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Andrus Veerpalu : Ein Held für Doper

2011 trat der estnische Langläufer Andrus Veerpalu zurück Bild: AFP

Mit der Aufhebung seiner Dopingsperre hat Andrus Veerpalu die Rechtssicherheit erschüttert. Der Freispruch für den inzwischen zurückgetretenen Langläufer ist ein Freibrief für die Wachstumsbranche der HGH-Freunde.

          Andrus Veerpalu war ein estnischer Held: 2001 der erste estnische Ski-Weltmeister nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion, 2002 der erste Goldmedaillengewinner seines Landes bei Winterspielen. 2006 folgte ein weiterer Olympiasieg, 2009 noch ein Weltmeistertitel, dazu je ein zweiter Platz bei Olympia und WM, alle gewonnen als Langläufer im klassischen Stil.

          Nahezu jeder der 1,3 Millionen Esten kennt ihn. Am 23. Februar 2011 gab Veerpalu plötzlich das Ende seiner Karriere bekannt. Er stand unter Verdacht: Die Werte einer Doping-Probe ließen vermuten, er habe seine Leistung mit dem Wachstumshormon HGH gesteigert. Veerpalu wurde gesperrt und reagierte gemäß seiner Vorliebe - klassisch: Er beteuerte seine Unschuld, klagte gegen die Sperre vor dem Sportgerichtshof Cas.

          Der verkündete am Dienstag die Aufhebung der Sperre. Es könnte also sein, dass Veerpalu für manchen wieder zum Helden wird. Denn vor Gericht hat der Mann aus Otepää erreicht, was manchem Doper gerade recht kommen dürfte: Er hat die Rechtssicherheit erschüttert. Ein Sportler gedopt mit HGH? Das ist ohnehin schwer zu beweisen. Aber mit diesem Befund eine Sperre gerichtsfest auszusprechen, ist nun für Sportverbände weltweit kaum mehr möglich.

          Zwar hat der Cas in seinem Urteil geschrieben, dass Veerpalu gedopt haben dürfte, die Werte der Probe von 2011 sprächen dafür. Und der Test sei nicht nur wissenschaftlich einwandfrei durchgeführt im Labor an der Kölner Sporthochschule und darüber hinaus zuverlässig anwendbar. Nur mit den Grenzwerten, die festlegen, wann ein Sportler mit von außen zugeführtem HGH als gedopt gilt, gibt es ein Problem.

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          Die Werte, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur nach den üblichen medizinischen Tests festgelegt wurden und die eben nicht nur für den Ski-Weltverband Fis gelten, seien wegen statistischer Fehler nicht haltbar. Der Freispruch für Herrn Veerpalu ist also ein Freibrief für die Wachstumsbranche der HGH-Freunde. Zumindest bis die Wada wieder einen Grenzwert festgezogen und der Cas diesen gerichtsfest bestätigt hat.

          Das kann dauern. 5625 Tests auf HGH gab es 2011 weltweit (243.000 Urinkontrollen wurden im gleichen Zeitraum auf andere Substanzen untersucht), sechs Proben waren positiv. Kein Wunder, dass HGH als sichere Bank unter den Dopern gilt. Durch den Präzedenzfall Veerpalu ist sie noch ein bisschen sicherer geworden.

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