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Deutscher Turner-Bund Zahlenakrobatik im Neubau

Der Deutsche Turner-Bund verhebt sich bei der Finanzierung der Verbandszentrale. Der drückende Schuldenstand ärgert die Mitglieder. Wahrscheinlich muss der DTB auf dem Weg in ruhige Zeiten einige geschraubte Kunststücke vollführen.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Der DTB hat bei der Vision seiner großen Kür ein paar erweiternde Elemente eingebaut, die er nicht stehen konnte

Das hat nicht jeder zu bieten: einen schönen Neubau als Geschäftsstelle und gleich nebenan ein eigenes Hotel. Rainer Brechtken ist also stolz: „Das muss man auch mal sagen, dass wir da was hingesetzt haben, was für die Zukunft steht“, sagt der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) am Freitag mit einem geistigen Blick auf die Liegenschaften seines Verbandes in der Sportzentrale Deutschlands, der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise.

Anno Hecker Folgen:

Das schöne Projekt hat die Turner allerdings wesentlich mehr gekostet als geplant. Knapp 39 Millionen Euro statt 24. Warum? Wegen unvorhersehbarer Folgekosten nach der Pleite des Generalplaners. Und weil der DTB bei der Vision seiner großen Kür ein paar erweiternde Elemente einbaute, die er dann nicht stehen konnte. Eine Finanzierungslücke von 1,8 Millionen Euro, so die kleinlaute Bitte der Frankfurter Zentral-Strategen an die Gemeinschaft der Turnbrüder und schwestern in der Republik vor einem Jahr, müsse gemeinsam gestopft werden.

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Prompt halfen die Landesverbände, viele mit der Zusage, Mitgliederbeiträge vorauszuzahlen, die jährlich an den DTB abzuführen sind. Das Ergebnis: Das „existentielle Problem“, hieß es in einem DTB-internen Vermerk vom 10. Oktober, wird „mit Bordmitteln“ gelöst. „Wir haben keine Finanzkrise, nach der finanziellen Hilfe der Länder sind alle Anforderungen im Haushalt solide finanziert.“ Wie gut die Lage ist, ob dem DTB mit seiner akrobatischen Finanzplanung auch ein kontrollierter Abgang gelingt, wird sich aber erst an diesem Samstag zeigen.

Brechtken hat die Präsidenten der Landesverbände nach Frankfurt eingeladen, zur „Aussprache“. Die lieben Kollegen aber werden nicht nur zuhören, sondern, so hieß es am Freitag aus Niedersachsen, einen Fragenkatalog ausbreiten: wie es nämlich zu dem Finanzdebakel gekommen sei, wer wann welche Summen bewilligt habe, kurz: „Wir wollen die Verantwortung klären.“

Schlägt da einer zurück?

Laut Brechtken hat der DTB für sein Finanzierungskonzept nur mit einem Verband noch eine Formalie zu klären. „Den Namen sage ich nicht.“ Ob der Turnchef wohl an den Rheinischen Turner-Bund (RTB) dachte? Der hat sich zwar vertraglich verpflichtet, mit 400.000 Euro in Vorleistung zu gehen und dann in ein paar Jahren die obligatorische Zahlung an den DTB zur Refinanzierung auszusetzen. Aber inzwischen haben die Rheinländer wohl kalte Füße bekommen, schrieben dem DTB am 24. Januar von einer „Beunruhigung“, von einer täglich erfahrenen „Verärgerung der Turnerschaft des RTB“, die „die erforderliche operative Tätigkeit“ beeinträchtigt. Nun fordern die Rheinländer eine „Klärung mit größter Transparenz“.

Weil der vor zehn Tagen zurückgetretene Vizepräsident des DTB, Heinz-Joachim Güllüg, den Konsolidierungskurs Brechtkens „für kaum realisierbar“ hält. Das ist von Brisanz, weil Güllüg über mehr als zehn Jahre ein geschätzter Finanzmakler des DTB war, der zwar alles mitgetragen hat, aber nun in seinem Rücktrittsschreiben klagt, bei finanziellen Entscheidungen „nicht einbezogen worden zu sein“. Schlägt da einer zurück, der sich verlassen fühlt? Nach Darstellung der „Frankfurter Rundschau“ soll der Steuerberater in geschäftlichem Kontakt mit dem Generalunternehmen gestanden haben, das für den DTB-Bau engagiert wurde. Statt dies in einer Erklärung gegenüber dem DTB eindeutig zu dementieren, zog er sich zurück. Eine Kontaktaufnahme mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ignorierte Güllüg.

DTB-Präsident Rainer Brechtken gibt sich zuversichtlich: „Alles läuft in ruhigen Bahnen“ © Bergmann, Wonge Vergrößern DTB-Präsident Rainer Brechtken gibt sich zuversichtlich: „Alles läuft in ruhigen Bahnen“

Drückende Schulden, eine ungeklärte Affäre, bockende Mitgliedsverbände: Brechtken, einst in der Politik in Baden-Württemberg als SPD-Landtagsabgeordneter im Umgang mit verbaler Problembewältigung geschult, ist überzeugt, dass die Misere nicht das Leben in der Turnhalle erfasst. „Es wird bei unseren Bundesaufgaben im Spitzensport nicht gekürzt. Wir haben aber bei der Verteilung der Mittel etwas stärker leistungsorientiert gehandelt. Wenn man das macht, dann hat der eine mehr und der andere weniger.“

Die Streichung von Geldern für Turnzentren sei schon vor dreieinhalb Jahren beschlossen worden. „Einige Zeitverträge in der Geschäftsstelle sind nicht verlängert worden“, räumt Brechtken dann doch ein. Trotzdem soll die Inspiration für das Turnen in Deutschland, vom Purzelbaum bis zum gestreckten Tsukahara, nicht leiden; insofern die Mitarbeiter höhere Belastungen wegstecken.

Der DTB wird „höflichst“ erinnert

Wahrscheinlich muss die DTB-Führung auf dem Weg zurück in ruhige Zeiten noch einige geschraubte Kunststücke vollführen. Denn die Rheinländer aus Bergisch Gladbach können längst nicht so zufrieden sein, wie sie am Freitag gegenüber der F.A.Z. taten. Im Schreiben vom 24. Januar hatten sie nicht nur eine Prüfung des Sanierungskonzeptes durch „externe Experten“ gefordert und auf die Prüfung der „Rechtmäßigkeit ihres Handelns“ mit Blick auf die Vorauszahlung hingewiesen.

Schließlich „erinnerten“ sie den DTB auch „höflichst“ daran, dass die ihnen „zugesagte Grundbucheintragung über [Euro] 200.000 noch nicht vorliegt“. Nun werden alle warten müssen. Denn „wir haben bisher keine Zustimmung des Erbbaurechtsgebers in Frankfurt erhalten“, schrieb der DTB am 31. Januar zurück. Dabei ließ er gleich erkennen, dass er eigentlich auf Geld nicht warten kann: „Wir (...) würden uns freuen, wenn eine zügige Auszahlung der ersten Rate (200 000 Euro/d. Red.) möglich wäre.“

Quelle: F.A.Z.

 
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