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Veröffentlicht: 08.05.2015, 16:57 Uhr

Doping- und Stasi-Vorwürfe Beilschmidts „Makel“ bleibt

Der Hauptgeschäftsführer des LSB Thüringen soll wie erwartet im Amt bleiben. Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen – und Forderungen nach dem sofortigen Rücktritt von Rolf Beilschmidt.

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© Picture-Alliance Sportliche Leistung mit nachträglichem Makel: Beilschmidt im Leipziger Zentralstadion

Der Landessportbund Thüringen (LSB) hat die Beurteilung der Stasi-Verstrickung seines Hauptgeschäftsführers Rolf Beilschmidt durch die Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unvollständig veröffentlicht. Wie erwartet berichtete der LSB von der Entscheidung des Gremiums, in der Affäre Beilschmidt keine „negative“ Empfehlung auszusprechen.

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Die Belastungen „reichten nicht aus, um eine Abberufung von Beilschmidt zu empfehlen“. Der LSB zitierte auch die Begründung, unter anderem die „Einsichtigkeit“, die „Aktivitäten“ Beilschmidts zur Aufklärung sowie „der inzwischen eingetretene Zeitablauf“. Beilschmidt, so die Entscheidung seiner Vorgesetzten, soll im Amt bleiben. Die kritischen Passagen der Beurteilung wurden erst offenbar, als der DOSB auf Anfrage das Schreiben seiner Stasi-Kommission Stunden nach der Erklärung des LSB veröffentlichte.

Die Chance zur offensiven Aufarbeitung

Demnach sieht das Gremium unter Leitung von Hansjörg Geiger einen bleibenden „Makel“. Es forderte Beilschmidt auf, „seine Vorbildfunktion als LSB Hauptgeschäftsführer der Gestalt“ auszuleben, „dass er mit seiner eigenen Historie offensiv umgeht, um jüngeren Sportlern zu zeigen, wie eine angemessen Vergangenheitsbewältigung funktioniert, was Fairness bedeutet (...)“. Geiger und Kollegen hätten sich „gefreut, wenn Beilschmidt seine einschlägigen Äußerungen nicht erst auf Vorhalt abgegeben hätte.“

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Der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) forderte den sofortigen Rücktritt von Beilschmidt sowie des LSB-Präsidiums. „Durch Beilschmidts jahrzehntelange Stasi-Lüge, seine rigorose Verhinderung der Aufarbeitung im thüringischen Sport, die Verhöhnung der Stasi- und Dopingopfer sowie die Verharmlosung des DDR-Zwangsdopings ist dem deutschen Sport massiver Schaden entstanden. (...) Darüber hinaus hat er es bis heute nicht, bzw. nur in Ausrissen für nötig befunden, sich bei denen zu entschuldigen, die er einst verraten hat“, teilte der DOH mit.

Auch dessen Vorsitzende, Ines Geipel, war von Beilschmidt bespitzelt worden. Er hatte von 1976 bis zum Fall der Mauer als Stasi-Zuträger über Freunde, Athleten und Oppositionelle berichtet. Im Herbst 2014 waren weitere belastende Akten aufgetaucht. Zur Einnahme von Doping-Mitteln bekannte sich der einstige DDR-Rekordhalter erst 2011, zwanzig Jahre nach dem dokumentieren DDR-Staatsdoping. Auch am Freitag war Beilschmidt nicht zu sprechen.

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