http://www.faz.net/-gu9-8vl6s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 06.03.2017, 10:26 Uhr

Doping-Proben Gezerre um Mo Farahs Urin

Die Hackergruppe Fancy Bear veröffentlicht einen Bericht über mögliche Doping-Praktiken. Nun sieht sich die amerikanische Agentur offenbar gezwungen, Urinproben zu analysieren. Doch es gibt Widerstand.

von , Belgrad
© Reuters Leichtathlet Mo Farah sagt, ihm sei recht, jederzeit und überall getestet zu werden.

Die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) sieht sich offenbar gezwungen, eingefrorene Urinproben des vierfachen Olympiasiegers Mo Farah und womöglich weiterer Läufer zu analysieren, die zum Nike Oregon Project von Trainer Alberto Salazar gehören. Das geht aus einer Veröffentlichung von Nicole Sapstead hervor, der Geschäftsführerin der britischen Anti-Doping-Agentur (Ukad). Sie warnt darin: „Jedes Mal wenn eine Probe reanalysiert oder an einen anderen Ort geschickt wird, kann sich die enthaltene Menge verringern oder verschlechtern, was die Möglichkeit reduziert, sie in der Zukunft noch einmal zu analysieren.“ Deshalb müsse sorgfältig überlegt werden; nationale Anti-Doping-Agenturen hätten das Recht zu widersprechen.

Mehr zum Thema

Michael Reinsch Folgen:

Die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtet, dass jüngste Veröffentlichungen über die Vergabe von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln an Salazars Athleten Usada zu der Analyse veranlasst hätten. Die russische Hackergruppe Fancy Bear hat einen umfangreichen Bericht der Usada aus dem vergangenen Jahr verschiedenen Medien zugänglich gemacht. Darin wird spekuliert, dass Infusionen von L-Carnitin, einer nicht verbotenen Substanz, mehr als 50 Milliliter umfasst haben könnten; damit hätten Athleten und Ärzte gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen.

Zudem wird berichtet, Läufer des Projektes würden mit Vitamin D zur Steigerung der Testosteron-Produktion sowie mit Schilddrüsen-Hormon behandelt. Usada hat die Authentizität des Berichts bestätigt. Salazar bestreitet Doping. Farah sagte, ihm sei recht, jederzeit und überall getestet zu werden und dass seine Proben jederzeit und überall von einer offiziellen Einrichtung reanalysiert würden. Nicole Sapstead kritisierte die Veröffentlichung. Sie diene allein dazu, Gerüchte und Unterstellungen zu fördern, und untergrabe die Vertraulichkeit, die für robuste und sorgfältige Anti-Doping-Ermittlungen unerlässlich sei.

Neue App
Der TAG jetzt auch auf Android

Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

Mehr erfahren

Fancy Bear, auch als ATP28 bekannt, gilt als Hackergruppe des russischen Militär-Geheimdienstes GRU und wird mit Angriffen auf die Computer des Deutschen Bundestages in Verbindung gebracht. Seit die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Berichte über systematisches Doping im russischen Sport veröffentlicht hat, verbreitet Fancy Bear Informationen über medizinische Ausnahmegenehmigungen, die Athleten die Einnahme verbotener Mittel erlauben. Die Wada behauptet, Fancy Bear habe Unterlagen verfälscht.

Die Bel Etage des Fußballs im Visier

Von Christoph Becker

Festnahmen in Barcelona, Durchsuchungen in Paris: Die Ermittlungen zur Organisierten Kriminalität, Geschäftszweig Fußball, werden immer interessanter. Und ein Ende ist längst nicht in Sicht. Mehr 4 13

Zur Homepage