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Kommentar : Helft den Doping-Opfern!

Doping fordert viele Opfer – ihnen sollte geholfen werden Bild: dpa

Der Sport will sich wandeln: Weg vom Gigantismus, von Mauschelei und Manipulation hin zum Guten des Sports, getragen vom Willen der Bevölkerung. Dabei sollte man auch an die vielen Doping-Opfer denken – und helfen.

          Die jüngsten Debatten in diesem Land um Großereignisse des Sports vermitteln den Eindruck, dass von Sport und Politik Signale ausgehen in die Welt: Wir haben verstanden und ziehen die Konsequenzen! Weg vom Gigantismus, von Mauschelei und Manipulation der Menschen hin zum Guten des Sports, getragen vom Willen der Bevölkerung.

          Es könnte sein, dass diese Haltung Schule macht. In Boston, Gegner des potentiellen Kandidaten Hamburg bei der Bewerbung um die Sommerspiele 2024, werden jetzt regelmäßig die Bürger befragt, ob sie die Spiele überhaupt wollen. Wenn das ganz Große in Gefahr ist, dann bewegen sich Sport und Politik.

          Aber wie reagiert der Betrieb im Kleinen? Auch konsequent. Allerdings in einem ganz anderen Sinne. Die Enthüller, die wenigen Athleten, die sich trauen, aus dem Leben in einem Doping-System zu erzählen, etwa dem in der russischen Leichtathletik, werden im besten Falle ignoriert, häufig diffamiert, in der Regel isoliert. Die Helden von einst, die Medaillenbringer werden über Nacht zu Nestbeschmutzern, ja zu Feinden erklärt.

          Nicht anders erging es Doping-Opfern des deutschen Sports, die selbst nach Urteilen ordentlicher Gerichte immer noch um Anerkennung kämpfen müssen. Ihre traurigen Geschichten, das jähe Ende ihrer Kinderträume, das missbrauchte Vertrauen mögen Jahre oder Jahrzehnte her sein. Aber was damals Kindern und Jugendlichen angetan wurde im Namen des Spitzensports, kommt jetzt als unermessliches Leid, als physischer wie psychischer Schmerz an die Oberfläche. Und wenig deutet darauf hin, dass diese Geschichte sich nicht wiederholt: Die russische Kronzeugin Julija Stepanowa, heute 28 Jahre alt, ist so belogen worden wie ihre deutschen Vorläuferinnen vor 30 Jahren: Doping schadet doch nicht.

          32 Millionen Euro fordert der Doping-Opfer-Hilfeverein

          Es ist also kein Zufall, dass der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) an diesem Donnerstag wieder einmal Sport und Politik um Hilfe bitten wird, ja muss. 32 Millionen Euro fordert der DOH als Basis für einen „Akutfonds“, um nach der Einmalzahlung in Höhe von maximal rund 20.000 Euro pro Opfer durch Staat und Dopingmittel-Hersteller die drastischen Spätfolgen abfedern zu können. Das ist keine große Summe. Die Zahl glaubwürdiger Doping-Opfer steigt Woche um Woche, wie der DOH berichtet. Er rechnet mit wenigstens 2000.

          Angesichts eines jahrzehntelangen, flächendeckenden Dopings in der DDR und eines weit verbreiteten in der Bundesrepublik erscheint die Schätzung vorsichtig. Wer also in diesen Tagen die Erneuerung des Olympischen Gedankens feiert, der sollte sich dringend mit den kaputten Körpern, den zerrissenen Seelen auseinandersetzen - und helfen. Das ist die Grundvoraussetzung für einen glaubwürdigen Wandel.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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