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Doping-Opfer : Kein Steuergeld für Stasi-Mann Steuer

DOH-Vorsitzende Ines Geipel: „Das ist das völlig falsche Signal“ Bild: dpa

Mit „völligem Unverständnis“ reagiert der Doping-Opfer-Hilfeverein auf den „sportpolitischen Fauxpas“, den früheren Stasi-Mitarbeiter Ingo Steuer wieder mit Bundesmitteln zu finanzieren.

          Der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) hat das Bundesinnenministerium (BMI) aufgefordert, den Eiskunstlauftrainer Ingo Steuer nicht wieder mit Steuergeldern zu finanzieren. Damit reagierte der DOH auf eine Empfehlung der Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). „Wenn der DOSB wegen einer erhofften Eiskunstlauf-Medaille die selbstgesetzten Prämissen zu den Hypotheken des DDR-Sports sowie die Werte des Sports unterläuft, dann müssen die politisch Verantwortlichen in Berlin diesem Fauxpas eine klare Haltung entgegensetzen“, schrieb der DOH am Dienstag. Dies könne nur heißen: „Bei Amnesie keine Alimentierung des Ex-Stasi-Mannes mit öffentlichen Geldern.“ Steuer hatte der Stasi von 1985 bis zum Fall der Mauer unter seinem Decknamen „IM Torsten“ in 84 bekannten Geheimberichten teilweise intime Details über Sportler verraten. 

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nachdem zwei Stasi-Kommissionen des Sports feststellten, der erfolgreiche Paarlauftrainer dürfe zumindest nicht mit Steuergeldern finanziert werden, sah das dritte Gremium seit 2006 nun kein Hindernis mehr: „Das ist das völlig falsche Signal im 25. Jahr des Mauerfalls. Von Ingo Steuer gibt es seit 1989 nur das litaneiartige Wegmoderieren seines Verrats“, sagt die DOH-Vorsitzende Ines Geipel. Der DOH wertete die Berichte als „üble“ Diffamierung und Denunzierung. Er verweist darauf, dass Steuer bis heute nicht glaubwürdig um Entschuldigung bei den von ihm Verratenen gebeten habe. In seinem im Frühjahr 2014 erschienenen Buch „Eiszeiten“ habe er sein Stasi- und Doping-Problem bagatellisiert.

          Das BMI hatte die Finanzierung Steuers nach Bekanntwerden der Stasi-Tätigkeit eingestellt. Steuer klagte sich gegen den Willen des damaligen Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland in das Olympiateam 2006 ein und nahm auch an den Winterspielen von 2010 und 2014 teil. Er finanzierte sich unter anderem durch Einnahmen seines inzwischen getrennten Paares Savchenko/Szolkowy. Der DOSB hatte schon 2010 einen Versuch unternommen, Steuer wieder öffentliche Gelder zukommen zu lassen. Dies lehnte das BMI unter dem damaligen und heutigen Minister Thomas de Maizière ab.

          Quelle: FAZ.NET/ahe.

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