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Veröffentlicht: 20.03.2017, 15:21 Uhr

Sportstadt Berlin Immerhin Kite-Surfen – in der Stadt

Nach der Ablehnung als Olympiakandidat setzt die Hauptstadt auf andere Großereignisse. Dabei hat sich Berlin zwei besondere Ziele gesetzt.

von , Berlin
© dpa Kite-Surfen geht jetzt auch in der Stadt: Auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

„Die Ablehnung Berlins als Olympia-Standort war von Sorge geprägt“, sagt Andreas Geisel. „Der Deutsche Olympische Sportbund hatte die Befürchtung, dass die Bevölkerung hier die Spiele ablehnen könnte.“ Der Innensenator von Berlin, zuständig auch für den Sport, ist überzeugt, dass der DOSB falsch lag; Berlin hätte im November 2015, anders als Hamburg, für eine Bewerbung um die Spiele 2024 gestimmt. Denn wie er seien die Berliner von Sport und damit von Olympia überzeugt. Berlin wäre nicht so ein hohes Kostenrisiko gewesen, denn die Stadt hätte auf vorhandene Infrastruktur gesetzt.

Michael Reinsch Folgen:

Doch die Sportverbände stimmten mit 18:12 für Hamburg. „Die Legende sagt, das manche Verbände das Kalkül hatten, dass Hamburg die dort noch fehlende Infrastruktur aufbaut, während sie in Berlin selbstverständlich erhalten bleibt und am Ende zweimal vorhanden ist“, sagt Geisel. „Aber genau das will die Bevölkerung nicht mehr.“

Der SPD-Politiker war Senator für Stadtentwicklung, als Berlin sich um Olympia bewerben wollte. Er bestreitet, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Scheitern der Berliner Olympia-Ambitionen und dem neuen Ansatz in der Sportpolitik, den er nun vertritt. „So bald wird es keine neue Bewerbung geben“, sagt er. „Das Ergebnis war eindeutig, und wir setzen auf andere große Ereignisse.“

Gründe schaffen, nach Berlin zu reisen

Aber Berlin will Gründe schaffen, nach Berlin zu reisen. Auch deshalb hat sich die Stadt mit dem Olympiastadion von 1936 um Spiele der Fußball-Europameisterschaft 2024 beworben – sofern Deutschland den Zuschlag erhält. Der Vorstellung, dass umgekehrt wie zur WM 2006, als die Eröffnung in München und das Endspiel in Berlin stattfanden, diesmal das Finale nach Bayern gehen soll, widerspricht Geisel: „Wir bewerben uns selbstverständlich um das Eröffnungsspiel und um das Finale. Wenn man sich das Sommermärchen in Erinnerung ruft, ist Berlin ein heißer Kandidat.“

45419030 © dpa Vergrößern Olympiastadion: Austragungsstätte der Leichtathletik-EM 2018.

Während es in den vergangenen Jahren bei der Akquise von Sportveranstaltungen darum ging, sich Freunde zu machen mit der Perspektive Olympia, gilt es jetzt, Rendite für die Stadt zu erzielen – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Sportentwicklung. Turnfest 2017, Leichtathletik-Europameisterschaft 2018, das sind die Hausnummern. Die Veranstaltungen stärken den Tourismus, sie sollen aber auch, mit Kiez- und Schulprogrammen, die Berliner sportlich aktivieren.

Geisel sieht im E-Sport über den Sport hinaus Potential. Die Kämpfe in virtuellen Welten, die etwa in Korea im Fernsehen übertragen werden, faszinieren den Politiker. „Wenn auf der Kölner Messe die Gamescom stattfindet, sind 80.000 Besucher in der Stadt“, sagt er. „Das sollte man nicht geringschätzen.“ Berlin-Marathon, Istaf und die Meisterschaftsspiele von Hertha und Union, von Eisbären und Alba, von Füchsen und Volleys sind auch Wirtschaftsfaktoren und sollen ergänzt werden.

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