20.08.2012 · „Wenn du nein gesagt hast zum Doping, hast du dich entschieden, deinen Traum zu beenden“, sagt Jonathan Vaughters, eine einflussreiche Figur im Radsport. Warum die Geschichte, mit der er Doping gesteht, zwar schön ist, aber wertlos.
Von Michael EderRichtlinien für Lesermeinungen
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Wer es immer noch nicht begriffen hatte, konnte sich vergangene Woche
hier von J. Vaughters belehren lassen: 98 % bis zur Weltspitze sind aus
eigener Kraft zu schaffen, wer mehr will, muß pharmakologisch
nachhelfen – und das nicht nur im Radsport, sondern auch in allen
anderen Ausdauersportarten, egal, ob Tennis, Rudern, Fußball oder Schwimmen.
Armstrong hat wie keiner vor ihm über mehr als ein Jahrzehnt sein
ganzes Leben auf die TdF ausgerichtet, intelligent und mit ungeheurer
Disziplin trainiert, ernährungsphysiologisch Bahnbrechendes
geleistet – diesem Umstand und unbedingtem Siegeswillen verdankt
er seine Ausnahmestellung unter den Tour-Fahrern, und nicht etwa der
Tatsache, daß er "anderes" eingenommen hätte als
die gewiß nicht weniger "kompetent" betreuten anderen
Athleten der Weltspitze.
"Doping" beginnt strenggenommen bereits bei einer Tasse
Kaffee, die definierten Grenzen sind pure Willkür und
Augenwischerei. Leider leidet darunter der Radsport wie keine zweite Sportart.
"Vaughters räumt Doping ein, ja, aber zum genehmen Zeitpunkt,
nach der Verjährungsfrist. Er nennt keine Namen, keine Teams, keine
Ärzte, keine Hintermänner, keine Lieferanten, keine
Doping-Praktiken, keine Medikamente. Er riskiert nichts, und deshalb
gehört kein Mut zu seiner Art des Geständnisses. Er kommt fein
heraus aus der ganzen Geschichte."
entscheidende Passage stimmt so nicht
Man kann Vaughters natürlich vorwerfen, dass er sich mit dem System
arrangiert, obwohl er sich seit Jahren als Saubermann des Radsports darstellt.
Die zitierte Passage, dass er keine Hintermänner usw. nennt, stimmt
so aber nicht, da er genau dieses im Rahmen des Doping-Verfahrens gegen
Lance Armstrong offensichtlich getan hat, genauso wie einige Fahrer
seines Teams. In der aktuellen Diskussion spielt es zudem eine wichtige
Rolle, welche Informationen im Vorfeld des Prozesses öffentlich
gemacht werden sollen (die US-Antidopingagentur und Zeugen wie Vaughters
sind an frühzeitiger Veröffentlichung nicht interessiert,
Armstrong und seine Anwälte schon). Von daher würde ich dem
Autor raten, sich besser zu informieren, zu respektieren, dass nicht
immer alle Details über die Presse herausposaunt werden müssen
und seine Einschätzung im weiteren Verlauf des Armstrong-Verfahrens
ggf. zu revidieren.
Ja wäre eine gute Gelgenheit gewesen.
Aber! Ein Anfangist gemacht. Schließich hat dieser Jonathan
Vaughters eine prominente Rolle im Radsprt inne und in dieser Funktion
auch viel Presse"arbeit" zu tun. Es wird nun eben die Aufgabe
von (insbesonder) Journalisten sein, immer wieder diese Fragen zu
stellen, die hier von Herrn Eder (Autor) aufgeworfen wurden. Und immer
wieder darauf drängen, Antworten zu erhalten.
Denn kein Radfahrer hat einen Nachteil, wenn er ohne Doping gewinnt.
Der Artikel hat das Problem gut dargestellt und auf den Punkt gebracht.
Dafür ein BRAVO n Herrn Eder.