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Anti-Dopingkampf des DOSB Ein stumpfes Schwert

Die Enttarnung von Dopingsündern im Spitzensport lässt zu wünschen übrig. Dennoch werden Doper weiterhin nicht vom Staat verfolgt. Der DOSB hat eine Verschärfung auf seinem Bundestag abgelehnt.

© dpa Vergrößern Abgewunken, nicht durchgewunken: Der DOSB stellt sich gegen die Strafbarkeit von Doping

Wer hat Angst vor dem Staatsanwalt? Dopende Athleten in Deutschland jedenfalls nicht. Ihre Trainer vielleicht, ihre Ärzte oder Betreuer, wenn sie die Manipulation organisieren, den Stoff einkaufen und weitergeben. Aber die Zentralgestalt, und sei es ein Westentaschen-Armstrong der Bundesrepublik, kommt weiterhin ziemlich sorglos davon. Denn am Samstag hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den Antrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), in Zukunft auch den Besitz von Dopingmitteln ohne Einschränkung unter Strafe stellen zu lassen, bei seiner Mitgliederversammlung glatt abgebügelt.

Nur 25 der 459 stimmberechtigten Delegierten sprachen sich für die Empfehlung des DLV aus, während eine riesige Mehrheit für eine leichte Verschärfung der Gesetzeslage im Sinne des DOSB-Präsidiums votierte. Damit bleiben die Verhältnisse der vergangenen sechs Jahre betoniert: Der organisierte Sport will seine unsauberen Pappenheimer selbst fangen. Den Doper bewahrt er vor dem Zugriff des Staatsanwaltes.

Nur nichts riskieren

Lange ist nicht mehr so leidenschaftlich auf einer Mitgliederversammlung diskutiert worden. Schon am Vorabend dröhnte es in den Wandelhallen der Stuttgarter Liederhalle, schlugen sich Funktionäre wie Journalisten Argumente um die Ohren, dozierten bis spät in der Nacht zu einem der zentralen Themen des deutschen Spitzensports: „Es geht hier um die Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf“, sagte der frühere DLV-Präsident Helmut Digel, Mitinitiator des Vorstoßes.

Seine Gegner reüssierten mit der wohlformulierten Sorge, der autonome Sport könne sein „schärfstes Schwert“ verlieren, die Kontrolle über seinen Kampf gegen die Geißel Doping. „Die Sportgerichtsbarkeit ist schnell und präzise, sie würde hinter die Strafgerichtsbarkeit zurückgedrängt“, klagte Christa Thiel, Vizepräsidentin für Leistungssport, „Verbände werden abwarten, was der Staat entscheidet, weil sie Angst vor Schadenersatzprozessen haben.“ Schon zuckten die Delegierten und klatschten Beifall. Nur nichts riskieren.

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Da nutzte es nichts, dass der DLV die Exekutive nicht vor der Tür stehen ließ, sondern am Samstag schnurstracks aufs Podium führte, zur Antragsbegründung direkt neben den erklärten Feind der Besitzstrafbarkeit, DOSB-Präsident Thomas Bach, plazierte: Katja Mühlbauer am Mikrophon, Frau der Praxis, Staatsanwältin mit drei Jahren Erfahrung als leitende Ermittlerin der Münchener Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping. Ihre Kernaussagen sozusagen von der Basis: Mit der geltenden Gesetzeslage kommt man in verschwiegene Dopingkartelle des Spitzensports nicht herein, weil unter anderem Telefonüberwachung, Hausdurchsuchungen und ähnliches nicht zugelassen sind bei Athleten, die zwar dopen, aber zu wenig Stoff in der Tasche haben, um ins Visier zu rücken: „Wie soll ein Staatsanwalt Hintermänner aufdecken, wenn ihm schon ganz unten an der Pyramide die Hände gebunden sind?“

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