer)

Die von zwanzig Frauen und Männer getragene Erklärung ist darüber hinaus passagenweise unverschämt. Die Empfehlung, den Vertrag Goldmanns nicht zu verlängern, kam von der Doping-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Leitung des pensionierten Richters am Bundesverfassungsgericht Udo Steiner – nach monatelanger Prüfung, welche die Sportler nun als „Bauernopferjagd“ denunzieren. Ein anerkanntes Doping-Opfer, das Goldmann belastet hat, wird in dem Brief als dahergelaufener Geschichtenerzähler hingestellt („Wird jedem ehemaligen Sportler ohne weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?“).

Ebenso dreist ist es, über all jene Menschen in der DDR und im DDR-Sport hinwegzugehen, die sich mutig dem Regime widersetzt oder zumindest nicht alles mitgemacht haben („Hatten ,DDR-Spitzentrainer‘ die Chance, NEIN zu sagen?“). Dass in dem Brief auch die Bedeutung freier Medien geringgeschätzt wird, fällt angesichts der anderen Entgleisungen kaum mehr ins Gewicht.

Fall Goldmann macht noch einmal das Versagen deutlich

Zur Aufarbeitung der deutschen Doping-Vergangenheit gibt es keine Alternative. Notwendig ist in der Tat, dass sich die Nachforschungen (der Medien, der Wissenschaft, der Justiz und wünschenswerterweise der Sportorganisationen selbst) nicht allein auf den früheren DDR-Sport beschränken, sondern auch den Westen einschließen. Aber dieses Projekt läuft zum Glück ja schon, verstärkt seit den Enthüllungen zum Treiben der Freiburger Sportmedizin im Radsport. Dass die Aktenlage im Westen so viel unklarer ist als im Osten, erschwert die Aufklärung im bundesdeutschen Sport bis 1989 zweifellos.

Der Fall Goldmann macht noch einmal das Versagen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und des Deutschen Olympischen Sportbundes (und dessen bis 2006 existierender Vorgängerorganisationen) deutlich. Dass die Kommission Steiners sich erst kurz vor den Olympischen Spielen von Peking – die Goldmann als Bundestrainer besuchte – erstmals mit dem Vorgang befassen musste, hätte durch eine frühere und gründlichere Prüfung der Vita verhindert werden können, ja müssen. Dass es sich Sportfunktionäre zu leicht gemacht haben, wird in dem Offenen Brief zu Recht gerügt.

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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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