http://www.faz.net/-gu9-74gn8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.11.2012, 17:29 Uhr

Doping Hamilton belastet deutschen Arzt

Ein deutscher Arzt soll nach Informationen der F.A.Z. an Blutransfusionen während der Tour de France 2004 beteiligt gewesen sein. Dies bestätigte der geständige Doper und frühere Radprofi Tyler Hamilton der F.A.Z..

von Jürgen Kalwa, New York
© dapd Doping-Kronzeuge: Tyler Hamilton belastet einen deutschen Arzt

Der frühere Radprofi Taylor Hamilton hat die Beteiligung eines deutschen Arztes an seinem Doping geschildert. „Also führten die Phonak-Teamärzte die Transfusion durch“, schreibt der Amerikaner in einer bislang übersehenen Passage seines Buches „Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte“. Dabei bezieht sich der 41 Jahre alte Hamilton, einst Teamkollege von Lance Armstrong, auf eine Eigenblut-Episode während der Tour de France 2004 in einem Hotel in Limoges.

Der Name des Mediziners taucht in der Niederschrift von Hamiltons Erinnerungen an seine Dopingzeit zwischen 1997 und 2004 zwar nicht auf. Auf Nachfrage aber hat er den Doktor benannt, der die Transfusion vorgenommen haben soll. Es handelt sich um einen Mediziner aus Deutschland, der bei verschiedenen Profi-Teams als Mannschaftsarzt gearbeitet hat, auch während der Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr. Unter anderem wirkte der Beschuldigte auch bei dem schweizerischen Rennstall Phonak, bevor das Team wegen eines Dopingskandals aufgelöst wurde.

Mediziner dementiert

Der angesprochene Mediziner hat den Verdacht gegenüber dem WDR-Sportmagazin „sporrt inside“ und der F.A.Z. von sich gewiesen und behauptet, die im Buch geschilderten Abläufe seien für ihn „vollkommen neu“. Auf eine E-Mail mit konkreten Fragen zu den Vorgängen von Limoges reagierte er nicht. Stattdessen meldete sich sein Stuttgarter Anwalt mit einem Brief, der darauf verzichtet, eine eindeutige Antwort zu geben. Die Begründung: Es sei nicht „zweckdienlich, die Angelegenheit in einem spekulativen Stadium über die Öffentlichkeit auszutragen“.

Mehr zum Thema

Ebenfalls unbeantwortet blieb eine in derselben E-Mail gestellte Frage nach weiteren Dopingvergehen. Hamilton hat im Gespräch mit dieser Zeitung den Einsatz von Kortison geschildert. Demnach seien die Ärzte allzu gerne bereit gewesen, mit fingierten Diagnosen ihren Fahrern sogenannte Ausnahmegenehmigungen zu besorgen. Die Vergabe von Kortison wird im Sport als Dopingmittel gewertet. Athleten, die eine ärztliche Indikation vorweisen können, gelten im Fall einer positiven Probe aber nicht als Doper.

„Wir haben die Zertifikate für Verletzungen bekommen, die wir nicht hatten“, erklärte Hamilton. „Ich glaube, jeder Arzt im Peloton wusste, was für ein Spiel da gespielt wurde. Unsere Ärzte wussten, was im Radsport los war“, fügte er hinzu. Ähnlich sieht das auch der ehemalige Radsport-Insider Christian Frommert, der einst beim des Dopings überführten Team Telekom als Pressesprecher arbeitete. „Wissen ist das eine, Sie brauchen dazu Beweise“, sagte Frommert dem WDR, „aber zu sagen, ,das ist mir völlig neu, ich habe davon nichts mitbekommen‘ ... gerade als Arzt, der Untersuchungen leitet: Er muss wirklich an einer Amnesie leiden.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Doping im Fußball Die wollen doch nur spielen

In fast allen Sportarten wird gedopt. Nur beim Fußball angeblich nicht. Weil das nichts bringt, heißt es. Aber das ist ein einziges Märchen. Mehr Von Andreas Frey und Michael Brendler

17.06.2016, 10:18 Uhr | Wissen
Kinotrailer Everybody Wants Some

Everybody Wants Some, 2016. Regie. Richard Linklater. Darsteller: Blake Jenner, Ryan Guzman, Tyler Hoechlin. Verleih: Constantin Film. Kinostart: 02. Juni 2016 Mehr

06.06.2016, 15:05 Uhr | Feuilleton
Bestechung in Russland? 68.000 Euro für die Sauberkeit

In Russland sollen Schwimmer die Möglichkeit gehabt haben, aus dem Doping-Testprogramm genommen zu werden – gegen Bezahlung. Das ergeben Recherchen der F.A.Z. So hätten sie verbotene Substanzen nehmen können ohne aufzufallen. Mehr Von Sabrina Knoll

17.06.2016, 11:55 Uhr | Sport
Luftige Stadtrundfahrt Im Oldtimer-Cabrio durch Berlin

Bei einer Rundfahrt im Cabriolet lässt sich Berlin ganz entspannt erleben. Mit freier Sicht geht es vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie dem Brandenburger Tor, der Museumsinsel und dem Checkpoint Charlie. Mehr

07.06.2016, 08:58 Uhr | Reise
Olympia-Ausschluss Der Professor hat den Schwarzen Peter

Vor kurzem stand IAAF-Präsident Coe das Wasser noch bis zum Hals, jetzt gilt er in der Russen-Frage als Kämpfer für Gerechtigkeit. IOC-Chef Bach steht dafür als Verhinderer da. Mehr Von Evi Simeoni

25.06.2016, 18:08 Uhr | Sport

Distanz ist anders

Von Anno Hecker

Als EM-Experten werden Mehmet Scholl und Oliver Kahn fürstlich entlohnt. Sie meiden meist die Konfrontation – sonst verlieren sie ihren Stand in der Fußballfamilie. Diese Abhängigkeit dürfte eigentlich kein Honorar wert sein. Mehr 39 65