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Doping-Kommentar Maßlose Diskrepanz

01.09.2010 ·  Selbst harmlos wirkende Verstöße gegen Antidoping-Regeln werden mitunter drakonisch bestraft. Schon sieht man Funktionäre zufrieden resümieren: Wir tun doch was! An der Glaubwürdigkeitskrise des Sports ändert das aber kaum etwas.

Von Anno Hecker
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Nun hat Mark Jelks Zeit, sich zu besinnen. War es so clever, gegen Abmeldevorschriften der Antidoping-Behörde zu verstoßen? Vermutlich wird der amerikanische Sprinter im Verlauf der nächsten zwei Jahre eine lähmende Langsamkeit entdecken. Wenn die zweijährige Sperre im August 2012 ausläuft, dürfte die Karriere des 26 Jahre alten Leichtathleten gelaufen sein.

Das ist hart, aber unvermeidlich. Zu oft haben sich Sportler in den vergangenen Jahrzehnten Dopingkontrolleuren mit Tauchgängen in die entlegensten Winkeln dieses Globus entzogen. Bis heute werden Trainingslager in Gegenden organisiert, die von der Außenwelt abgeschnitten sind – wegen der Ruhe und des schönen Wetters. Schließlich braucht der Spitzensportler seine Privatsphäre.

So sah das Carlos Queiroz bei der Fußball-WM in Südafrika. Portugals Cheftrainer beschimpfte deshalb die Eindringlinge der portugiesischen Antidoping-Agentur. Gleichzeitig soll er die Überprüfung behindert haben. Sicher ist das nicht. Die Quittung hat man ihm trotzdem präsentiert: Sechs Monate muss Queiroz aus der Ferne zuschauen. Falls ihn diese Strafe nicht den Job kostet.

Verheerendes Urteil: Drei Spiele Sperre für einen Stuhl-Wurf

Was der Sportfreund aus diesen Fällen lernt? Dass selbst harmlos wirkende Verstöße gegen Antidoping-Regeln mitunter doch drakonisch bestraft werden. Schon sieht man Funktionäre zufrieden resümieren: Wir tun doch was, inzwischen auch im Fußball. Der generellen Glaubwürdigkeitskrise des Sports aber hilft der Beißreflex in Dopingfällen kaum weiter. Jedenfalls keinen Millimeter, solange die Urteile über das Fehlverhalten von Sportlern außerhalb der Dopingszene eine groteske Diskrepanz vor Augen führen.

Wenn Queiroz wegen seines kolportierten „Ausrasters“ zu einer Auszeit von sechs Monaten verdonnert wurde, was hätte dann der Basketballprofi Nenad Krstic bekommen müssen? Der serbische Hüne erwies sich beim Testspiel gegen Griechenland vor zehn Tagen als treffsicher, mit einem Stuhl. Den schlug er während einer Massenschlägerei auf den Kopf eines Griechen. Es floss Blut.

In Deutschland sprechen Juristen in solchen Fällen von „gefährlicher Körperverletzung“. Laut Strafgesetzbuch drohen Delinquenten im schlimmsten Fall bis zu zehn Jahre Haft. Mindestens aber drei Monate. Wobei die Stuhl-Attacke Kristics kaum als minderschwerer Fall zu beurteilen ist. Jedenfalls nicht bei gesundem Menschenverstand. Trotzdem ist es der Sportgerichtsbarkeit des Internationalen Basketball-Verbandes gelungen, ein verheerendes Urteil zu fällen. Ganze drei Spiele musste sich Krstic bei der WM von der Tribüne anschauen.

An diesem Mittwoch ist er wieder so frei, auf dem Feld der Ehre stehen zu dürfen. Er fühlt sich angeblich wohl bei dem Gedanken. Der Sprinter Jelks dagegen wird noch lange glauben, wie ein Krimineller behandelt worden zu sein. Dabei ist Doping in kaum einem Land strafwürdig. Dem interessierten Basketballprofi wird das eine Warnung sein. Für ihn ist es gefährlicher, gegen Abmeldevorschriften der Antidopinginstitutionen zu verstoßen als solange mit einem Stuhl auf anderer Leute Köpfe zu werfen bis der Arzt kommt.

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