25.07.2007 · Ohne das Team Astana und Andreas Klöden ist die Tour de France auf die 16. Etappe gegangen, nachdem Alexander Winokurow des Blutdopings überführt wurde. „Nur weil einige Russisches Roulette spielen, stoppen wir das Rennen nicht“. sagt Tour-Direktor Preudhomme.
Ein positiver Dopingtest des Kasachen Alexander Winokurow und der Rückzug seines Teams droht die Tour de France aus der Bahn zu werfen: Der als Favorit in die Frankreichrundfahrt gestartete Astana-Kapitän wurde nach seinem Sieg beim Zeitfahren am vergangenen Samstag des Dopings mit Fremdblut überführt, wie eine Teamsprecherin bestätigte.
„Alexander Winokurow wurde positiv im Zusammenhang mit einer Bluttransfusion getestet, und das Team verlässt die Tour“, sagte Corinne Druey. Damit ist die Rundfahrt auch für Winokurows deutschen Team-Kollegen Andreas Klöden schon fünf Tage vor der Zieleinfahrt in Paris beendet.
„Die Tour durchlebt eine schwarze Periode“
Für den Chef der Tour de France, Christian Preudhomme, kommt nach der Überführung von Dopingsünder Alexander Winokurow ein vorzeitiger Abbruch der Frankreich-Rundfahrt nicht in Frage. „Es war kein Thema für uns, die Tour zu stoppen, nur weil einige Russisches Roulette spielen“, sagte der Franzose am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Wie weiter bekannt wurde, haben die Tour-Organisatoren Winokurows Team Astana zum sofortigen Ausstieg geraten. Dies bestätigte der Manager der kasachischen Mannschaft, Marc Biver.
Für die 104. Tour de France ist der Fall Winokurow der bislang schwerste Rückschlag: Zuvor hatte das Team T-Mobile bereits seinen Fahrer Patrick Sinkewitz wegen eines erhöhten Testosteronwertes suspendiert. Zudem steht der Gesamtführende Michael Rasmussen unter Verdacht, weil er mehrfach gegen die Meldepflicht für unangekündigte Dopingtests verstoßen hat. „Die Tour durchlebt eine schwarze Periode“, sagte Clair.
Zwei Arten von roten Blutkörperchen
Laut der Sportzeitung „L'Equipe“ wurden nach Winokurows Sieg beim Zeitfahren in Albi am Samstag Hinweise auf eine unerlaubte Bluttransfusion festgestellt. In der A-Probe seien zwei verschiedene Arten von roten Blutkörperchen gefunden worden. Dies deute darauf hin, dass er kurz vor dem Rennen Blut von einem passenden Spender erhalten haben müsse (homologe Methode). Pat McQuaid, Präsident der Radweltverbandes UCI, sagte, er müsse vor einer Stellungnahme die B-Probe abwarten. Auch nach Winokurows zweitem Etappensieg am Montag wurde laut „L'Equipe“ ein Test gemacht, die Ergebnisse stünden noch aus. Die Analysen würden vom Labor Chatenay-Malabry bei Paris durchgeführt.
Bei Erhalt der Nachricht des neuen Doping-Falles brach Radprofi David Millar am zweiten Tour-Ruhetag in Pau in Tränen aus. „Wenn das in unserer jetzigen Situation einem Fahrer dieses Formats passiert, ist der Radsport nicht mehr zu retten“, prophezeite der Schotte, der im Vorjahr eine zweijährige Doping-Strafe beendet hatte und sich seitdem als engagierter Antidoping-Kämpfer gibt. Der neue deutsche Radsport-Liebling Linus Gerdemann vom Team T-Mobile war erschüttert: „Das ist natürlich sehr schlimm und ich fühle mich von Winokurow verarscht, aber es zeigt, dass die Kontrollen greifen.“
Razzia im Hotel
Alexander Winokurow hat nach Angaben seines Teamchefs Blutmanipulationen bestritten. Astana-Teamchef Marc Biver sagte am Dienstagabend, sein Fahrer glaube, dass die „Blutanomalien in seinem Körper“ die Folge eines Sturzes in der vergangenen Woche sein könnten. Unterdessen durchsuchten rund 30 Polizisten das Hotel des kasachischen Radrennteams, das sich aus der Tour de France zurückgezogen hat. Das Hotel „La Palmeraie“ im südwestfranzösischen Pau wurde abgesperrt. Für etwa zwei Stunden hielten sich die Beamten im Hotel auf und beschlagnahmten einige Dinge. Winokurow hatte Pau zur Zeit der Durchsuchungen bereits verlassen. Weitere Teammitglieder wie der Lausitzer Andreas Klöden, Sportdirektor Mario Kummer und Teamchef Marc Biver wurden in ein Zimmer gebracht und durften es für den Verlauf der Aktion nicht verlassen.
Der 33-Jährige Winokurow galt vor dem Start der Tour vor 16 Tagen in London als klarer Favorit, verlor aber nach einem Sturz auf der fünften Etappe viel Zeit. Er konnte keine Bergankunft gewinnen und lag vor der 16. Etappe mit 28:21 Minuten abgeschlagen an 23. Stelle.
T-Mobile hatte in der vergangenen Woche seinen Fahrer Sinkewitz suspendiert, nachdem bei einer bereits in Juni genommenen Dopingprobe ein überhöhter Testosteron-Wert festgestellt worden war. ARD und ZDF stellten daraufhin ihre Live-Berichterstattung über die Tour de France ein.
Das bei Winokurow in der A-Probe nachgewiesene Fremdblutdoping steht auf der Liste der verbotenen Methoden des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Die roten Blutkörperchen des zugeführten Blutes sorgen für eine bessere Sauerstoffversorgung der Muskeln. Experten halten eine Leistungssteigerung bis zu 15 Prozent für möglich.
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