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Doping-Bericht : Bitte warten

Wie weit ist Doping in Deutschland verbreitet? Der Bericht lässt auf sich warten Bild: dpa

Das Forschungsprojekt „Doping in Deutschland“ ist zu Ende, veröffentlicht wird der Abschlussbericht aber nicht. Die Gründe dafür bleiben unklar - auch im Sportausschuss. Statt aktiv Politik zu betreiben, hält er sich zurück.

          Das Forschungsprojekt „Doping in Deutschland“ ist zu Ende, aber niemand weiß, was drin steht. Der Abschlussbericht ist nach fünf Jahren Forschung und Streit immer noch nicht publiziert, und im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, in dem diese nur 240 Seiten umfassende Zusammenfassung am Donnerstag vorgestellt werden sollte, gab es deshalb von Sport und Opposition lebhaften Ausdruck von Enttäuschung und Empörung. Der Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, Jürgen Fischer, von dem die Publikation erwartet wird, bat um Entschuldigung. Staatssekretär Christoph Bergner, sein Vorgesetzter, trat Verdächtigungen entgegen, das Innenministerium verzögere den Bericht, weil die Ergebnisse prekär seien. Dennoch wurde nicht deutlich, woran es denn nun liegt: am Einwand des Datenschutzbeauftragten, Doper und Gedopte beim Namen zu nennen? An der Säumigkeit des Beirates, dessen letztes Votum am Donnerstag eintraf? Gar an den Forschern von Humboldt-Uni Berlin und Universität Münster, die nicht herzlich zusammenarbeiteten?

          Nominierungskriterien als Dopinganlass

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Mit jedem Tag, den der Abschlussbericht nicht veröffentlicht wird, steigen die Spekulationen und Befürchtungen“, warnte der Historiker Giselher Spitzer, der die Berliner Forschungsgruppe leitete. „Die Dinge müssen auf den Tisch.“ Er will nach dem Band über die sogenannte präanabole Zeit 1950 bis 1972 in den nächsten Wochen Band zwei über die siebziger und achtziger Jahre veröffentlichen.

          Spitzer hatte dem Sportausschuss zukommen lassen, was seit der Ausschreibung 2008 als Ziel des umstrittenen Projektes beschrieben wird: Schlussfolgerungen und Lehren aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auf vier eng beschriebenen Seiten führte er „Verlauf, Ergebnisse und Bewertung des Projektes“ aus und kam dabei zu profunden Folgerungen wie der, dass die Forderung nach einer realistischen Chance auf Endkampfteilnahme als einziges Nominierungskriterium sich als stark wirksamer Dopinganlass erwiesen habe. Auch forderte er, dass anders als bisher Posten in der Dopinganalytik und im Dopingrecht nicht mit Personal aus Sport und Verbänden besetzt werden dürfe.

          Hinter verschlossenen Türen

          Aus der Erforschung von sechzig Jahren Doping leitete er die Warnung ab, Athleten wie Ärzte und Mitarbeiter mit Zwängen und Verlockungen allein zu lassen. Spitzensportler müssten Ansprechpartner für vertrauliche Kontakte haben, Ärzte, Trainer, Physiotherapeuten müssten in ihrer Ausbildung darauf vorbereitet werden, nicht in ein Dilemma zu geraten, wenn ihnen die Mitwirkung an Doping abverlangt werde. Bildung und Information müssten Aktive in die Lage versetzen, sich einer Verselbständigung des Leistungsprinzips zu verweigern. Und wie selbstverständlich fordert Spitzer ein Gesetz gegen Doping; es müsse die Strafbarkeit des Athleten einbeziehen. Auch für den Verstoß von Funktionsträgern gegen ethische Prinzipien bedürfe es verbindlicher Umgangsempfehlungen. Weitere Forschung sei nötig, ist Spitzers Credo, die Forschungsergebnisse sollten in Sport und Schule verbreitet werden.

          Doch aus all dem machte der Sportausschuss zwar eine Drucksache. Doch weder lag sie aus, wie üblich, noch ging auch nur ein einziger Abgeordneter darauf ein. Er sehe keinen Grund, dass nicht der Sportausschuss des nächsten Bundestages sich in aller Ruhe mit den Forschungsergebnissen beschäftigen solle, sagte Klaus Riegert. Er und die Regierungsfraktionen lehnten den Antrag ab, den Bericht auf einer Sondersitzung knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl in Empfang zu nehmen. Damit sprach der scheidende Unionsabgeordnete, vielleicht deutlicher als er wollte, ein Schlusswort zur Arbeit des Sportausschusses. Diese fand, ungehört und ohne Folgen, weitgehend hinter verschlossenen Türen statt. Auch am Schlusstag machte der Ausschuss nicht den Eindruck, als wollte er Sportpolitik machen.

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