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Doping bei der Tour 1998 Positive Epo-Proben von Ullrich, Zabel und Pantani

Auf 238 Seiten arbeitet die Untersuchungskommission des französischen Senats die Doping-Vergangenheit auf. Das Ergebnis ist für den Radsport verheerend: Ob Ullrich, Zabel oder Pantani - bei der Tour de France 1998 wurde flächendeckend mit Epo gedopt.

© picture-alliance / Sven Simon Jan Ullrich (links) und Erik Zabel

Die schwarze Liste der Tour de France 1998 liest sich wie ein „Who is Who“ des Radsports und entlarvt endgültig die früheren deutschen Helden Jan Ullrich und Erik Zabel. Den langjährigen Aushängeschildern des Teams Telekom wurde - wie auch dem damaligen Gesamtsieger Marco Pantani (Italien) - der Gebrauch des Blutdopingmittels Epo bei der Frankreich-Rundfahrt 1998 nachgewiesen. Auch die drei ehemaligen Weltmeister Mario Cipollini (Italien), Laurent Jalabert (Frankreich) und Abraham Olano (Spanien) sowie die früheren französischen Stars Jacky Durand und Laurent Desbiens flogen auf.

Das geht aus dem 238-seitigen Report der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats hervor, der am Mittwoch den Radsport ein weiteres Mal schwer erschütterte - und das nur drei Tage nach dem Ende der gefeierten Jubiläumstour 2013. „Die jüngsten Meldungen aus Paris sind ein weiterer Beleg für das ’verseuchte’ Jahrzehnt und sind nach heutigem Wissensstand nicht sonderlich überraschend“, erklärte der deutsche Verbandspräsident Rudolf Scharping. „Für die Gegenwart und die Zukunft des Radsports hat dies keine Bedeutung, wie zuletzt das Abschneiden und das Verhalten der deutschen Radsportler während der Tour de France gezeigt haben.“

Der französische Bericht bezog sich auf anonymisierte Proben, die durch ein moderneres Testverfahren 2004 neu auf Epo analysiert und den Fahrern zugeordnet werden konnten. Ähnlich waren bereits die sechs positiven Proben von Lance Armstrong bei der Tour de France 1999 entschlüsselt worden. Die Betroffenen gingen am Mittwoch auf Tauchstation. Ullrich-Berater Falk Nier wollte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa die Nachricht nicht kommentieren. „Ich muss den Bericht erst einmal lesen“, sagte er. Es sei unklar, ob sich Ullrich zu den neuen Enthüllungen äußern werde. Ullrich hatte bislang nur Eigenblut-Doping beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gestanden. Dabei ging es in erster Linie um die Schlussphase seiner Karriere. Über die Zeit seiner großen Erfolge, speziell bei seinem Toursieg 1997, hatte er stets geschwiegen. 1998 war er Zweiter.

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Eine andere Version hatte Zabel bei seinem tränenreichen Geständnis am 24. Mai 2007 in Bonn an der Seite von Rolf Aldag gewählt. Eine Woche lang habe er Epo bei der Tour 1996 ausprobiert, aber nicht vertragen. „Wenn ich von meinem Sohn erwarte, dass er ein guter Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen“, hatte der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots damals gesagt. Eine Version, die nach den neuesten Erkenntnissen angezweifelt werden muss. Zabel, derzeit Sportdirektor des umstrittenen Teams Katusha, war auf dpa-Anfrage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch der Deutsche Jens Heppner taucht in dem Untersuchungsbericht auf. Demnach kann eine Dopingprobe des langjährigen Telekom-Profis Heppner vom 14. Juli 1998 eindeutig einem positiven Wert von Nachanalysen aus dem Jahr 2004 zugeordnet werden. Heppner hatte in der Vergangenheit Doping stets bestritten und beteuert, von systematischem Doping beim Team Telekom nichts mitbekommen zu haben haben. Der heutige NetApp-Sportdirektor war auf dpa-Anfrage zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Bei Jens Voigt konnte unterdessen keine Nachanalyse vorgenommen worden, weil nicht mehr genügend Urin vorlag. Ähnlich verhielt es sich bei den Proben von Jörg Jaksche und Udo Bölts, die aber bereits ein Doping-Geständnis abgelegt hatten.

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