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Berechnungen eines Mikroökonomen : „Doping lohnt sich – zumindest wirtschaftlich“

Lance Armstrong als Beispiel: Der Fall des Dopers half bei den Berechnungen Bild: AFP

Lohnt sich Doping? Ja. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Mikroökonom Volker Robeck. Im FAZ.NET-Interview verrät er, wie sehr ihm der Fall Armstrong half und was der Sport aus seinen Berechnungen lernen kann.

          Sie haben ausgerechnet, dass professionelle Radsportteams ein Interesse an Doping haben. Können Sie uns das erläutern?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In meinem Modell ist das so, ja. Die Teams haben ein Interesse an Doping, weil sie mit Doping ihren Gewinn erhöhen können. Selbst wenn ein Anti-Doping-Kampf stattfindet, ist der Gewinn immer noch höher.

          Warum?

          Teammanager profitieren davon, dass Aufmerksamkeit und Gelder generiert werden durch gute Leistungen. Eine Steigerung der Leistung führt zu einer höheren Entlohnung, das spiegelt den Gedanken des „schneller, weiter, höher“. Die Sponsoren orientieren sich daran. Sie sind bereit, für mehr Erfolge mehr zu zahlen, allerdings immer unter dem Gesichtspunkt, dass nicht zu viele Doping-Fälle bekanntwerden.

          Sie haben für Ihre Erkenntnis keine Geständnisse gebraucht, sondern Gleichungen aufgestellt, also Verhaltenswahrscheinlichkeiten berechnet. Wie funktioniert das?

          Mein mathematisches Modell basiert auf der Vertrags- und Spieltheorie und dient als ein Hilfskonstrukt, um aufzuzeigen, welche Beziehungen in einem Radrennstall untereinander vorliegen und welche Abhängigkeiten bestehen. Das hilft, die Argumente abzubilden. In der Gleichung stecken Annahmen zu den Fragen, wie Erfolg generiert wird, wie das Team profitiert, wie die Entlohnung funktioniert, wie das Team den Athleten bezahlt, welche Kosten den Athleten betreffen. Ich musste also eine Aussage treffen zu der Frage, was Trainings- und was Doping-Kosten sind. Und ich musste formulieren, ob ich einen starken Anti-Doping-Kampf in mein Modell aufnehme. Ich habe die Annahmen aus der Realität möglichst genau in mein Modell übertragen, um dann zu schauen, an welchen Stellgrößen man drehen kann, um Doping zu beeinflussen.

          Woher haben Sie Ihre Annahmen?

          Es gibt sehr gute Beschreibungen über die Strukturen von Teams, wie Vertragsbeziehungen gestaltet sind, welcher Anteil an Sponsorengeldern ins Team fließen. Sie finden Hinweise dazu unter anderem in den Untersuchungsberichten der USADA (Anti-Doping-Agentur der Vereinigten Staaten), die am Fall Lance Armstrong sehr genau beschreibt, wie so ein Team funktioniert. Die Kommission der Universität Freiburg zur Aufklärung von Doping an der sportmedizinischen Einrichtung hat das System des deutschen Team T-Mobile (unter anderem mit Jan Ullrich/d. Red.) en detail beschrieben. Es ist nicht so schwer, eine gute Vorstellung zu bekommen, wie Radsportteams funktionieren.

          Sie haben drei theoretische Modelle durchgespielt, welche?

          Das erste Modell ist ein Benchmarksetting mit der Annahme, der Kampf gegen Doping sei perfekt. Es mache also keinen Sinn, Doping-Mittel zu nehmen, weil alles entdeckt wird. Folglich können die Athleten ihre Leistung nur mit Training steigern. Im zweiten Setting setze ich voraus, dass der Athlet Training wie Doping wählen kann, dass es legal ist, Doping-Mittel zu verwenden, es gibt kein Verbot. Im letzten Setting gehe ich von Training wie Doping als leistungssteigernde Methoden aus, Doping ist in diesem Modell aber verboten, die Einhaltung der Regel wird kontrolliert. Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Das führt zu einer Sanktionierung der Athleten, auch zu einer Strafzahlung. Ich schaue mir anhand dieser Modelle an, welchen Einfluss der Kampf gegen Doping hat, ob es möglich ist, Doping zu reduzieren oder auszuschließen.

          Ihr Ergebnis ist eindeutig: Doping lohnt sich.

          Ja, zumindest wirtschaftlich. Und Doping ist nicht ausschließbar. Selbst wenn das Team Doping ausschließen will, etwa per Vertrag, so ist das nicht möglich, weil die Doping-Einnahme beim Athleten nicht beobachtbar ist für das Team. Der Athlet hat trotz einer vertraglichen Vereinbarung einen Anreiz, Doping-Mittel zu nehmen, weil er seinen Gewinn damit erhöhen kann. Das Team kann also allein keine doping-freie Welt schaffen.

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