23.05.2007 · ARD und ZDF werden weiterhin die Tour de France und andere Radrennen übertragen. „Jetzt auszusteigen wäre das Falscheste, was wir tun können“, sagte ZDF-Chefredakteur Brender vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages.
Von Michael ReinschARD und ZDF steigen nicht aus der Übertragung der Tour de France und anderer Radsportereignisse aus. „Nein, Herr Danckert“, widersprach der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender am Mittwoch in einer öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages dessen Vorsitzendem: „Jetzt auszusteigen wäre das Falscheste, was wir tun können.“
Die öffentlichen Doping-Geständnisse und Bestätigungen von systematischem Doping im einstigen Team Telekom der Tour-Sieger Bjarne Riis und Jan Ullrich, mit denen die ehemaligen Profis Bert Dietz und Christian Henn für Furore gesorgt haben, zeigten, dass die Klima-, Kultur- und Regeländerungen, die das Fernsehen vom Radsport verlangt habe, einsetzten. „Das Outing gehört zur Selbstreinigung“, sagte Brender. „Nun werden wir sehen, ob das neue Denken bis in die Zukunft reicht.“ Dies werde man „sehr hart überprüfen und Konsequenzen ziehen“.
Danckert forderte den Ausstieg
Der SPD-Abgeordnete Peter Danckert fordert, dass ARD und ZDF Profiradrennen nicht mehr zeigen, da mehr Hinweise für flächendeckendes Doping sprächen als dafür, dass einzelne Fahrer sauber seien. „Die öffentlich-rechtlichen Sender würden ihren Auftrag falsch verstehen, wenn sie weiterhin Radsport übertragen wollten“, sagte er. Vergangene Woche hatte Danckert dem Radsport generell die Einstellung staatlicher Förderung angedroht.
Günter Struve, Programmdirektor und amtierender Sportkoordinator der ARD, sagte, man dürfe einen Veranstalter wie den der Tour de France nicht dafür bestrafen, dass er – wie im vergangenen Jahr, als er die Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso ausschloss – den Wert seiner Veranstaltung schmälere, um sie dopingfrei zu halten. Nicht zu übertragen, sei eine Strafe für den Veranstalter und ein völlig falsches Zeichen. „Wir sind nicht nur ein Broadcaster, der Kameras draufhält“, sagte Struve, „sondern werden unserer gesamtpolitischen Verantwortung gerecht.“
Entschieden Beiträge aus der Pharmazie?
Über den Auftritt des verstockten Jan Ullrich in der Talkshow „Beckmann“ vor einigen Wochen sagte Struve: „Das Gespräch war nicht misslungen, sondern ein besonders stammeliges Geständnis.“ Wenn sie noch gegolten hätten, hätte er zu diesem Zeitpunkt die Verträge der ARD mit dem Radprofi beendet, denn diese enthielten – damals nur in dieser Sportart – eine Ausstiegsklausel für den Fall von Doping.
Brender verstieg sich vor dem Sportausschuss zu der These: „Sportberichterstattung hat etwas mit Begeisterung zu tun.“ Er verband dies mit dem Hinweis, man müsse auch mal ein Auge zudrücken, wie etwa bei der WM 2006. „Wenn wir gekrittelt hätten bei der Fußball-WM, hätten wir als Miesmacher gegolten“, sagte er und sprach Danckert direkt an: „Sind Sie sich sicher, dass die Fußball-WM nicht durch Beiträge aus der Pharmazie entschieden wurde? Ich bin das nicht. Und trotzdem haben wir uns gefreut.“