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Demonstration Sport gegen Kultur „In Prestigekultur wird Geld verballert“

In Bonn haben Sportvereine erstmals in diesem Land massiv gegen die Ausgabenpolitik zugunsten der Kultur demonstriert. Der Initiator hofft auf eine bundesweite Ausweitung der Aktion.

© imago sportfotodienst Vergrößern Sport gegen Kultur: Die Aktion in Bonn könnte einen bundesweiten Zweikampf um die Fleischtöpfe eröffnen

Herr Wolff, zusammen mit Ihren Kollegen haben Sie als einer der Sprecher der Initiative „Pro Sportstadt Bonn“ am Samstag eine Demonstration organisiert. Das ist ungewöhnlich für Sportler ...

... das ist meines Wissens die größte Demonstration zu einem kommunalen Thema in Bonn gewesen. Es regnete in Strömen, trotzdem sind beim Demonstrationszug etwa 5000 mitgelaufen.

Weil Sie einen wunden Punkt angesprochen haben?

Das meine ich, ja. Es waren nicht nur Sportler aus den Vereinen da, sondern auch Bürger, viele Ältere, die keinem Verein angehören, die um die Schwimmbäder bangen. Wenn Sie sich nur noch mit dem Rollator bewegen können, dann ist Schwimmen der einzige Sport, bei dem Ihnen nichts weh tut. Nachher treffen sich diese Menschen zu einem Kaffeeründchen. Schwimmbäder tragen also dazu bei, dass diese Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

In Bonn werden die Schwimmbäder zugemacht?

Deshalb sind wir auf die Straße gegangen, da in Bonn nur noch der Rotstift zu unseren Lasten herrscht. Am kleinen Mann wird gespart, während die Stadt Geld in der Prestigekultur verballert.

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Sie meinen, die Politiker geben Geld für Opernbesucher aus, während am Sport der Basis gespart wird?

Genau. Die Kultur wird in Bonn mit 60 Millionen Euro gefördert. Der Sport kriegt zehn, abzüglich Personalkosten und Unterhaltung der Schwimmbäder. Ein Opernabend wird mit mehr als 200 000 Euro subventioniert, die Jugendförderung im Jahr mit 185 000 Euro. Das ist ein Witz, das ist eine Unverschämtheit.

Was schlagen Sie vor?

Die Subventionierung für die Kultur muss reduziert werden. In die Oper gehen im Jahr 185.000 Bürger, die Karte kostet im Schnitt zwanzig Euro. Wieso nur zwanzig? Dafür kommt man bei der Fußball-Bundesliga nicht mal rein. Wieso können Opernliebhaber nicht mehr zahlen? In der Regel haben die das Geld dafür. Wenn sie 24 Euro zahlen würden, wäre das Problem gelöst. Drei weitere Schwimmbäder müssten nicht geschlossen werden, damit 750 000 Euro eingespart werden. Ich habe nichts gegen Opernliebhaber. Aber wer Musik bestellt, sollte sie bezahlen.

Ist Ihnen bewusst, dass Sie einen gefährlichen Kampf zwischen Sport und Kultur ums Geld anzetteln?

Unsere Initiative ist doch nicht gegen Oper und Schauspiel gerichtet. Wir haben nur festgestellt, dass es ein krasses Missverhältnis zwischen der Subventionierung der Prestigekultur und des Sports gibt. Das wollen wir uns nicht länger gefallen lassen. Sport ist wie die Kultur in unserer Landesverfassung festgeschrieben. Also sollte er gleichberechtigt gefördert werden. Deshalb machen wir jetzt Dampf im Kessel vor den nächsten Haushaltsgesprächen, damit die Damen und Herren Politiker merken, wo der Hammer hängt.

Bild Wolff © Foto privat Vergrößern „Die Sportförderung ist ein Witz“: Judoka Rainer Wolff will sich nicht länger von Politikern aufs Kreuz legen lassen

Wissen Sie von weiteren Initiativen?

Ich weiß von einer Entwicklung in Darmstadt, die Kölner sind dran, ich glaube, dass sich da etwas entwickeln wird. Im Grunde braucht der Sport eine Initiative „Pro Sportland Deutschland“. Denn die Probleme in Bonn werden im ganzen Land zu finden sein. Wenn wir feststellen, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen und Übungsleiter nicht angemessen honoriert wird, dann wird das woanders ähnlich sein. Wir haben in Bonn eine Lobby der Prestigekultur. Wenn die schreit, wird schon mal eine Million Euro als Anpassungsbeihilfe bewilligt. Früher haben wir gedacht, okay, wir müssen alle sparen. Seit wir die unterschiedliche Behandlung kennen, sehen wir das anders. 2014 sind Kommunalwahlen, das Thema wird eine Rolle spielen. Dafür wird unsere Initiative sorgen.

Sie machen Sportpolitik?

Ja, weil die Politiker sich nicht bewegen. Wir haben den Landessportbund (Nordrhein-Westfalen) mit im Boot, 60 Verbände, wir haben am Samstag unsere Kraft gezeigt. Das wird jetzt landesweit kommuniziert. Mein Ziel ist es, eine Bundesinitiative ins Leben zu rufen. Denn in dieser Gesellschaft muss sich etwas ändern. Eine höhere Anerkennung der Arbeit für den Sport ist wichtig, sonst geht es den Bach runter. Es wird für die Vereine wegen der Entwicklung der Ganztagsschulen, dem G8-Modus, immer schwerer, Kinder in die Vereine zu bekommen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass der Zug bald abgefahren ist.

Wie reagiert man auf Ihre Aktion?

Ich soll ausgetauscht werden, ich habe gehört, man solle mich zur Fahndung ausschreiben. Aber ich habe keine Angst. Und ich bin ein braver Hund. Nur wenn ich lange getreten werde, beiße ich irgendwann. Das ist jetzt der Fall.

Die Fragen stellte Anno Hecker.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.11.2012, 11:47 Uhr

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