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Doping-Kommentar Unpersönliches Papier

07.04.2009 ·  Das Doping-Eingeständnis von fünf ehemaligen DDR-Leichtathletiktrainern, die nun weiterbeschäftigt werden, ist von begrenztem moralischem Wert, ihre Formulierung zum Teil ärgerlich. Als Schlussstrich darf sie daher nicht gesehen werden - im Gegenteil.

Von Jörg Hahn
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Warum ist es so wichtig, unerlässlich geradezu, sich kritisch auseinanderzusetzen mit dem Doping-Eingeständnis von fünf ehemaligen DDR-Leichtathletiktrainern, die seit der Wende im vereinten deutschen Sport arbeiten? Natürlich aus Respekt vor Opfern, vor körperlich Geschädigten ebenso wie vor jenen Aufrechten, die beim Staatsdoping nicht mitmachen wollten und deshalb Repressalien ausgesetzt waren.

Diesen zum Teil für immer gebrochenen Menschen hilft ein Stück Papier nicht weiter, zumal es in der wichtigsten Passage, nämlich im Punkt der Entschuldigung, nicht etwa heißt „Wir“ oder „Ich“ – sondern: „Die daran beteiligten Trainer entschuldigen sich (. . .)“ Das ist nicht nur unpersönlich, es ist auch ärgerlich. Die ätzenden, ablehnenden Reaktionen (siehe: Kritik an Doping-Erklärung: Geschäft im Nebel) von Geschädigten sind nachvollziehbar.

Kein Schlussstrich

Die Doping-Erklärung kann und darf auch deshalb kein Schlussstrich unter die Debatte über DDR-Trainer sein, weil sich aus der Zeit des Kalten Krieges die bis heute reichende Doping-Mentalität erklärt. Dass diese Mentalität keine mediale Erfindung ist, haben Enthüllungen über systematisches Doping in bestimmten Sportarten und sogar in bestimmten Kliniken zuletzt vielfach bewiesen.

Die Wende ist nicht etwa dazu genutzt worden, im nun vereinten deutschen Sport schonungslos reinen Tisch zu machen. Vielmehr wurden aus den Ressourcen von Ost und West Medaillenhochrechnungen angestellt. Für die Gold-Bilanz war (fast) jedes Wissen willkommen. Die ausgebliebene oder zumindest mangelhafte Aufarbeitung hat dazu geführt, dass im deutschen Sport viele ein schweres Gewissen mit sich herumschleppen.

Tiefe Gräben

Ob in den letzten 19 Jahren nun untadelig oder nicht, wer bis 1990 als Sportler, Trainer oder Funktionär an Doping beteiligt gewesen ist und noch immer schweigt, muss sich unbehaglich fühlen. Wer aus der DDR stammt, hat mehr Grund, sich vor Enttarnung zu fürchten. Im Westen gibt es eben keine Stasi-Akten. Das vom Bundesinnenministerium an das Bundesinstitut für Sportwissenschaft vergebene Forschungsprojekt „Doping in Deutschland“ muss aus diesen Gründen das ganze Land umfassen und bis in die heutige Zeit reichen. Andernfalls ginge das Versteckspiel weiter, würden die tiefen Gräben im deutschen Sport wohl niemals zugeschüttet.

Begrenzter moralischer Wert

Was ist die so spät abgegebene Erklärung nun eigentlich wert? Obwohl sie den fünf Unterzeichnern ihre Weiterbeschäftigung im Deutschen Leichtathletik-Verband sichern dürfte, juristisch nichts. Alle Verjährungsfristen sind ohnehin abgelaufen. Auch der moralische Wert ist begrenzt, sollten sich die Trainer mit ihrer dopingbelasteten Arbeit zu DDR-Zeiten nicht noch viel tiefer auseinandersetzen.

Nützlich ist die Erklärung vor allem für den Deutschen Leichtathletik-Verband, der als Gastgeber der Weltmeisterschaften in Berlin im August jetzt in wenigstens fünf Fällen nicht mehr befürchten muss, dass Enthüllungen vor dem Großereignis des Jahres die Trainer und deren Athleten treffen, so wie das bei Werner Goldmann und Diskuswerfer Robert Harting vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking war. Der DLV hat ein kleines Problem vom Tisch, die großen Aufgaben für den Sport bleiben.

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