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Das Olympia-Attentat : Unter dem Schatten von München

Leichtathletin Esther Roth-Schachamarow: „München hat mir etwas genommen“ Bild: AFP

Weiterlaufen oder aufgeben: Das Olympia-Attentat vom 5. September 1972 verfolgt die israelischen Überlebenden Esther Roth-Schachamarow, Dan Alon und Schaul Ladany bis heute.

          Esther Roth-Schachamarow kann nicht lange ruhig sitzen. Die Frau mit dem vollen dunkelbraunen Haar springt auf, läuft nach draußen und macht schnell ein paar Dehnübungen, obwohl es auf der Konferenz in Herzlija um ihre Vergangenheit geht. Die israelische Sportlerin ist immer in Bewegung geblieben. Nur einmal, im September vor vierzig Jahren, wollte sie ihre Laufschuhe für immer ausziehen. „Es fing an wie ein Traum. Ich war bei den Olympischen Spielen in München gerade meine Bestzeit gelaufen, am 5. September 1972 sollte ich zum Halbfinale des Hundert-Meter-Hürdenlaufs antreten. Aber dann brach für mich meine Welt zusammen und ich wollte alles aufgeben“, erinnert sie sich.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In den frühen Morgenstunden des 5. September drangen palästinensische Terroristen des Kommandos „Schwarzer September“ ins Mannschaftsquartier der Männer ein; die Frauen waren in einem anderen Gebäude untergebracht. Weniger als 24 Stunden später waren elf Israelis tot. Darunter war auch ihr Trainer Amitzur Schapira. In der israelischen Zeitung „Maariv“ hatte er Esther Roth-Schachamarow gerade eine große Zukunft vorausgesagt. Der Artikel erschien erst nach seinem Tod während der missglückten Befreiungsaktion auf dem Fürstenfelder Militärflughafen. Die überlebenden Sportler reisten ab, ohne eine Medaille zu gewinnen.

          „München hat mir etwas genommen“, sagt die 1952 geborene Läuferin. Doch sie pausierte nur kurz. Bei der „Makkabiade“, die als die jüdischen Olympischer Spiele gelten, gewann sie 1973 eine Goldmedaille. 1976 war sie bei den Spielen in Montreal dabei, wo sie es bis ins Finale schaffte. Nachdem Ende ihrer sportlichen Laufbahn wurde sie Sportlehrerin und trainiert besonders begabte Läufer. „Am besten können wir den getöteten Kameraden gedenken, wenn Israelis Medaillen gewinnen“, sagt sie und meint damit auch den Streit über eine offizielle Gedenkminute in London. Ein weiteres Mal ist das Olympische Komitee dem Wunsch der Überlebenden in Israel nicht nachkommen.

          Esther Roth-Schachamarow hat nie aufgehört, von München zu erzählen
          Esther Roth-Schachamarow hat nie aufgehört, von München zu erzählen : Bild: AFP

          Esther Roth-Schachamarow hat nie aufgehört, von München zu erzählen. Der Fechter Dan Alon brauchte dagegen mehr als 20 Jahre, um Worte für die traumatischen Erlebnisse zu finden, die ihn bis heute verfolgen. Er war im Apartment 2 in der Conollystraße 31, hörte die ersten Schüsse und konnte entkommen. Sein Trainer André Spitzer kam ums Leben. Nach München beendete Dan Alon seine Karriere als Florettfechter. Lange Zeit fiel es ihm schwer, alleine in einem Raum zu bleiben oder ohne Begleitung zu verreisen. „Ich sprach nicht einmal mit meiner Familie und meinen Freunden über München“, sagt der 67 Jahre alte Israeli.

          „Munich memoirs“

          Erst nach Steven Spielbergs Spielfilm über das Attentat in München und die Folgen brach er im Jahr 2006 sein Schweigen. „So viele Leute wussten nichts“, begründet er seinen Sinneswandel. Selbst seine Ehefrau und die Kinder erfuhren erst in einem seiner öffentlichen Vorträge, welcher dunkle Schatten auf ihm lastete. Es dauerte dann noch einmal sechs Jahre, bis er seine Eindrücke in einem Buch verarbeitete. Ihm fiel das Schreiben nicht leicht, aber er wollte unbedingt, dass seine „Munich memoirs“ noch vor den Spielen in London erschienen.

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