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Trainerverband schlägt Alarm : „Das ist ein Skandal“

Die Klage des Trainerverbandes erreichte auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere. Bild: dpa

Der Berufsverband der Trainer kritisiert im staatlich geförderten olympischen Spitzensport frühkapitalistische Zustände. Nun bekam Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen Brandbrief.

          Im staatlich geförderten olympischen Spitzensport herrschen frühkapitalistische Zustände. Bundestrainer werden mittels Kettenverträgen mit Zeitverträgen abgespeist, Ausgleich für Überstunden und Arbeit am Wochenende ist unüblich. Darauf weisen die Vorsitzenden des Bundesverbandes der Trainer/innen im Deutschen Sport (BVTDS), Daphne Bouzikou und Holger Hasse, in einem Brandbrief an Bundesinnenminister Thomas de Maizière, den Sportausschuss des Deutschen Bundestages und Alfons Hörmann, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hin. „Das ist ein Skandal“, sagte Daphne Bouzikou am Telefon. „Alle gucken zu, und es rührt sich nichts.“ Sie ist zur öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages zur Reform des Spitzensports in Deutschland an diesem Mittwoch in Berlin nicht eingeladen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Eine Reihe von Bundestrainern, die in Rio de Janeiro zur deutschen Olympiamannschaft gehörten, müssten sich arbeitslos melden, da ihre auslaufenden Verträge erst im nächsten Jahr verlängert werden können. Der Bund hat den Verbänden, den Arbeitgebern der Bundestrainer, erst drei Viertel ihrer Zuschüsse für 2017 verbindlich zugesagt.

          Der Berufsverband sei in großer Sorge, dass Verbesserungen der Arbeitssituation von Trainern und Trainerinnen gar nicht oder nicht in absehbarer Zeit umgesetzt würden, heißt es in dem Brief. Bei den Arbeitszeiten und beim Arbeits- und Gesundheitsschutz sei die Situation zum Teil katastrophal. Um Überstunden, Nacht- und Wochenendarbeit vergüten oder ausgleichen zu können, wie in anderen Berufen üblich, müssten mehr Stellen geschaffen und finanziert werden. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, den Betroffenen laufe die Zeit davon. Zusätzliche Mittel, wie sie durch die Spitzensportreform in Aussicht stehen, sollten gleichwohl nicht für die Beschäftigung zusätzlicher Trainer verwendet werden, sondern für die angemessene Bezahlung der vorhandenen. Nachwuchstrainer und nachgeordnete Trainer auf Bundesebene würden schlechter bezahlt als vergleichbare Berufsgruppen wie Lehrer, Frauen, die nur 13 Prozent der Bundestrainer ausmachen, deutlich schlechter als ihre männlichen Kollegen.

          Nichts habe sich geändert

          Es gehörten immer zwei dazu, dass solche Zustände einrissen, sagte Daphne Bouzikou, „neben den Arbeitgebern auch die Beschäftigten, die das mit sich machen lassen.“ Sie kenne Beispiele von Trainern, die den Urlaub nicht nähmen, der ihnen zustehe, und geradezu üblich sei es, trotz Einsatzes am Wochenende, die Arbeitswoche am Montag zu beginnen. Die Sportverbände nähmen die Sieben-Tage-Woche ihrer Trainer gern in Kauf.

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          Die Aspekte seien dem DOSB bekannt, teilt dieser mit. Im Zuge der Neustrukturierung seien Lösungen entwickelt worden. Hasse sei Mitglied der entsprechenden Arbeitsgruppe gewesen.

          Nichts habe sich geändert, klagt dagegen die Trainerin und Verbandspräsidentin Bouzikou, seit eine Studie der Uni Tübingen (Digel/Thiel) vor acht Jahren die mangelhaften Vertragsbedingungen der Trainer und ihre unzureichende Bezahlung feststellte. Die Rekrutierung der Trainer sei undurchsichtig, ein Großteil von ihnen fühle sich überlastet. Gerade hat das Bundesinnenministerium eine weitere Untersuchung der Situation der Trainer in Auftrag gegeben, diesmal an der Sporthochschule Köln. Im Zusammenhang damit hieß es aus dem Innenministerium: Sollten die Verbände im Umgang mit ihrem Personal Mindeststandards unterschreiten, könnte sich der Staat zum Eingreifen gezwungen sehen. Die kommenden Handlungsempfehlungen dürften, das lässt sich wohl prognostizieren, denen von vor acht Jahren sehr ähneln: Das Problem der Kettenverträge muss gelöst, die Besoldung konkurrenzfähig gemacht und soziale Absicherung geschaffen werden.

          Quelle: F.A.Z.

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