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ARD-Doping-Reportage : Schmieren und dopen in Russland

450 000 Euro an die Funktionäre: Lilija Schobuchowa (Foto: Beim Sieg des London-Marathons 2010) Bild: Picture-Alliance

Eine ARD-Reportage zeigt eindrucksvoll, wie systematisch im russischen Sport gedopt wird – und die Manipulation soll bis in den Leichtathletik-Weltverband reichen. Die Vorwürfe müssten ein Erdbeben auslösen.

          In der russischen Leichtathletik und wohl darüber hinaus wird laut einem Bericht der ARD systematisch gedopt. Präsident, Cheftrainer und der Leiter des Moskauer Doping-Kontrolllabors sind demnach involviert und manipulieren auch international relevante Ergebnisse. Das Ausmaß der Manipulation und Korruption beschreiben Zeugen wie eine Mischung aus flächendeckendem System und persönlicher Bereicherung.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Lilija Schobuchowa, jahrelang die beste Marathonläuferin der Welt, berichtet in der am Mittwochabend ausgestrahlten Reportage, dass sie russischen Funktionären umgerechnet 450.000 Euro, in bar und in drei Raten, dafür bezahlte, dass sie trotz abnormer Werte in ihrem Blutpass bei den Olympischen Spielen 2012 in London starten durfte. Die Läuferin gewann drei Mal den Chicago-Marathon, siegte 2010 in London und holte sich 2011 die mit einer halben Million Dollar dotierte Jahreswertung der World Marathon Majors. Mit ihrer Bestzeit von 2:18:20 Stunden von 2011 ist sie die zweitschnellste Marathonläuferin der Welt. Dabei ist sie im Sommer dieses Jahres wegen der Blutwerte rückwirkend ab 2013 gesperrt worden; ihre Ergebnisse seit 2009 sollten annulliert werden. Die Sperre dürfte sie nicht weiter betroffen haben. Lilija Schobuchowa wurde 2013 Mutter.

          Vorwürfe gegen den Schatzmeister des Weltverbandes

          Die Reportage der ARD legt nahe, dass der Präsident des russischen Leichtathletikverbandes und Schatzmeister des Weltverbandes IAAF, Valentin Balachnitschew, in den Fall verstrickt ist. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verweigerte er einen Kommentar. Er werde sich äußern, sobald er die Vorwürfe im einzelnen kenne, schreibt er in einer Mail. Die Läuferin sagt nicht, wem sie und ihr Mann das Bargeld in Moskau übergaben.

          In dem Beitrag werden aber E-Mails gezeigt, die darauf hindeuten, dass Balachnitschew daran mitwirkte, Lilija Schobuchowa nach der Sperre zumindest einen Teil ihres Schmiergeldes, 300.000 Euro, über eine Briefkastenfirma in Fernost zu erstatten. Erkennbar ist auch Korrespondenz zwischen Balachnitschew und dem Anti-Doping-Beauftragten der IAAF, Gabriel Dollé. Dollé ging in diesem Jahr überraschend in den Ruhestand. Der Jurist Hugh Roberts, in der IAAF ebenfalls mit Dopingbekämpfung befasst, verließ den Verband bereits vor ihm.

          Die französische Zeitung L‘Equipe berichtete am Mittwoch unter der Überschrift „Hat der russische Verband die IAAF korrumpiert?“, dass die unabhängige Ethik-Kommission des Weltverbandes IAAF auf Antrag von Lilija Schobuchowas Manager Andrej Baranow wegen der Schmiergeldzahlungen ermittelt.

          Die Probennummer kam per SMS

          Laut ARD sind der Cheftrainer der Leichtathleten, Alexej Melnikow, der Leiter des Doping-Kontrolllabors Moskau, Gregori Rodschenkow, sowie der hochrangige Anti-Doping-Berater und Verbandsmitarbeiter Sergej Portugalow maßgeblich an dem Doping-System beteiligt. Kronzeugin Julia Rusanowa, eine wegen Dopings gesperrte 800-Meter-Läuferin, berichtet, dass sie Portugalow für die Lieferung von Epo, Wachstumshormon und Testosteron bezahlen musste. Zudem verlangte er hohe Erfolgsprämien sowie die Hälfte der Prämien und Antrittsgelder von Sportfesten. Vor Kontrollen von Rusada mussten sich die Kunden nicht fürchten. Sie schickten die Nummern ihrer Proben per SMS an ihre Paten, dann wurden diese aussortiert. Um peinliche Dopingfälle im Ausland zu vermeiden, wurden  Athleten vor der Ausreise zu getestet.

          Mit ihrem Mobiltelefon filmte die Läuferin, wie Portugalow und Melnikow sie berieten und versprachen, dass sie nicht noch einmal auffliegen werde. Gleichwohl herrscht im russischen Sport die Strategie vor, die Zeugen der Anklage zu verantwortungslosen Dopern zu erklären. „Sie sollten vorsichtig sein, Betrügern zu glauben“, sagt etwa Rodschenkow in die Kamera. Im russischen Verband wird damit argumentiert, dass die Vorwürfe nichts als die Provokation überführter Doper und ihres Umfeldes sei. Julia Rosanowa hat auf ihrem Handy heimlich aufgenommen, wie Marija Sawinowa darüber spricht, mit Oxandrolon gedopt zu haben, einem anabolen Steroid. Sie ist Olympiasiegerin über 800 Meter von London 2012.

          Quelle: FAZ.NET

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