Home
http://www.faz.net/-gua-x5ct
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Mittwoch, 15. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Dänische Studie: Epo-Tests unzuverlässig „Ich habe noch nie so eine drastische Situation gesehen“

27.06.2008 ·  Sechs Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele hat eine Studie im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit von Epo-Tests geäußert. Für Sportler sei das Risiko überführt zu werden zum Teil fast gleich null.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Sechs Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking hat eine dänische Studie im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit von Epo-Tests geäußert. Das Risiko eines Athleten, nach Einnahme des leistungssteigernden Hormons Erythropoietin durch Urinkontrollen überführt zu werden, sei bei manchen Wada-Labors fast gleich null, bemängeln die Mitarbeiter des Muskelforschungszentrums in Kopenhagen. Die Autoren kommen in der Online-Ausgabe des „Journal of Applied Physiology“ zu dem Schluss, dass derartige Wettkampftests von „geringem bis keinem Wert“ seien.

Die Forscher um Carsten Lundby injizierten acht Männern zunächst während einer zweiwöchigen Aufbauphase jeden zweiten Tag das Hormon Epo, das die Sauerstoffaufnahme des Blutes fördert. In der zweiten leistungserhaltenden Phase, die für Wettkämpfe relevant ist, erhielten die Teilnehmer das Doping-Mittel nur noch im wöchentlichen Abstand. Trainingstests bestätigten, dass das Leistungsvermögen der Männer deutlich anstieg.

Deutliche Leistungssteigerung, geringes Nachweisrisiko

Dann ließen die Forscher den Urin der Probanden in zwei der weltweit insgesamt 33 akkreditierten Wada-Labors analysieren. Während der Aufbauphase fand eines der Labors Epo in allen Proben, während das andere sie nur als „verdächtig“ einstufte. Von dem während der leistungserhaltenden Phase entnommenen Urin bewertete das erste Labor nur sechs von 16 Proben als positiv. Das zweite Labor gab sogar in allen Fällen Entwarnung.

Wurde der Urin in der Phase nach der Epo-Gabe entnommen, kam das erste Labor nur bei zwei von 24 Proben zu einem positiven Befund. Das zweite Labor kam wiederum ausschließlich zu negativen Ergebnissen. Auf Wettkämpfe übertragen hieße dies, dass es bei Doping mit Epo eine deutliche Leistungssteigerung gebe und gleichzeitig ein geringes Nachweisrisiko bestehe, betonen die Wissenschaftler.

Forscher fordern bessere Nachweisverfahren

Die leistungserhaltende Phase mit nur sporadischer Epo-Einnahme kann ihren Angaben zufolge über eine ganze Wettkampfsaison ausgedehnt werden. Die uneinheitlichen Ergebnisse könnten aufgrund von Unterschieden in den Labor-Standards zustande gekommen sein oder weil die Tests kompliziert und nicht besonders sensibel seien, so die Autoren.

„Es sollte darüber nachgedacht werden, ob es ratsam ist, mehr Zeit und Geld für diese Verfahren aufzuwenden“, heißt es in der Studie, in der die Forscher bessere Verfahren zum Nachweis der Substanz fordern. Damit sei aber vor der Tour de France und den Olympischen Spielen in Peking nicht mehr zu rechnen.

Doping-Experte Franke: „Seriöse, aber nicht neue Ergebnisse“

„Ich habe noch nie eine so drastische Situation gesehen, wie sie in diesem Artikel beschrieben wird“, sagte Wada-Forschungsdirektor Olivier Rabin der amerikanischen Zeitung „International Herald Tribune“. Und Don Catlin, Chef der unabhängigen Vereinigung Anti-Doping-Research in Los Angeles, betonte: „Dieses Dokument öffnet uns ganz sicher die Augen. Es ist ziemlich bemerkenswert.“

Der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke hält die Studie für „ zweifellos seriös. Aber sie bringt nichts Neues. Wir haben das schon vor zwei Jahren publiziert und eine Verbesserung der Analysemethoden gefordert.“ Der Epo-Test sei seit 2003 mehrfach verbessert worden, ergänzte Franke, „und der letzte Stand ist bei dieser dänischen Studie noch nicht berücksichtigt.“ Auf frühere Kritikpunkte hätten die Wada und ihre Labors reagiert und die Analyseverfahren „deutlich verbessert“.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Gipfel der Aggressionen

Von Uwe Marx

Das Zweitliga-Gipfeltreffen zwischen Düsseldorf und Frankfurt endet im Tumult. Das war vorhersehbar. Und es ist Folge des engen Existenzkampfs um den Aufstieg. Mehr 2 13