30.04.2010 · Der Duft der großen Sportwelt hat es den Öl-Staaten angetan – die Öffnung des Sports für die Frauen aber bereitet ihnen Probleme. Ein Bericht aus dem Spannungsfeld zwischen Hightech-Veranstaltungen und mittelalterlichen Vorschriften für den Frauensport.
Von Evi Simeoni, DubaiWas kein Politiker schafft, scheint dem Sport zu gelingen: die harte Haltung der iranischen Islamisten aufzuweichen. Ausgerechnet der von männlicher Leidenschaft dominierte Fußball hat einen kleinen, aber verblüffenden Fortschritt gegen die Unterdrückung der Frauen in der muslimischen Welt erzielt. „Wir haben es schriftlich“, sagte Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), in einer Pause der internationalen Konferenz der Sportverbände (Sportaccord) in Dubai.
Das Nationale Olympische Komitee von Iran habe per Fax angeboten, den Hijab, den von Sittenwächtern streng auf Sitz und Verhüllungsgrad überprüften Kopfputz, für seine Fußballspielerinnen zu lockern. „Wenn sich das realisiert, ist es ein großer Schritt für den Frauenfußball“, sagte Blatter in Dubai, wo er im Rahmen der breit angelegten Konferenz eine Rede hielt.
Der Schleier über dem muslimischen Frauensport reißt damit überraschend auf – als Reaktion auf die noch unerbittlichere Haltung der Fußball-Regelwächter. Vor drei Wochen hatte die Fifa nach monatelangen Verhandlungen die Mädchenmannschaft der Islamischen Republik Iran von den Olympischen Jugendspielen im August in Singapur ausgeschlossen, weil die Sportführung des Landes auf der traditionellen Verhüllung bestand.
Die Fifa bezog sich auf ihre Bekleidungsregel, die eine Kopfbedeckung für Feldspieler nicht vorsieht. Das unter dem Kinn geschlossene und mit einem Stirnband fixierte Tuch wurde als zu gefährlich angesehen. „Sie wollen nun nicht mehr mit dem Hijab spielen, sondern mit einer Art Mütze oder Schal“, sagte Blatter. In zehn Tagen werde die Fifa den Fall abgeschlossen haben. Nun müsse man noch eine Lösung für das Problem finden, dass man Thailand bereits habe nachrücken lassen. Das Thema ist brisanter, als die Traditionalisten dieses Sports glauben. „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“, sagte Blatter.
Olympia in Dubai? Scheich al Maktoum stimmt nur zu, wenn es perfekt ist
Es war trotzdem nur eine Nachricht am Rande. Beim Treffen der internationalen Sportverbände, der Sportindustrie, der Dachverbände und der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in dieser Woche stand der Sport in den muslimischen Ländern nicht eigens auf der Tagesordnung. Aber ein Blick hinaus aus dem Kongresshotel, auf die Skyline einer Stadt zwischen Genie und Größenwahn, machte jedem klar, dass der internationale Leistungssport längst nicht mehr ein europäisches Phänomen ist.
Im Spannungsfeld zwischen Hightech-Veranstaltungen und mittelalterlichen Vorschriften für den Frauensport bewegen sich die Themen, mit denen sich die traditionsbewussten und schwer beweglichen Verbände konfrontiert sehen. Bei einem Frühstück am Mittwoch für eine kleine Gruppe internationaler Journalisten machte etwa Scheich Mohammed bin Ra-shid al Maktoum, der Regent von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, deutlich, dass hier durchaus auch einmal Olympische Spiele stattfinden könnten.
Das größte Problem bleibt die Hitze
„Es ist unser Traum“, sagte er in einem Hotel auf „The Palm“, einer künstlichen Insel unweit des höchsten Turms und des angeblich komfortabelsten Hotels der Welt. Rekord-Denken ist dem Regenten, dessen milliardenschwere Höhenflüge bisher immer wieder vom Bruder Abu Dhabi abgefangen worden sind, nicht fremd. „In allem, was wir tun, wollen wir die Nummer eins sein.“ Auch als Sportsmann steht er ganz vorn. Im Herbst wird er mit vier seiner Söhne an den Weltmeisterschaften im Distanzreiten teilnehmen. Mit seinem Gestüt Godolphin spielt er eine bedeutende Rolle im Galopprennsport.
