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Veröffentlicht: 22.11.2015, 12:25 Uhr

Doping-Opfer und Hamburg 2024 Kein Wandel ohne Aufarbeitung

Hamburg wirbt mit dem Faktor Ehrlichkeit für Olympia 2024. Der DOSB ist dabei aber offenbar nicht bereit, auch die Opfer des Sports mit einzubeziehen. Das wirft kein gutes Licht auf die Glaubwürdigkeit des Wandels, für den die Spiele in der Hansestadt stehen sollen.

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© dpa Kritik am DOSB: Ines Geipel

In acht Tagen endet die Bürgerbefragung der Hansestadt Hamburg zu ihrem Olympiaprojekt 2024, und die deutschen Sportfunktionäre hoffen, dass ihnen nicht Ähnliches bevorsteht wie München vor zwei Jahren: Die Ablehnung der Olympiabewerbung durch die eigene Bevölkerung. Vorher werden 500 000 Hamburger Haushalte aber noch Post bekommen. Vom Verein Doping-Opfer-Hilfe kommt eine klare Aufforderung: „Hamburg kann München“ – nein zu Olympia.

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Dabei sind die Opfer des sportlichen Wettrüstens vor 25, 30, 40, bald 50 Jahren gar nicht gegen Olympische Spiele in Deutschland, sagt Ines Geipel, die Vorsitzende des Vereins. Unter einer verständlichen, nein selbstverständlichen Bedingung: „Wenn wir ein glaubwürdiges Olympia in diesem Land wollen, brauchen wir eine glaubwürdige Aufarbeitung und den seriösen Blick in die Vergangenheit.“ Es ist ganz einfach: So wie bisher – höher, schneller, weiter, um jeden Preis – funktionieren Olympische Spiele nicht mehr, jedenfalls nicht hierzulande. Wer glaubhaft einen Wandel zu mehr Ehrlichkeit, weg von der zynischen Verlogenheit, mit der im deutschen Sport seit der Wiedervereinigung mit den perversen Menschenversuchen im Osten, den wohlwollend beobachteten Anabolikakuren im Westen umgegangen wurde, mit dem größten, wichtigsten Sportfest der Welt verbinden möchte, der muss bereit sein, den Opfern des Sports zuzuhören. Er muss die Opfer an diesen Spielen beteiligen, und er muss sich an den Kosten der Vergangenheit beteiligen, die in der Gegenwart weiter steigen. Dazu aber scheint der Deutsche Olympische Sportbund auch im Jahr 2015 nicht mit der dazugehörenden schmerzhaften Konsequenz bereit.

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Während die Haushaltspolitiker im Bundestag in den kommenden beiden Jahren insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen wollen, war der DOSB nicht bereit, sich mit weiteren Millionen am Opferfonds zu beteiligen. Es war den Spitzenfunktionären des deutschen Sports schlicht zu teuer. Etwa 30 Millionen Euro aber brauchen die Opfer des deutschen Dopings, um die absehbaren Kosten der medizinischen Versorgung tragen zu können. Zu viel? Im deutschen Sport ist es möglich, dass ein Vielfaches dieser Summe jeden Winter, jeden Sommer für die Transfers von Fußballspielern überwiesen werden. Die Alternative: Der Zug durch die Instanzen, wie es die frühere Ruderin Cornelia Reichhelm vorgemacht hatte. Sie erstritt beim Magdeburger Sozialgericht eine Opferrente. Ines Geipel hat recht: Das ist für viele unzumutbar – und entbindet den Sport nicht von seiner moralischen Verantwortung. „Wir wollen ein Fest, das den Opfern die Hand reicht“, heißt es auf den Postkarten, die nun nach Hamburg versandt werden. Dazu war der deutsche Sport bislang nicht bereit. Das wirft kein gutes Licht auf die Glaubwürdigkeit des Wandels, für den die Spiele in Hamburg stehen sollen.

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