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Doping in Freiburg „Einer Manipulation aufgesessen“

Eine glaubwürdige Aufarbeitung von Doping in der Universität Freiburg war offenbar nicht erwünscht. Diesen Vorwurf untermauert die Vorsitzende der von der Hochschule eingerichteten Evaluierungskommission.

Der Streit um eine glaubwürdige Aufarbeitung von Doping in der Universität Freiburg und im Umfeld der Einrichtung hat sich zugespitzt. Die Vorsitzende der von der Hochschule eingerichteten Evaluierungskommission, die Kriminologin Letizia Paoli, hat in einer 62-seitigen Darstellung ihren Vorwurf, der frühere Rektor der Universität, Professor Wolfgang Jäger, habe den Arbeitsauftrag des Gremiums eingegrenzt und damit manipuliert, untermauert. In einer akribischen Befragung erklären die Kommissionsmitglieder überwiegend, nichts vom ursprünglichen Auftrag der Universität gewusst zu haben.

Anno Hecker Folgen:  

Eigentlich hätten die Wissenschaftler, so die belegte Formulierung, „die Freiburger Sportmedizin in ihren gesamten Aktivitäten während der vergangenen 50 Jahre auf den Prüfstand stellen“ sollen. Dazu hätte neben der Abteilung des inzwischen verstorbenen Professors Joseph Keul unter anderem auch die Zusammenarbeit mit dem Mediziner und Athletenguru Armin Klümper gehört, der Sportlern nachweislich Dopingmittel verabreicht hat. Stattdessen ist die Kommission angehalten worden, nur die Abteilung Sportmedizin zu prüfen. Von der ursprünglichen Aufgabenstellung erfuhr die Kommission erst nach eingehender Recherche im Sommer des vergangenen Jahres.

Bei der Rekonstruktion mit Antworten der Kommissionsmitglieder zu 23 Fragen kommt nun heraus, dass sie nicht aufgeklärt worden waren. Jäger bestreitet diese Version, obwohl unter anderem eine von ihm verantwortete Pressemitteilung die Verengung belegt. Außerdem hatte das ehemalige Kommissionsmitglied Professor Werner Franke, Deutschlands profiliertester Doping-Aufklärer, nachweislich die Einbeziehung etwa von Klümper in der konstituierenden Sitzung 2007 gefordert.

Auch der früher Kommissionsvorsitzende Joachim Schäfer, einst Richter, stärkt die Position der Kritiker: „Rektor Schiewer (Universität Freiburg) ist, wie wir, der Manipulation des Auftrags unter Missachtung der Beschlüsse von Klinikum, Fakultät und Rektorat aufgesessen“, schreibt Schäfer in einer seiner Antworten. Die Kriminologin Professor Britta Bannenberg, Gründungsmitglied der Kommission, äußerte sich so: „Von Anfang an (...) hatte ich den Eindruck, dass eine wirkliche Aufklärung des Ausmaßes möglicher Dopingaktivitäten an der Universität Freiburg in Praxis und Forschung nicht erwünscht war.“ Jäger weist den Vorwurf der Manipulation zurück.

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Die Stellungnahme der Kommissionsmitglieder ist unter www.faz.net/Doping-Freiburg nachzulesen.

Quelle: F.A.Z.

 
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