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Veröffentlicht: 17.02.2013, 17:20 Uhr

Debatte um Ringen Putin lässt die Bären los

Russlands Präsident macht sich für die Ringer stark - die sibirische Legende Karelin greift ein. Die Vereinigten Staaten planen eine globale Koalition. Der Weltverbands-Präsident ist weg. Nur der Olymp bleibt still.

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© Wonge Bergmann Mann gegen Mann, ohne Hilfsmittel und Ausrüstung - die Ringer wissen, wie man kämpft

Lasst die Bären los! Ob Wladimir Putin sich tatsächlich vom Erstlingswerk des amerikanischen Bestseller-Autors John Irving hat inspirieren lassen, ist nicht bekannt. Tatsache ist: Der mächtige russische Staatspräsident schloss sich der internationalen Protestbewegung gegen die olympische Abschaffung des Ringens an. Putin befahl, sofort ein Komitee zu gründen, das sich mit der Lage des ältesten Kampfsports befassen und ihm zu seinem Recht verhelfen soll.

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Der russische Sportminister Witali Mutko und alle drei russischen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Alexander Popow, Wladimir Smirnow und Schamil Tarpischew, sollen der Arbeitsgruppe beitreten. Auch Alexander Karelin, die größte Ringerlegende der Neuzeit, wird in den Kampf um den Olympiastatus seiner Sportart eingreifen. Der Abgeordnete der Staatsduma aus Sibirien wird die Wucht seiner gestählten Persönlichkeit direkt im Ringer-Weltverband Fila einbringen: Seit Samstag gehört er zum Bureau des Verbandes, der als Folge der IOC-Entscheidung vom vergangenen Dienstag seinen Präsidenten verlor.

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Der Schweizer Raphael Martinetti trat zurück, nachdem ein Misstrauensantrag bei der Sitzung in Phuket ohne sein eigenes Votum ein Stimmenverhältnis von 10:10 erbracht hatte. Zum Interimspräsidenten wurde der Serbe Nenad Lalovic ernannt. Weitere Schritte für tiefgreifende Reformen sollen bei einem außerordentlichen Kongress ergriffen werden, der auf Vorschlag des russischen Verbandspräsidenten Michail Mamiaschwili im Mai in Moskau stattfinden soll.

Ringer-Epiker John Irving machte in der Samstag-Ausgabe der „New York Times“ seinem Unmut Luft - er griff nicht nur das Exekutivkomitee des IOC an, das seinen Lieblingssport für die Spiele nach Rio 2016 zur Disposition gestellt hat, sondern auch den Weltverband. Die Regeländerungen der vergangenen Jahre findet er „so schlecht, dass Leute, die nichts vom Ringen wissen, sie nicht verstehen können, auch wenn ich es ihnen erkläre“. Das internationale Ringen, schreibt Irving, habe sich selbst erheblichen Schaden zugefügt. Aber die Entscheidung des IOC sei „heimtückisch und falsch“. Irving fordert „neue Führung“ im Weltverband und „mehr Transparenz und Verantwortungsgefühl“ im IOC.

„Diesen Kampf können wir nicht allein gewinnen“

“Unser Sport“, schreibt Rich Bender, Chef des amerikanischen Ringerverbandes, auf dessen Homepage, „steht vor einem schwierigen Kampf. Aber wir können ihn gewinnen.“ Beim Freistil-Weltcup am kommenden Donnerstag und Freitag will Bender mit Verbandsvertretern aus Russland und Iran einen Kriegsrat abhalten - schon diese Allianz müsste dem IOC eigentlich zeigen, dass es einer Front gegenüber steht, die sich weder durch weltanschauliche noch atompolitische oder religiöse Differenzen aufhalten lässt. Man werde sich außerdem mit Aserbaidschan, Georgien, Bulgarien, der Türkei, Weißrussland, mit allen Staaten, die durch die IOC-Entscheidung erschüttert seien, zusammentun, kündigte der Amerikaner an: „Diesen Kampf können wir nicht allein gewinnen.“

Am Sitz der Olympier in Lausanne, wo am vergangenen Dienstag auch die folgenschwere Sitzung der IOC-Exekutive stattfand, blieb es bisher still. Präsident Jacques Rogge korrigierte seine Bemerkung bisher nicht, er habe den internationalen Aufschrei der Ringer gegen die Streichungs-Absichten erwartet, es wäre bei anderen Sportarten auch nicht anders gekommen. Auch eine detaillierte Begründung für den Beschluss des fünfzehn Personen umfassenden IOC-Kabinetts blieb bisher aus. Inoffiziell heißt es, das IOC habe die Fila für ihre Innovationsfeindlichkeit bestraft - und für ihre mangelnde Kooperationsbereitschaft.

Wo ist dieser Rogge? Alexander Karelin macht sich bereit © AP Vergrößern Wo ist dieser Rogge? Alexander Karelin macht sich bereit

Die Hoffnung der Ringer konzentriert sich auf zwei Termine: Bei der nächsten Exekutivsitzung im Mai in St. Petersburg könnten die Mattenkämpfer zum Ersatzkandidaten erklärt werden für den Platz, den sie nach dem Wunsch der Exekutive selbst im Programm frei machen sollten. Sollte sich die IOC-Regierung zu einer solchen Kehrtwende außer Stande sehen, könnte die IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires durch ihr Votum die Pläne der Exekutive durchkreuzen. Vorstellbar ist auch, dass die IOC-Juristen bereits an einer weniger peinlichen Alternativlösung feilen.

In St. Petersburg können die acht Anwärter auf den Olympiastatus im Rahmen einer Präsentation ihre Argumente vortragen - neben Ringen sind das Klettern, Rollschuhsport, Karate, Wushu, Wakeboarden, Baseball-/Softball und Squash. Die Fila wird dafür, und zur Ausarbeitung einer Gesamtstrategie, eine professionelle PR-Agentur engagieren. „Unser Sport kann jetzt wieder ein unbelastetes Verhältnis zum IOC aufbauen und sich mit einigen dringenden Herausforderungen und Chancen des Ringens befassen“, sagte Rich Bender nach dem Rücktritt des Weltverbands-Präsidenten. Nun werde die Arbeit mit den 114 IOC-Mitgliedern beginnen, denen die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Ringens obliegt. „Wir werden uns an jedes einzelne Mitglied wenden und um Unterstützung bitten.“ Man wolle zu erreichen versuchen, dass überhaupt kein Sport das olympische Programm verlassen müsse. „Das Ziel ist es, den Sport in der ganzen Welt hinter uns zu bringen.“

Quelle: F.A.Z.

 

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