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Doping-Kommentar Blutspur ins Nichts

 ·  Können die dopenden Ärzte der einstigen Radsporthelden im Team Telekom strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden? Die Fakten, die die Staatsanwaltschaft fand, waren überwältigend. Das aber machte alles nichts, oder nicht viel.

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© dpa Die Mauer des Schweigens hält: Doping hat für alle Beteiligten des Spitzensports strafrechtlich praktisch keine Folgen

Fünf Jahre hat die Freiburger Staatsanwaltschaft gesucht und nachgefragt. Ob nämlich die dopenden Ärzte der einstigen Radsporthelden im Team Telekom strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könnten. Die Fakten waren überwältigend: Etwa die Geständnisse der Mediziner und die Beschreibung des Radprofis Sinkewitz, wie verklumptes Blut aus einem Plastikbeutel in seinen Körper fließen sollte.

Für jeden Laien war der Fall klar: Hier haben sich Ärzte vom sportmedizinischen Dienst der Universität Freiburg an einer massiven, teils lebensgefährlichen Manipulation beteiligt, ganz bewusst gegen die Regeln des Sports verstoßen und das schmutzige Spiel bei Gelegenheit mit frommen Antidoping-Reden kaschiert.

Das aber macht alles nichts, oder nicht viel. Mehr als ein läppischer Strafbefehl von unbekannter Höhe wegen der Weitergabe von Medikamenten zu Dopingzwecken ist nicht dabei herausgekommen. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft quasi stellvertretend erklärt, warum Doping für alle Beteiligten des Spitzensports strafrechtlich praktisch keine Folgen hat. Es reicht, wenn die Mauer des Schweigens hält.

Wir haben richtig gehört: Die Staatsanwaltschaft ist unter anderem an dem Willen der Sportkameraden gescheitert, einander nicht zu verraten. Immerhin gibt es noch Werte im Spitzensport. Allerdings stärkt diese Blutsbrüderschaft zwischen Athleten und ihren Ärzten den Eindruck von der lächerlich schwachen Position staatlicher Fahnder.

Sie sollen, so wünscht es sich der Sport, die Hintermänner einfangen, die Verführer, die angeblich wahren Täter. Nun stellt sich wieder einmal heraus, dass man dieser Damen und Herren nur habhaft werden kann, wenn ihre sportlichen Klienten den Mund aufmachen. Besser wäre es, Politik und Sport würden sich endlich zu wirkungsvollen Gesetzesänderungen durchringen, die Staatsanwälten die nötigen Instrumente an die Hand geben.

In Bayern hat man das Dilemma längst erkannt

Die Ankläger kommen mit dem Besitzverbot „nicht geringer Mengen“ wesentlicher Dopingsubstanzen beim Kampf gegen die Dealerszene im Bodybuildung zwar gut voran, weil Händler mit Kofferraumladungen Anabolika erwischt werden. Aber in die abgeschottete Spitzensportenklave dringt der Staat nicht ein. Denn sich selbst zu dopen und die dafür notwendigen Substanzen bereit zu halten ist nicht strafbar.

In Bayern hat man das Dilemma längst erkannt. Trotzdem wird es vorerst keine bundesweite Mehrheit für den Versuch der Justizministerin Merk geben, unübersehbare Blutspuren bis hinein in Spitzensportzentren verfolgen zu lassen. Solange sich an dieser Misere nichts ändert, werden selbst die engagiertesten Staatsanwälte weiter ganz offiziell von gedopten Athleten und dopenden Ärzten sprechen - und im nächsten Moment hilflos die Hände heben.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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