29.07.2010 · Theo Zwanziger wartet immer noch vergeblich darauf, dass die Fußballfamilie ihn beschwört, sich trotz „Amtsmüdigkeit“ zur Wiederwahl zu stellen. Unsere Sportredaktion hat der Stimmung rings um den DFB-Präsidenten nachgespürt.
Eigentlich war Theo Zwanziger deutlich genug, als er von seiner „tiefen Sehnsucht nach dem Privaten“ sprach. Den 65 Jahre alten Fußballfunktionär aus Altendiez verlangte es nach Trost für seine wunde Seele, nach Nestwärme und nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. Schließlich ist das Leben zuletzt unfreundlich mit dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) umgegangen.
Während die deutsche Nationalmannschaft in Südafrika von der Zuneigung aus der Heimat überschwemmt wurde, saß Theo Zwanziger emotional auf dem Trockenen. Er wurde in den Medien harsch kritisiert für seine strategischen Fehler der jüngsten Zeit. Für den im Frühjahr misslungenen Versuch, mit Bundestrainer Joachim Löw zum Vertragsabschluss zu kommen. Und für seinen wenig souveränen Umgang mit dem hässlichen Ende der homosexuellen Schiedsrichter-Beziehung Amerell/Kempter. Zwanziger sprach von „Amtsmüdigkeit“ und signalisierte damit deutlich, dass ein Präsident auch einmal ein bisschen Liebe braucht.
Doch Zwanzigers Appell verhallte ohne Reaktion, was ihm sogar wie Liebesentzug vorkommen mag. Zwar hat er deutlich gemacht, dass er in den Tagen vor der Präsidiumssitzung am Freitag in Frankfurt über die Fortsetzung seines Amtes nachdenken und das Ergebnis „zeitnah“ bekanntgeben will. Doch bis heute hat ihn keine der einflussreichen Fußball-Größen aus freien Stücken aufgefordert, beim nächsten Bundestag im Oktober noch einmal für das Präsidenten-Amt zu kandidieren. Wieso auch? Er wird schon weitermachen, davon sind die Vertreter der Profi-Vereine einhellig überzeugt. Schließlich gibt es keinen Gegenkandidaten. Der Vertrag mit Löw ist seit kurzem unter Dach und Fach. Und das Amerell-Problem interessiert die Vereine nicht besonders.
Die Empfindlichkeit geht den stabilen Profis auf die Nerven
„Er sollte nicht so viel mit Amtsmüdigkeit kokettieren in der Öffentlichkeit“, findet Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund. In einer Zeit, in der zahlreiche hohe Politiker ihre Ämter niederlegten, komme das nicht so gut an. „Deshalb sollte er das Kokettieren seinlassen, wenn er weitermachen will.“ Michael Meier, der Manager des 1. FC Köln, sagt, er hoffe, „dass es keine ernstzunehmende Amtsmüdigkeit ist. Ich bin schon froh, wenn er nicht so reagiert wie der Ex-Bundespräsident.“ Sie wollen Zwanziger behalten, weil ihm immer wieder der Spagat zwischen den Amateuren und den Profi-Vereinen gelingt. „Das bringt er gut unter einen Hut“, findet Watzke. Und weil kein anderer Anwärter zu sehen ist. „Es gibt keine Alternative zu Zwanziger“, sagt Meier.
Der DFB-Präsident solle sich, empfiehlt Watzke, ein dickeres Fell zulegen. Offensichtlich geht die Empfindlichkeit des Präsidenten den stabilen Profis des Fußballbetriebs mittlerweile ziemlich auf die Nerven. Er solle sich, wird ihm von einem Vereinsvorsitzenden weiter im Süden geraten, ein Beispiel an seinem Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder nehmen, mit dem Zwanziger von Oktober 2004 bis Oktober 2006 zunächst eine DFB-Doppelspitze bildete. „MV“, der ständig angegriffen wurde, blieb stets immun gegen jede Kritik. Für liebesbedürftige Spitzenfunktionäre, so wird auch mit dieser Empfehlung deutlich, hat man keine Zeit.
