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Basketballprofi Per Günther : System Wahnsinn

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„Die wissen alles über mich“: Per Günther Bild: picture alliance / dpa

Doping-Kontrolle bei Basketballspieler Per Günther, morgens um kurz nach sechs. Das Ergebnis: Günthers Wutrede im Ulmer „Radio7“. Ein Protokoll aus dem deutschen Sportalltag.

          Basketball-Nationalspieler Per Günther, 25 Jahre alt, hat sich eine Viertelstunde lang warm geredet in seiner Sendung „Pers Heimspiel“, die er alle 14 Tage beim Sender „Radio7“ mit Co-Moderator Marc Herrmann, dem Ulmer Basketball-Hallensprecher, aufzeichnet. Dann legt Günther los: Ein deutscher Sportler und seine Erfahrungen mit Doping-Kontrollen und Kontrolleuren im Auftrag der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada – ungeschminkt.

          Sendeminute 17, Günther kommt in Fahrt:

          Heute Morgen hat mich was bewegt. Wir haben doch hier ein Format, wo ich mal Dampf ablassen kann, oder?

          Oh, lass mich raten: Dopingkontrolle.

          Dopingkontrolle.

          Nein! 06:25 Uhr?

          Ja, 06:25 Uhr. Sie haben es wieder einmal getan, sie haben sich wieder einmal selbst übertroffen. Ja, wo fang ich an? Darf ich jetzt einfach mal 5 Minuten frei Luft lassen? Für alle, die nicht irgendwie in einem Leistungskader sportmäßig unterwegs sind: Es gibt in Deutschland eine Organisation, die heißt Nada. Es kann sehr gut sein, das die Nada einer von diesen 800 Leuten [die grade aktuell zuhören; Anm.] ist und die sich dann beschwert dass das nicht alles faktisch korrekt ist was ich jetzt gleich sagen werde und das ist mir völlig egal; so kommt es zumindest bei mir an. Also ich erzähl nur meine Version, sehr subjektiv. Seit ich 15 bin, bin ich in einem Testpool, der besagt, die Leute von der Nada können, eigentlich zwischen 7 und 19 Uhr glaube ich, wann immer sie wollen mich auf Doping testen. Damit das möglich ist, muss ich in einem Online-Kalender 365 Tage im Jahr, wo ich mich befinde und wo ich übernachte. Also wenn man sich das mal vorstellt: Stichwort Privatsphäre. Diese Nada weiß seit 10 Jahren wo ich mich an jedem Tag befunden habe, wo ich geschlafen habe. Angenommen, ich wäre bisexuell oder hätte einen schwulen Freund, oder ich hätte eine Affäre oder sonst irgendwas, muss ich diesen Leuten das sagen. Wenn ich das nicht mache, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich zwei Jahre gesperrt werde und meinen Job nicht ausüben kann. Und man muss das auch drei Monate im Voraus machen. Das heißt die könnten mich jetzt morgen fragen: Wo sind sie die nächsten drei Monate, geben sie mir jeden Übernachtungsort der nächsten drei Monate an. Da sag ich natürlich: „Das ist unmöglich, woher soll ich das wissen.“ Da sagen die: „Wenn sie das nicht machen, kriegen sie einen Strike, beim dritten Strike sind sie automatisch für zwei Jahre gesperrt.“ Naja, okay, dann saug ich mir irgendwas aus den Fingern. Die wissen alles über mich. Ich weiß nicht, was die mit diesen Daten machen, ich weiß nicht, wann die gelöscht werden, ich weiß überhaupt nichts darüber. Alles nur, weil die sagen, dass das den Basketballsport sauberer macht. Wenn man sich das anguckt, in einem Sport, in dem es in den letzten zehn Jahren vielleicht acht Dopingfälle gab, und davon waren wahrscheinlich sechs Kollegen, die mal bisschen Marihuana geraucht haben, ein Kokser vielleicht noch dabei, und dann hast du einen einzigen, den du vielleicht mal erwischt hast. In keinster Weise irgendwie angemessen.

          Der Homie klingelt heute morgen um 06:25 Uhr an meiner Tür, Montagsmorgens, nachdem ich Samstag in Bayreuth gespielt hab, stundenlang nach Hause gefahren, Sonntagnachts irgendwann um drei Uhr bist du zu Hause, schläfst um fünf; Sonntag machst du Videoanalysentraining, dies, das, und liegst du einmal im Bett, klingeln die dich wieder raus. Ich war um vier Uhr auf Toilette schon. Bin ich nachts irgendwie aufgewacht, war auf Toilette, das heißt: Mein Tank ist leer. Der Kollege klingelt, du füllst irgendwas aus, dann nehmen die Blut ab, du hast keine Möglichkeit dagegen einzuschreiten. Also die haben aus irgendeinem Grund das Recht, dir jederzeit Blut abzunehmen, was schon mal sehr seltsam ist, meiner Meinung nach.

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