Neben Scheich Mohammed stand mit zwei Telefonen in der Hand seine gehorsame Frau Haya bint al Hussein. Die Tochter des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien ist eine hohe Sportfunktionärin, IOC-Mitglied und Präsidentin der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI). Prinzessin Haya machte deutlich, dass ihr Gatte ein perfektes Konzept erwartet, bevor er einer Olympiabewerbung zustimmt. Das größte Problem dabei ist die Hitze. Am Klima in Qatar scheiterte bereits die Bewerbung Dohas um die Austragung der Olympischen Spiele von 2016 in der Vorschlussrunde. Das IOC hielt es für unmöglich, die Spiele auf Oktober zu verlegen. „Solange wir Scheich Mohammed nicht zeigen, dass wir eine Antwort auf diese Frage geben können, gibt es keine Bewerbung“, sagte Haya.
In allen Olympiamannschaften soll es Frauen geben
Nachbar Qatar versucht es nun mit der Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. In Dubai stellte das Land in dieser Woche die Kühlungssysteme für seine Stadien vor. Bisher begnügen sich die Scheichtümer damit, Fußballvereine entweder einfach zu kaufen oder ihr Sponsor zu werden. Die Emirates Airline etwa, deren Chef, Scheich Ahmed bin Saeed Al Maktoum, im Gefolge Scheich Mohammeds mitgekommen war, hat sich auf große europäische Namen spezialisiert: Paris St-Germain, AC Mailand, Hamburger SV. Weil man künftig auch eine Destination in Spanien anfliegen werde, könne ein weiterer Sponsoren-Deal zusammenkommen, deutete der Scheich an. Man munkelt, es könne Real Madrid sein.
Der Duft der großen weiten Sportwelt hat es den Öl-Staaten angetan. Die Öffnung des Leistungssports für die Frauen allerdings bereitet ihnen Probleme. Olympiamannschaften, die nur aus männlichen Athleten bestehen, will das IOC aber nicht mehr tolerieren. Angestrebt ist ein olympisches Athletendorf, das zur Hälfte von Sportlerinnen bewohnt wird – in London 2012 kommt das IOC diesem Ziel schon wieder ein Stück näher.
Mit der Marokkanerin Nawal el Moutawakel hat es sogar eine muslimische Frau als Koordinatorin für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro eingesetzt, der Chancen auf die Nachfolge von IOC-Präsident Jacques Rogge nachgesagt werden. Doch nicht alle Länder ziehen mit. Saudi-Arabien zum Beispiel hat zu seinen bisher acht Olympischen Spielen insgesamt 166 Teilnehmer gesandt – allesamt Männer. Das IOC wird darum langsam ungehalten. „Wir sind nicht auf einen Ausschluss aus“, sagte Rogge in Dubai. „Aber wir haben klar gesagt, dass es in jeder Mannschaft auch Frauen geben muss.“ Das IOC drohe nicht, es wolle „effektiv“ verhandeln. „Wir arbeiten daran, es ist aber nicht leicht.“
Die Probleme in Saudi-Arabien sind riesig
Offenbar gibt es in Saudi-Arabien mittlerweile Bemühungen, sportliche Frauen für Olympia zu aktivieren, etwa im Reitsport. Doch die Probleme sind riesig. Die Geistlichen des Landes verlangen, dass die Frauen nicht Sport treiben, sondern im Haus bleiben, um Mann und Kinder nicht zu vernachlässigen. Private Fitnessklubs für Frauen wurden durch eine Fatwa als schamlos gebrandmarkt und werden immer wieder von der Polizei geschlossen.
Die Regeln sind so rigoros, dass auch der sportliche Austausch mit anderen muslimischen Ländern nicht möglich ist. Patrick Baumann, der Generalsekretär des Internationalen Basketball-Verbandes, berichtete in Dubai von einem geplanten Frauen-Länderspiel zwischen Saudi-Arabien und Jordanien, das nicht stattfinden konnte. Der saudi-arabische Verband wollte den männlichen jordanischen Trainer nicht in die Halle lassen.
Entsetzlich, dass Leute nicht bereit sind alle Regeln im Leben in Richtung
Josef Bujtor (Mramorak)
- 01.05.2010, 15:23 Uhr
Der Schleier reißt nicht auf, er wird dadurch noch mehr zugezagen.
Josef Bujtor (Mramorak)
- 01.05.2010, 16:05 Uhr