03.04.2009 · Der Skandal um die Wiener Blutbank ist noch immer nebulös. Ein Arzt des verdächtigen Labors Humanplasma lässt nun seine Aufgaben ruhen. Unterdessen interessieren sich auch die deutschen Anti-Doping-Jäger für den Fall.
Von Rainer SeeleKein Tag ohne Enthüllungen? Österreich wurde jetzt wieder durch einen vermeintlichen Dopingskandal aufgeschreckt. So berichtete eine österreichische Tageszeitung, dass bei Tests von zwei heimischen Radteams in Kroatien bei zehn von 13 Fahrern einer Mannschaft das Blutdopingmittel Epo entdeckt worden sei. Allerdings scheint dieser Fall noch undurchsichtig zu sein. Andreas Schwab, Geschäftsführer der österreichischen Anti-Doping-Agentur, bestätigte am Donnerstag die Trainingskontrolle in Kroatien. Das sei eine Routineaktion gewesen, „wir sind auch ein bisschen gescheiter geworden“. Ein Analyseergebnis sei aber noch gar nicht bekannt. „An der Gerüchtebörse“, sagte Schwab, „ist momentan enorm viel im Gange.“ Teilweise vermutlich aus gutem Grund.
Die Aufmerksamkeit steigt ja nun auch in Deutschland, die Doping-Ermittlungen in Österreich könnten auch für deutsche Behörden höchst interessant sein. Das gilt zum Beispiel für die Freiburger Staatsanwaltschaft, die immer noch die Verstrickungen der Uni-Klinik Freiburg in unerlaubte Praktiken im Radsport untersucht. Es geht dabei um das Team Telekom und dessen Nachfolger T-Mobile, der Hesse Patrik Sinkewitz hatte bereits einiges über Manipulationen erzählt (siehe: Der Fall Sinkewitz: Vom Dopingsünder zum Kronzeugen). Die Freiburger Justiz hat inzwischen einen weiteren Zeugen zweimal vernommen, seine Angaben seien von Bedeutung, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung. „Jetzt laufen noch ein paar Rechtshilfegeschichten.“ Das könnte bald auch Österreich betreffen, wo gerade die Affäre um die Wiener Blutbank neue Kreise zieht. Maier spricht auf alle Fälle von einer „potentiellen Möglichkeit“. Er sagte: „Wir werden mal gucken, ob das Bundeskriminalamt Erkenntnisse hat.“
Deutsche Doping-Bekämpfer stehen im Kontakt mit Wien
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) ist bereits in Kontakt mit der Nada in Österreich. Die deutsche Justitiarin Anja Berninger sprach dieser Tage wegen der jüngsten Entwicklungen mit Schwab. „Wir freuen uns“, sagte Schwab, „dass sich auch schon die deutschen Kollegen bei uns erkundigt haben, wie wir da jetzt vorgehen.“ Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich hatten ohnehin eine Kooperation ihrer Anti-Doping-Agenturen vereinbart. Vorerst zumindest hat Schwab den Deutschen im Zusammenhang mit den Turbulenzen um Humanplasma offenbar keine neuen Informationen liefern können. Es seien, behauptete er, in Österreich bisher keine Namen von deutschen Sportlern aufgetaucht.
Dass in Österreich, wie nun zu vermuten ist, ein dichtes Doping-Netzwerk mit einer möglicherweise internationalen Ausstrahlung existiert, hat Schwab angeblich erstaunt. Er sagte, dass er die Sache aber auch positiv sehe. Es werde einen Reinigungsprozess geben, so Schwab, danach sollte Österreich im Anti-Doping-Kampf „wesentlich besser“ dastehen als zuletzt. Inzwischen schaltete sich auch die Disziplinarkommission der Wiener Ärztekammer ein, sie ermittelt gegen einen Wiener Kinderarzt. Dem Labor Humanplasma droht ebenfalls Ungemach. „Es ist ganz einfach ein Sumpf, der wirklich trockengelegt gehört“, sagte Ärztekammerpräsident Walter Dorner. Einer der Mediziner von Humanplasma, der in die Kritik geraten ist, lässt sein Vertragsverhältnis mit dem Unternehmen vorerst ruhen – bis die Anschuldigungen geklärt sind.