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DFB-Präsident Grindel : „Unklug und falsch“

DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Ich bin dafür, den Confed Cup abzuschaffen. Und auch die Klub-WM zu hinterfragen oder sie nur in einem sehr schmalen Format zu spielen.“ Bild: Reuters

Reinhard Grindel positioniert sich: Der DFB-Präsident äußert sich zu Helene Fischer, will den Confed-Cup abschaffen, kritisiert Fifa-Entscheidungen – und richtet eine eindringliche Forderung an Gianni Infantino.

          GoPro-Kameras an Biergläsern zur Meisterfeier des FC Bayern. Ein Halbzeit-Gig von Anastacia, der die Profis des SC Freiburg warten lässt, die sich noch direkt für die Europa League qualifizieren konnten. Und ein Auftritt von Helene Fischer beim Pokalfinale, der das Olympiastadion in ein Pfeifkonzert verwandelt. Haben wir in den vergangenen Tagen schon die Zukunft des Fußballs gesehen?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ich würde zunächst einmal im besten Sinne von Bruno Labbadia den Auftritt von Helene Fischer nicht „hochsterilisieren“. In jedem Spiel meiner Landesliga-Mannschaft vom Rotenburger SV wird in der Halbzeit Musik vom Band gespielt. Und wenn es dann mal einen Live-Act gibt, dann hat es ausschließlich den Charakter, die Zuschauer zu unterhalten, ohne dass wir verkennen, worum es in allererster Linie geht: um den Fußball. Übrigens: Vor dem Finale habe ich in kaum einer Zeitung einen Kommentar gelesen, wie man denn auf so eine Idee mit Helene Fischer kommen kann.

          Alles prima also?

          Es mag sein, dass die Sensibilität wegen der sicher nicht richtigen Überziehung von Anastacia am letzten Spieltag gewachsen ist. Aber gerade darauf haben wir reagiert und den Auftritt von Frau Fischer so kurz gehalten, dass das nicht passieren konnte. Aber die Kritik daran trifft ohnehin nicht den Kern, wenn im selben Atemzug die Frage nach der Kommerzialisierung des Fußballs aufgeworfen wird. Es werden beispielsweise eigens T-Shirts für das Pokalfinale produziert, um sie den Fans zu verkaufen – und dann wird Frau Fischer plötzlich zum Thema der Kommerzialisierung.

          Das finden Sie wirklich seltsam?

          Ja, denn was heißt Kommerzialisierung? Alle Vereine der Bundesliga bemühen sich doch um eine gute wirtschaftliche Grundlage und sind dabei sehr erfinderisch. Alle Fans müssen daran interessiert sein, dass ihre Klubs kommerziell erfolgreich sind. So bleibt die Bundesliga konkurrenzfähig, so ist sie attraktiv für Spitzenfußballer. Mich beschäftigt, dass beim Pokalfinale 2014, als wir Weltmeister wurden, 14 deutsche Spieler auf dem Platz standen. 2017 waren es nur noch acht. Das Verhalten einiger Fans hat für mich auch eher seinen Grund in den Entscheidungen des DFB-Kontrollausschusses, der gegen beide Vereine vor kurzer Zeit Teilausschlüsse verhängt hat. Es darf nicht sein, dass der DFB das Fehlverhalten einzelner Gruppierungen sanktioniert und dafür zum Buhmann wird. Auch mit Blick auf die Ereignisse in der Relegation müssen Verbände, Vereine und die vernünftigen Fans gemeinsam vorgehen. Und die Justiz ist gefordert, strafrechtlich relevante Vorgänge schnell und konsequent abzuurteilen.

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          Wir waren auch überrascht von der Heftigkeit des Protests, aber wir stellen auch fest, dass auch vielen Tribünenbesuchern und langjährigen Fußballfans diese Form der Eventisierung gehörig gegen den Strich geht. Und nicht nur der Ultra-Szene.

          Ich habe das anders wahrgenommen. Es hat schon bei der Nationalhymne heftige Störungen gegeben und vorher unflätige Rufe gegen den DFB. Die kamen nun eindeutig von den Ultras. Ich habe nichts gegen sachliche Kritik. Wir müssen den Dialog mit allen friedlichen Fangruppen fortsetzen. Aber dazu gehört ein klarer Standpunkt, der die Grundlage für Diskussionen bilden muss. Dazu gehört, dass Pyro verboten bleibt, weil eine neue Studie der Uefa zeigt, dass es gesundheitsschädlich ist und gefährlich bleibt, auch wenn man es in speziellen Bereichen im Stadion abbrennen würde. Ebenso dürfen wir physische und psychische Gewalt nicht dulden. Der Stadionbesuch muss ein Erlebnis für die ganze Familie bleiben. Das ist nicht verhandelbar.

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