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Aktualisiert: 09.12.2016, 14:13 Uhr

Zweiter McLaren-Report Der Riesenbetrug

Männliches Erbgut bei Eishockeyspielerinnen, unmöglich hoher Salzgehalt: Der McLaren-Bericht belegt ein vom Staat gesteuertes Doping in Russland zwischen 2011 und 2015. Mehr als 1000 Athleten sind reingewaschen worden.

von , Berlin
© AP Vergiftete Spiele? Auch bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi sollen zahlreiche russische Athleten gedopt gewesen sein

Der russische Sport hat, angefangen mit den Olympischen Spielen von London 2012 und über die Olympischen Winterspiele von Sotschi 2014 hinaus, in riesigem Maßstab sportliche Großereignisse manipuliert. Mehr als tausend Sportlerinnen und Sportler waren in ein staatlich initiiertes und geführtes Doping-System involviert oder profitierten davon, unter ihnen bekannte und erfolgreiche Athleten.

Michael Reinsch Folgen:

Olympiasieger, Weltmeister und Gewinner bei der Universiade von Kasan 2013 werden ihre Medaillen zurückgeben müssen. Der große Betrug endete erst, als das bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) akkreditierte russische Doping-Kontrolllabor in Moskau suspendiert wurde. „Die russische Olympiamannschaft hat die Spiele von London in beispiellosem Maßstab korrumpiert“, sagte der kanadische Rechtsanwalt Richard McLaren, als er am Freitag in London seinen zweiten Bericht über Doping im russischen Sport vorstellte. Er glaube nicht, dass das Ausmaß des Betruges je bekannt werde; er nannte es beispiellos. „Das Bild ist klar, aber es ist nicht vollständig“, sagte er. „Wir hatten nur Zugang zu einem kleinen Teil des Beweismaterials, das man hätte untersuchen können.“ Schon bei der Universiade des Hochschulsports 2013 in Kasan und bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft desselben Jahres in Moskau seien Doping-Proben ausgetauscht worden, was russischen Teilnehmern erlaubte, gedopt teilzunehmen.

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Anlass für den Report war der Bericht des in die Vereinigten Staaten geflohenen ehemaligen Laborleiters von Moskau, Gregori Rodschenkow, dass der russische Geheimdienst bei den Winterspielen von Sotschi 2014 jede Nacht belastete Doping-Proben russischer Athleten gegen saubere austauschte. Als McLaren dies in seinem ersten Bericht im Juli dieses Jahres verifizierte, verurteilte Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den damit belegten „schockierenden und beispiellosen Angriff auf die Integrität des Sports und der Olympischen Spiele“. Sein Versprechen, mit den „härtesten zur Verfügung stehenden Maßnahmen“ gegenüber beteiligten Personen und Organisationen zu reagieren, erfüllte er nicht. Vielmehr überließ er es dem internationalen Leichtathletik-Verband IAAF und dem Internationalen Paralympischen Komitee, die russischen Teams von den Wettbewerben in Rio auszuschließen. Die russische Olympia-Mannschaft nahm mit 270 Athleten an den Olympischen Spielen teil und belegte im Medaillenspiegel mit 56 Medaillen, davon 19 goldene, Platz vier.

Thomas Bach will „solche Personen nicht bei Olympia wiedersehen“

Am Vorabend dieses abschließenden McLaren-Berichts stellte Bach nun für Personen, die an solchen Manipulationen teilnahmen oder von ihnen profitierten, einen lebenslangen Ausschluss in Aussicht. „Ich würde eine solche Person nicht bei Olympischen Spielen wiedersehen wollen“, sagte er in einem ausdrücklich als privat definierten Statement, „nicht als Athlet, als Trainer oder Offizieller.“ Weder Bach noch andere Mitglieder des IOC deuteten bei der Sitzung ihrer Exekutive in dieser Woche in Lausanne an, dass sie womöglich die russische Olympiamannschaft suspendieren würden. Die Folgen sowohl für den russischen Sport wie für die in vierzehn Monaten beginnenden Winterspiele von Pyeongchang sind nicht absehbar.

Für die Organisation der Nationalen Anti-Doping-Agenturen (Inado) forderte deren Generalsekretär Joseph de Pencier „die Bestrafung von den russischen Individuen und Organisationen, die diese skandalösen Akte begangen und unterstützt haben“. Die Wada brauche erweiterte Autorität, um solche Vergehen feststellen und sanktionieren zu können.

McLaren vermied, Konsequenzen zu fordern und seine Untersuchung politisch einzuordnen. Zu Ende der Pressekonferenz aber kam er auf Kämpfe innerhalb des Sports zu sprechen und sagte: „Es ist schwer zu verstehen, warum wir nicht im selben Team spielen. Wir sollten alle zusammenarbeiten, um Doping im Sport zu beenden.“ Seine Mitarbeiter und er hätten hart gearbeitet, um dieses dunkle Geheimnis ans Licht zu bringen.

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