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Bach-Nachfolge beim DOSB : Wer macht für ein Jahr den Vorturner?

Mit aller Macht: Hans-Peter Krämer auf Präsidentensuche Bild: dpa

Der DOSB braucht einen Nachfolger für Thomas Bach, der nun IOC-Präsident ist. Doch es gibt lauter Unklarheiten beim Dachverband des deutschen Sports. Zunächst ist Hans-Peter Krämer ein Ersatz auf Zeit.

          Nur keine Unruhe aufkommen lassen: Kaum hatte Thomas Bach seinen Job als Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Montag zur Verfügung gestellt und sich als neuer Präsident des Internationalen Olympischen Komitees nach Lausanne empfohlen, da präsentierte der Dachverband des deutschen Sports einen Nachfolger auf Zeit.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zumindest wurde Hans-Peter Krämer als „amtierender Präsident“ am Dienstag in Frankfurt vorgestellt. „Einmütig und einstimmig“ habe ihn das Präsidium gebeten, bis zu den Neuwahlen das Amt auszuüben. Knapp drei Monate hat der bisherige Vizepräsident für Wirtschaft und Finanzen nun Zeit, Bachs Nachfolge in einer bedeutenden Phase für den deutschen Sport vorzubereiten.

          Im November steht unter anderem die Entscheidung über eine Olympiabewerbung mit München für 2022 an. Am 7. Dezember soll, so Krämer, „mit aller Macht“ ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin gewählt werden. Zunächst für ein Jahr, bevor im Dezember 2014 die Legislaturperiode endet und ein neues Präsidium zu wählen ist. Über dieses Prozedere, sagte der 72 Jahre alte frühere Banker Krämer mit rheinischem Tonfall, „sind sich alle Juristen einig“.

          Nicht alle. Einen geräuschlosen Übergang in die Ära nach Bach wird es nicht geben. Der Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Amtsrichter Clemens Prokop, hatte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Montag per E-Mail auf „erhebliche rechtliche Bedenken“ nach Studium der DOSB-Satzung hingewiesen. Er nahm dabei Bezug auf den DLV-Justitiar Georg Engelbrecht, der unter anderem die Bestellung Krämers für unzulässig erklärt.

          Kommt Bach etwa wieder?

          Engelbrecht begründet dies mit der Formulierung in Paragraph 17 Satz 2 der DOSB-Satzung. Darin steht, dass im Fall „der Verhinderung“ des Präsidenten an seine Stelle der Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen „oder“ der Generaldirektor tritt. Was denn nun, Krämer oder Vesper? Und ist Bach nur verhindert, kommt er also wieder? Wohl kaum.

          Jurist Engelbrecht schreibt deshalb: „Die Satzung muss zweifelsfrei – ohne Alternativen und Bedingungen – festlegen, (...) welche Mitglieder eines Vereinsorgans den Vorstand bilden.“ Das sei im Fall der DOSB-Satzung nicht der Fall. Und die „endgültig wirkende Amtsniederlegung (von Bach) ist keine (vorübergehende) Verhinderung.

          „Die Entscheidung ist juristisch nicht vertretbar“

          Wer bestimmt, ob dann der Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen oder der Generaldirektor die Vertretung des Präsidenten übernimmt? All das bleibt unklar, erläutert Engelbrecht: „Diese Satzungsbestimmung ist unwirksam.“

          Was das bedeuten könnte? Probleme bei den Abschlüssen von Geschäften zum Beispiel: „Der DOSB wird handlungsunfähig“, erklärt der Jurist, „wenn er auf die „Berufung“ des Vizepräsidenten Wirtschaft und Finanzen zum Interimspräsidenten bestehen möchte.“ Er besteht darauf. Weshalb Prokop seine Pflicht erfüllt sieht: „Die Entscheidung ist juristisch nicht vertretbar. Aber mehr, als darauf hinzuweisen, kann ich nicht.“

          Gibt es überhaupt einen Plan?

          Er könnte schon. Nur besteht für Prokop vorerst kein Grund mehr zur Klage. Das Szenario, Krämer werde bis 2014 die Geschäfte führen und dann an einen hauptamtlichen Präsidenten namens Vesper via üblicher Verbandsdemokratie übergeben, hatte Sportfunktionäre bis hinein in das DOSB-Präsidium aufgeschreckt.

          Es scheint vom Tisch. Nun soll es diesen Plan aber gar nicht gegeben haben. Vesper beteuerte auch am Dienstag, nicht kandidieren zu wollen. Zumindest nicht 2013. „Ich bin gerne Manager des Verbands, das will ich bleiben.“ Welchen Plan aber gibt es dann für die Führung des deutschen Sports? Etwa gar keinen?

          „Man sorgt doch früh für die Nachfolge“

          Diesen Eindruck erweckten Krämer und Vesper am Dienstag. Als hätte der Superstratege Thomas Bach keinen Moment über seine Wahl zum IOC-Präsidenten hinaus an die Zukunft des deutschen Sports gedacht. Und alle seine Kombattanten im Präsidium standen still dabei.

          Im Fall der Dachorganisation und auch der meisten Mitgliedsverbände sind solche Vorgänge aber ziemlich einmalig: „Man sorgt doch früh für die Nachfolge“, sagt ein Präsidiumsmitglied. Beim DOSB aber sollen die Mühen jetzt erst anlaufen. Krämer will in den nächsten Wochen auf „demokratischem“ Wege erst die Fachverbände am Donnerstag befragen, dann die Landessportbünde.

          „2014 werden die Karten neu gemischt“

          Mitte Oktober, heißt es aus seinem Präsidium, könnten ein, zwei Kandidaten feststehen. Zwar sind während der Präsidiumssitzung Namen gefallen, aber Krämer wollte sich wohl daran nicht erinnern und schon gar keinen nennen: „Wer da als Erster rauskommt, ist doch sofort verbrannt.“ Fragt sich nur, wer das Risiko auf sich nimmt, für ein Jahr vorzuturnen?

          Mit etwas Glück gelänge dabei ein Start-Vorsprung für die Wahl im Dezember 2014, mit etwas Pech folgte dem Aufschwung gleich der Abgang. Der deutsche Sport hat sich also in ein spannendes taktisches Spiel hineinmanövriert, mit offenem Ausgang, wie Vespers Anmerkung verdeutlicht: „2014 werden die Karten neu gemischt.“

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