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Doping in der Leichtathletik : „Die Russen hätten ihn schon vor langer Zeit umgebracht“

Lamine Diack ist einer der Hauptbeschuldigten in der Affäre um das internationale Geschäft mit der Doping-Vertuschung Bild: AP

Die mit Millionen erkauften Doping-Vertuschungen in der internationalen Leichtathletik haben alles, was ein Krimi braucht. Jetzt sind neue Details aus dem Sumpf von Geldwäsche, Drohungen und Erpressungen aufgetaucht.

          Ausgerechnet als der russische Präsident 2011 dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Freundschaftsorden seines Landes verlieh, als also Dmitri Medwedew den Belgier Jacques Rogge in Moskau auszeichnete, nahm der schier unglaubliche Krimi von Korruption und Betrug im russischen und im Welt-Leichtathletik-Verband (IAAF) ihren Anfang. Auch Lamine Diack wurde damals mit dem Orden geehrt, der Präsident der IAAF, deren Weltmeisterschaft zwei Jahre später Moskau zieren sollte. Diack ließ es sich nicht nehmen, die Sportfunktionäre Russlands bei dieser Gelegenheit mit der Erwähnung von fast zwei Dutzend ausstehenden Doping-Fällen zu erschrecken und drohte, ihnen die Weltmeisterschaft abzuerkennen. Sein Sohn Papa Massata Diack, auch er bei der Ordenszeremonie anwesend, konnte den dringenden Wunsch nach dem Anschein von Sauberkeit erfüllen – gegen Millionenzahlungen und durch das Verschleppen der Fälle innerhalb der IAAF.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Als sich die prominentesten Doping-Fälle nicht mehr unter dem Deckel halten ließen, waren die Russen verärgert. Habib Cissé, ein in dem Fall angeklagter Rechtsanwalt und ehemaliger Berater von Diack senior, sagte nun im Gespräch mit der französischen Zeitung „Le Monde“, die den Fall in ihrer Freitagsausgabe aufgriff, Diack junior habe von den erpressten Millionen etwas weniger als die Hälfte zurückgezahlt. „Dank mir ist er überhaupt noch am Leben“, prahlte Cissé demnach in einem Gespräch mit der Zeitung. „Die Russen hätten ihn schon vor langer Zeit umgebracht, und man hätte seine Leiche nie gefunden.“

          Wie groß der Ärger der Russen war, zeigt ein Brief, den die französischen Ermittler im Haus von Cissé in der Nähe von Paris fanden. Walentin Balachnitschew, seinerzeit Präsident des russischen Leichtathletik-Verbandes und Schatzmeister der IAAF, fasst die Geschäftsbeziehung, Stand Frühjahr 2014, darin so zusammen: „Sie ein Geschäft zu nennen, wäre zu diplomatisch. Sie war zynische und grausame Erpressung.“

          Gegen Diack senior wird wie gegen Cissé ermittelt; beide mussten ihre Pässe abgeben und dürfen Frankreich nicht verlassen. Diack junior hält sich in der gemeinsamen Heimat Senegal auf, wo Honoratioren auf Solidaritätsveranstaltungen für die Kaution Diacks in Höhe von einer halben Million Euro zusammengelegt haben. Diack bestreitet den Vorwurf der Erpressung und der Geldwäsche; Russland habe ihn finanziell unterstützt, um ihm einen Erfolg bei der senegalesischen Präsidentschaftswahl 2012 zu ermöglichen, behauptet er.

          Laut Balachnitschew vereinbarten die IAAF und die Russen eine Art Vollkasko-Versicherung mit dem Namen „Total Protection“. Sie galt insbesondere für eine Handvoll Geher, unter ihnen Olympiasiegerin Olga Kaniskina, Doppel-Weltmeister Waleri Borchin (je 600.000 Euro), Olympiasieger Sergej Kirdjapkin (700.000) sowie Hürdenläuferin Julija Saripowa. Als die IAAF offenbar Sanktionen durchsetzen will, droht Balachnitschew damit, die Manipulationen auffliegen zu lassen. „Wir werden nicht ruhig bleiben. Wir haben dieses Spiel nicht begonnen. Es war das IAAF-Projekt, und die IAAF wird das entscheidende Opfer des kommenden Skandals sein. Wir haben genug Beweise, um die kriminellen Akte der IAAF-Leute zu belegen“, schreibt er. „Unsere Erklärungen werden eine Menge von Beschäftigten der IAAF schädigen einschließlich dem Anti-Doping-Verantwortlichen und seinen Kollegen, die in diese Sache direkt oder indirekt einbezogen waren. Sie erwähnten immer verschiedene Wada-Beschäftigte und andere ,mächtige‘ Anti-Doping-Personen, mit denen Sie all die Zeit in Verbindung standen. All ihre Namen werden veröffentlicht werden.“

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          Balachnitschew schreibt, unter den Athleten, deren Blutpässe Unregelmäßigkeiten aufwiesen, befänden sich nicht nur Russen, sondern auch einige prominente britische Athleten, darunter ein Olympiasieger, eine Ikone des britischen Sports. „Unsere Frage ist, warum hat die IAAF nicht vom britischen Verband verlangt, diese Athleten zu sanktionieren?“ Statt wie angedroht IOC, Wada und internationale Anti-Korruptions-Komitees zu informieren und die Bestrafung aller Beteiligten durchzusetzen, einigten sich Russen und Diack-Clan offenbar.

          Sebastian Coe, acht Jahre lang Vizepräsident von Diack und seit gut einem Jahr sein Nachfolger, will von den Machenschaften innerhalb der IAAF nichts bemerkt haben. Lamine Diack ist immer noch Ehrenpräsident des Verbandes.

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