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Doping : Professor verteilte Anabolika auf Rezept

Krivec bringt das aufgetauchte Rezept von Steinbach mit einem Erlebnis in Zusammenhang, mit dem die Doping-Karriere des Kugelstoßers Gerd Steines (links) begann. Bild: dpa

Eine Dissertation über Anabolika-Doping unter Leichtathleten sorgt für Aufregung. In der Arbeit findet sich auch ein Detail über einen Sportfunktionär, das bislang unbekannt gewesen ist.

          Die Dissertation über Anabolika-Doping unter Leichtathleten der alten Bundesrepublik, mit der Simon Krivec seit gut einer Woche im deutschen Sport Aufmerksamkeit erregt, ist von diesem Montag an öffentlich. Er sei überrascht von der Aufregung, die er ausgelöst habe, sagte der junge Apotheker aus Krefeld in den vergangenen Tagen immer wieder, schließlich seien Erkenntnisse weder über Doping im Westdeutschland der sechziger, siebziger und achtziger Jahre noch dessen Unterstützung durch die Freiburger Professoren Klümper und Keul neu.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Und doch findet sich in der mit summa cum laude bewerteten Arbeit ein Detail, das bislang unbekannt war. Manfred Steinbach, ehemaliger Sprinter und Weitspringer, Medizin-Professor, Mitglied im Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (...)*, Persönliches Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland und bis 1993 Ministerialdirektor im Bundesministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, hat im November 1967 „für den eigenen Gebrauch“ 500 Tabletten des Anabolen Steroids Dianabol rezeptiert. Steinbach warnte öffentlich stets vor Anabolika-Doping. Krivec konfrontierte ihn mit dem Dokument, welches im Anhang der Arbeit mit dem Aufdruck „Sportmedizinische Abteilung des staatlichen Hochschulinstituts für Leibeserziehung Mainz“ und der Unterschrift und dem Stempel Steinbachs abgebildet ist.

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          Steinbach, heute 83 Jahre alt, erwidert schriftlich, er habe die Tabletten für seine 1968 veröffentlichte Arbeit über die Wirkung von Anabolika auf die Leistungsfähigkeit von Jugendlichen gebraucht. Er erklärt zudem, dass es sich um Tabletten von 5 mg gehandelt habe. Krivec weist nach, dass diese Erklärung zumindest widersprüchlich ist. Zum einen fand die drei Monate lange Untersuchung mit 125 Jugendlichen bereits 1966 statt.

          Zum anderen sei dabei das Doping-Mittel in Dosierungen von 1 mg verabreicht worden. Steinbach bestätigt außerdem, dass er dem Diskuswerfer Hein-Direck Neu in dessen Mainzer Zeit anabole Steroide verschrieben habe – „mein Sündenfall“, schreibt er.

          Krivec bringt das nun aufgetauchte Rezept von Steinbach mit einem Erlebnis in Zusammenhang, mit dem die Doping-Karriere des Kugelstoßers Gerd Steines begann und über die der Journalist vor dreißig Jahren, 1986, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtete: „Damals traf ich in der Gießener Universitätssporthalle einen gutklassigen Sprinter (heute Professor an einem renommierten deutschen Sportinstitut), von dem ich zum ersten Mal etwas über Anabolika hörte.

          Er versicherte mir, dass er und seine Sprintkollegen den Anabolika Leistungssteigerungen bis zu einer halben Sekunde verdankten und dass Anabolika bei mir als Kugelstoßer noch besser anschlagen würden.“ Trainer der Mainzer Sprintgruppe war Manfred Steinbach, ein ehemaliger Sprinter.

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