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Der Olympia-Kommentar Obamas Ohrfeige ist eine Lektion

03.10.2009 ·  Die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 an Rio de Janeiro ist eine peinliche Niederlage für Barack Obama - und eine Lektion für Angela Merkel. Die Maßstäbe der Vergabe normalisieren sich wieder. Das ist zu begrüßen - auch wenn die Entscheidungen des IOC unberechenbar bleiben.

Von Evi Simeoni
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Welch eine Fehleinschätzung des Weltpolitikers Barack Obama! Der amerikanische Präsident flog für viel Steuergeld nach Kopenhagen, um sich von einer illustren, allerdings nicht einmal demokratisch gewählten Gruppe von Sportfunktionären eine Ohrfeige abzuholen. Dabei wollte er etwas ganz anderes abholen, nämlich die Olympischen Spiele 2016 für Chicago.

Die Niederlage ist peinlich für ihn - aber auch für das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem Präsidenten Jacques Rogge. Die Hoffnung, sein Charisma wirken lassen und mit Hilfe eines Präsidenten-Quickies noch schnell die IOC-Mitglieder für sich gewinnen zu können, lockte Obama von seinen heiklen Amtsgeschäften weg nach Kopenhagen. Und die IOC-Mächtigen scheinen ihm suggeriert zu haben, dass er eine reelle Chance dazu haben würde.

Nun kehrt er als ramponierter Verlierer heim, als Letztplazierter in einem Prestigewettbewerb, als ein Staatsmann, dem offenbar keine Fortüne beschieden war. So schnell, dies ist eine der begrüßenswerten Konsequenzen aus der Niederlage von Chicago, wird wohl keiner der Mächtigen mehr sein Charisma in die unberechenbare Waagschale des olympischen Abstimmungsverhaltens werfen.

Rio de Janeiro wird die erste lateinamerikanische Olympia-Stadt - als Ausrichterin der Sommerspiele 2016. Rio setzt auf landschaftliche Reize und vielen neue Sportstätten. IOC-Experten monierten im Vorfeld allerdings die geringe Zahl an Hotels, Schwächen beim Nahverkehr und die hohe Kriminalitätsrate.

Merkel dürfte sich die Reise zum IOC überlegen

Die Maßstäbe werden sich wieder normalisieren. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte sich gut überlegen, ob sie in zwei Jahren wirklich nach Durban reisen will. Dort entscheidet die IOC-Vollversammlung über die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018, für die sich auch München bewirbt.

Ein schlimmer Rückschlag immerhin ist der bayerischen Landeshauptstadt erspart geblieben. Hätte Madrid am Freitag den finalen Wahlgang gewonnen, wäre die Vergabe der folgenden Winterspiele an einen europäischen Ausrichter höchst unwahrscheinlich geworden.

Systeme allerdings kann man bei den Wahlen der unberechenbaren IOC-Mitglieder nicht immer erkennen. Die Frage, ob die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien Rio de Janeiro für Olympia 2016 schaden oder nützen würde, war vor der Abstimmung von Kopenhagen nicht zu klären. Nun weiß man es: Das Wahrzeichen der beiden populärsten Sportfeste der Welt wird in ein paar Jahren der Zuckerhut sein.

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