22.05.2007 · „Dass es im Team Telekom Doping gab, überrascht mich nicht mehr“, sagt T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert im F.A.Z.-Interview. „Natürlich wissen wir, dass auch Rolf Aldag betroffen ist.“ Ein Ausstieg aus dem Radsport-Sponsoring komme aber nicht in Frage.
Einen Tag nach der Beichte des ehemaligen Telekom-Fahrers Bert Dietz in der ARD-Sendung „Beckmann“ kündigte das Nachfolge-Team T-Mobile erste Konsequenzen an. Zum Ende der Saison werde die Uni-Klinik Freiburg nicht mehr zuständig sein für die sportmedizinische Betreuung, sagt T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert im F.A.Z.-Interview. Ein Ausstieg der Konzerns aus dem Radsport-Sponsoring komme aber nicht in Frage.
Hat Sie irgendetwas an den Aussagen von Bert Dietz überrascht?
Dass es im Team Telekom Doping gab: Nein. Heute überrascht mich das nicht mehr. Dietz hat die Angaben von Jef D’hont bestätigt und glaubwürdig vorgetragen, wie das damals war.
Haben Sie daraufhin in alten Mannschaftsbüchern geblättert, um zu sehen, wer alles betroffen ist?
Wir brauchen hier keine Spielchen zu spielen. Natürlich wissen wir, dass auch Rolf Aldag betroffen ist. Wir sind mit ihm im Gespräch und werden das auch bleiben.
Könnte der Teamchef von T-Mobile durch eine eigene Beichte seine Lage verbessern?
Dazu kann ich noch nichts sagen. Ich war seit der Sendung noch nicht wieder in Bonn, wo wir sehr klare und zeitnahe Entscheidungen treffen werden. Wir arbeiten gemeinsam an Lösungen.
Gibt es schon andere Konsequenzen?
Was die medizinische Betreuung des Teams T-Mobile angeht, hatten wir ja bereits Konsequenzen gezogen und haben uns von den belasteten Ärzten getrennt. Das gilt auch für die Zukunft. Wir werden nach Saisonende nicht mehr mit der Uniklinik Freiburg zusammenarbeiten und suchen jetzt nach Alternativen.
Finden Sie es eigentlich angemessen, dass Dietz eine Amnestie für belastete Radprofis verlangt, damit sie neu anfangen können?
Die Bewertung dieser Forderung will ich anderen überlassen. Für uns gilt: Wir wollen reinen Tisch machen. Der komplette Sport hat ein Problem und der Radsport ganz besonders. Er sollte eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir sind dazu bereit mit unserem umfangreichen Anti-Doping-Programm, aber hinter uns gehen viele in Deckung.
Stimmt es eigentlich, dass der jetzt so stark belastete Lothar Heinrich maßgeblich zu diesem Programm beigetragen hat?
Ja.
T-Mobile hat sein Engagement im Radsport im September 2006 bis 2010 verlängert. Wieso?
Wir haben gesagt, wir gehen in die Verantwortung. Wir wollen geradeaus nach vorne gehen für einen sauberen Sport.
Steht das Engagement nach der heutigen Erkenntnislage nun nicht in Frage?
Wir prüfen unsere Engagements immer. Wenn Sie mich fragen, ob wir vor dem Absprung stehen, sage ich: nein. Wenn Sie fragen, ob es dafür eine Garantie gibt, sage ich auch nein. Wenn wir merken würden, dass unsere Bemühungen um einen sauberen Sport keinen Sinn machen, wäre es absurd, daran festzuhalten.