„Er macht es gut, und er macht es gerne“
Stattdessen hört der Ärger nicht auf. Manfred Amerell lässt Zwanziger nicht zur Ruhe kommen. Der ehemalige Schiedsrichterbeobachter setzt ihn unter Druck, indem er von den Mitgliedern des DFB-Präsidiums fordert, sie sollen seine Schadenersatzansprüche bestätigen. Sein Anwalt hält eifrig Kontakt mit den Medien, behauptet, Zwanziger habe seine Präsidiumskollegen über manche Hintergründe im Streit zwischen Amerell und Michael Kempter im Unklaren gelassen, und verlangt Zwanzigers Rücktritt.
Diesem wiederum fällt es schwer einzusehen, dass er vorschnell die Partei des vermeintlichen Opfers Kempter ergriffen hat. Und er fühlt sich verletzt und verunglimpft durch die manchmal überspitzte Darstellung seiner Person in den Medien. Das ist nichts für einen harmoniebedürftigen Menschen. Doch auf ermunternde Worte aus der Fußballfamilie braucht er nicht zu warten. „Wenn er von Amtsmüdigkeit spricht“, sagt sogar DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, „ist das ein Gefühl, das er vor allem mit sich selbst ausmachen muss.“
Theo Zwanziger hat von außen nichts zu befürchten
„Er macht es gut, und er macht es gerne“, sagt Heribert Bruchhagen, der Chef von Eintracht Frankfurt, „und dass er mal amtsmüde ist, das ist normal. Das kennt in der Bundesliga jeder.“ Tatsächlich kann Zwanziger ja auf eine Reihe von Verdiensten zurückblicken, etwa was die gesellschaftspolitische Positionierung des DFB und die Arbeit zum Schutz und zur Integration von Minderheiten angeht. Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Doch all dies ist in der momentanen Stimmungslage in den Hintergrund getreten.
Beim FC Bayern München ist der Ton denn auch nicht so milde wie im Hessischen. Zwar will sich niemand mit seinen Ansichten zitiert sehen, doch ist es kein Geheimnis, dass der DFB-Präsident an der Isar wenig Anhänger hat. Beim deutschen Meister halte man ihn, so ist zu hören, für einen Mann mit wenig Rückgrat. Als bedenklich wird sein Krisenmanagement vor allem in Bezug auf die beiden Problemzonen Löw-Verlängerung und Amerell eingeschätzt. Außerdem sehen wohl nicht nur die Bayern ihn als „Frauen-Präsidenten“, also als einen, der sich auf unverfängliche Spielwiesen zurückgezogen hat, weil ihm der Wind der Ligen zu rauh ist.
Doch egal, ob ihm nun der FC Bayern seine Unterstützung versagt oder nicht – Theo Zwanziger hat von außen nichts zu befürchten. Der Ligaverband verfügt lediglich über ein Drittel der Stimmen beim DFB-Bundestag – entscheidend sind bei der Wahl die Landesverbände, ein DFB-Präsident zieht seine Macht aus der Provinz. Die Profis dagegen dürften froh sein, wenn er ihre Kreise nicht weiter stört.
und am besten hätte er Jogi...
Sascha Philip Rheinert (saphirh)
- 29.07.2010, 16:10 Uhr
Wenn's nur das ist:...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 29.07.2010, 16:58 Uhr
Zwanziger!
Reinhard Martin (mfgreinhard)
- 29.07.2010, 19:20 Uhr
Guter Mensch vom DFB
Jan Hoffmann (Jaho)
- 30.07.2010, 16:30 Uhr
Amtsmüdigkeit?
Ulrich Frommelt (vatervonw)
- 01.08.2010, 14:48 Uhr