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Depression im Sport „Das ganze System musste erst zusammenbrechen“

Einer Befragung der Deutschen Sporthilfe zufolge leidet rund neun Prozent der deutschen Spitzensportler an psychischen Erkrankungen. Sie gibt der Studie ein Gesicht: Meike Kröger, einst Hochspringerin.

© imago sportfotodienst Schwierige Balance: Meike Kröger beim Leichtathletik Meeting 2011 in Rehlingen

Meike Kröger war die zehnte deutsche Hochspringerin, die zwei Meter übersprang. Das war vor drei Jahren. Bei den deutschen Meisterschaften in Dortmund ist die Sechsundzwanzigjährige nach langer Zeit und einer Depression wieder aufgetaucht. Inzwischen lebt die Berlinerin in Zürich. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über Leistungsdruck im Leistungssport, die psychologische Betreuung des Verbandes und ein Comeback.

***

Sie sind zum ersten Mal seit langem wieder bei einer Meisterschaft - als Zuschauerin.

Ich bin entspannt und guter Dinge. Vor etwas mehr als einem Jahr hätte ich keine Meisterschaft besuchen können.

Als Sie in Karlsruhe mit zwei Metern Zweite der deutschen Meisterschaften wurden, sprach Ihr Trainer, ein Psychologe, davon, dass eine solche Leistung auch eine Belastung sein könne. Hat dieser Sprung Ihre Erkrankung verursacht?

Ich kann nicht sagen, dass es dieser eine Sprung war. Aber der Druck im Leistungssport, den man sich vor allem selbst macht, begünstigt solche Krankheiten. Ich bin sehr ehrgeizig, sonst wäre ich dort nicht hingekommen. Aber er machte mir eben nur so lange Spaß, wie er nebenher lief. Als ich sah, dass ich oben mitmischen kann, als ich Erwartungen weckte, auch in mir selbst, geriet der Sport immer mehr in den Lebensmittelpunkt. Wenn man viel investiert, erwartet man, dass viel dabei herauskommt. Alles andere ist eine Enttäuschung. Aber so funktioniert Leistungssport nicht: Das Ergebnis wird nicht automatisch besser, je mehr man investiert.

Waren die zwei Meter Versprechen oder Erfüllung?

Mit denen hatte ich gar nicht gerechnet. Zwar hatte ich mir die Höhe zugetraut, als sie auflag. Aber bis dahin waren sie ein fernes Ziel, ein Traum gewesen. Das war etwas Besonderes. Aber generell war der Leistungssport bei mir mehr und mehr mit negativen Emotionen verbunden.

Warum?

Seit ich meine Karriere im Sommer beendet habe, habe ich mich das oft gefragt. Ich glaube, das hing auch damit zusammen, dass ich nicht dem Bild entsprach, das man von Leistungssportlern sehen will; dass man zur Bundeswehr geht oder zur Polizei, um sich auf den Sport zu konzentrieren. Ohne das steht man zwischen den Stühlen. Es ist schwierig. Einerseits will man den Sport weitermachen, aber man möchte hinterher nicht ohne Ausbildung oder Studium dastehen.

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Haben Funktionäre oder Trainer Sie gedrängt?

Nein. Ich habe gesehen, wie viele das machen und teilweise auch erfolgreich damit sind. Für mich waren Bundeswehr oder Polizei nie eine Option. Einigen Funktionären ist es egal, ob jemand mit Mitte dreißig aus der Bundeswehr ausscheidet und keine zufriedenstellende Ausbildung hat. Da gibt es schwere persönliche Schicksale.

Hat Ihr Architekturstudium Ihren Weg schwerer gemacht?

Ich will nicht jammern. Ich habe einfach keinen Weg gesehen, Spitzensport und Studium optimal zu verbinden. Und ich wollte mich nicht erst mit dreißig zu Zwanzigjährigen in den Hörsaal setzen. Man kann ein Architekturstudium nicht strecken, deshalb hatte ich wenig Zeit fürs Training. Das war zum Scheitern verurteilt.

Wann haben Sie die ersten Anzeichen Ihrer Depression erlebt?

Das entwickelt sich, ohne dass man es wahrnimmt. Richtig ausgebrochen ist es Ende 2011. Ich hatte zuvor eine lange Phase von Verletzungen und eine Schilddrüsenunterfunktion.

Hashimoto. Ihre Schilddrüse verkleinert sich?

So ist es. Die Krankheit und die Verletzungen führten dazu, dass ich mich stark unter Druck fühlte. Das hat die Depression vermutlich begünstigt.

Nun nehmen Sie Medikamente?

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