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Bürgerentscheid zu Olympia 2022 : Brot durch Spiele in München?

Der Olympiapark, ein Wintermärchen? Falls München den Zuschlag bekäme, sollen die bayerischen Winterspiele 3,3 Milliarden Euro kosten Bild: picture alliance / Sueddeutsche

An diesem Sonntag entscheiden die Bürger in Bayern, ob Olympia nach einem halben Jahrhundert wieder nach Deutschland geholt werden soll. Die Gefahr für München liegt eher in Petting als in Peking.

          Sehr geehrte Fahrgäste, wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit. Die S-Bahn München unterstützt die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2022. Der hierfür nötige Infrastrukturausbau sichert die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in der Landeshauptstadt und ökologische Winterspiele 2022. Wir bitten daher um Ihre Unterstützung beim Bürgerentscheid am 10. November.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Nicht bei allen sehr geehrten Fahrgästen kam sie gut an, die Zwangsbeschallung durch ein Staatsunternehmen. Hier werde eine „Monopolstellung“ missbraucht, fanden Olympiagegner. Danach verzichtete die Deutsche Bahn seit Donnerstag auf den letzten Satz der Durchsage in den Münchner S-Bahnen. Also auf eine direkte Wahlempfehlung.

          Auch wenn man sich nicht auf Schienen bewegte, hat man der Werbung für eine Bewerbung zuletzt nicht ausweichen können in München. Für Winterspiele warben: der ADAC, Sky Deutschland, der Siemens-Chef, der FC Bayern, die Landeshauptstadt selbst (die den Briefen mit den Wahlunterlagen einen Prospekt mit Argumenten pro Olympia beilegte), die Fußballstars Lahm und Schweinsteiger, die Skistars Riesch und Neureuther, die Innungen der Metzger und Friseure, der Verband der Taxifahrer, ja selbst der Deutsche Kulturrat (der Olympia als „großartige Chance“ für das „Kultur- und Sportland Deutschland“ sieht).

          Und ganz oben auf dem Olympiaturm, wo er mit Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer auftrat, fand Franz Beckenbauer sogar noch einen ganz unerwarteten Werbepartner: den Philosophen Konfuzius. Dem alten Chinesen zufolge brauche der Mensch drei Dinge: Brot zum Essen, Wasser zum Trinken und einen angewinkelten Arm zum Schlafen. „Das hat sich geändert“, so der Alltags-Philosoph Beckenbauer: „Der Mensch braucht auch die Olympischen Spiele.“

          Karikatur von Winterspielen im Klimawandel

          Natürlich gibt es auch Menschen, die das anders sehen. Nur hatten sie es zuletzt nicht einfach, sich Gehör zu verschaffen - angesichts der geballten Prominenz und Plakatpräsenz der Olympiafreunde. Mit einem Werbe-Etat von 35.000 Euro besaß „NOlympia“ nur einen Bruchteil des Millionenbudgets von „OlympJa“. Und musste sich billige Aktionen einfallen lassen wie die, eine Gruppe vollausgerüsteter Skifahrer die Wiesen des Münchner Olympiaparks hinabstapfen zu lassen - als Karikatur von Winterspielen im Klimawandel.

          Der Ort war gut gewählt. Der Olympiapark steht für die Spiele von 1972, die ein neues Bild von Deutschland schufen und München modern machten. Er soll auch für 2022 stehen, als Herz der Spiele und dann fünfzig Jahre altes Symbol olympischer Nachhaltigkeit. Doch zugleich braucht dieses architektonische Denkmal die Spiele mehr als umgekehrt. Das geschwungene Stadiondach von Günter Benisch, die Hügel- und Seenlandschaft von Günter Grzimek, die Bildsprache von Otl Aicher, all diese Pioniertaten einer neuen Leichtigkeit sind noch gegenwärtig. Doch bröseln und bröckeln sie. Viel Geld und neue Ideen sind nötig, den Charme von 1972 nicht sterben zu lassen.

          1,08 Millionen entscheiden über Olympia

          Die Sanierungskosten für die nächsten zwanzig Jahre werden auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt, zusätzlich zum laufenden Betrieb, subventioniert mit jährlich 40 Millionen Euro. Spitzensport ist mehr und mehr von hier verschwunden. Der Fußball ging 2005, Autorennen im Stadion blieben eine Schnapsidee, die X-Games eine Eintagsfliege. Erst Olympia, so Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), gäbe dem Olympiapark „Perspektive und Zukunft“.

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