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Bach-Nachfolge beim DOSB : Debattierklub sucht Orientierung

Wer wird’s? Thomas Bach braucht einen Nachfolger beim DOSB Bild: AFP

Wer wird Nachfolger von Thomas Bach als DOSB-Präsident? Im Hintergrund wird um die beste Ausgangsposition gefochten. Niemand wagt sich aus der Deckung. Zumindest noch nicht.

          Robert Harting will sich mit dem neuen Weltsport-Chef Thomas Bach nicht nur auf „’ne Currywurst“ irgendwo in Europa treffen. Der Olympiasieger und Weltmeister im Diskuswerfen hat am Dienstag, weitblickend, einen Brocken in den sportpolitischen Teich geworfen: „Wir Athleten müssten ins Wahlgeschehen eingreifen und sollten den Verbänden Kandidaten vorschlagen.“ Sportler an die Urnen! Diese verständliche Forderung kommt zum richtigen Zeitpunkt. Denn nach der Wahl in Argentinien ist vor der Wahl in Deutschland.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Bach wird Anfang der Woche in Frankfurt während der Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) seinen Rücktritt als Vorsitzender bekanntgeben. Dann soll die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger beginnen. Tatsächlich wird hinter den Kulissen längst heftig gefochten um die beste Ausgangsposition für eine Führungsrolle in einer neuen Ära, die von großer Bedeutung für den deutschen Sport sein wird. „Es liegt so viel an, die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2022, die Finanzierung des Spitzensports, die Umstrukturierung“, sagt ein Mitglied aus dem Führungszirkel des DOSB: „Ich hätte mir Vorarbeiten gewünscht.“

          Kandidaten hinter vorgehaltener Hand

          Gibt es keine? Oder sind die Sportorganisatoren im Lande, die Fachverbands-Bosse und Chefs der Landessportbünde bis hinein ins DOSB-Präsidium, nicht involviert in den Findungsprozess? Bach hatte sich eine Nachfolgediskussion bis zu seiner Wahl am Dienstag verbeten. Ein zaghafter Versuch, eine offene Diskussion auf der Ebene der Landessportbünde zu organisieren, soll unterbunden worden sein. Und so bietet der organisierte deutsche Sport am Tag nach der Inthronisierung Bachs das Bild eines Debattierklubs, der nach Orientierung sucht.

          Hinter vorgehaltener Hand werden die Kandidaten genannt, ihre Vorzüge gepriesen, ihre Schwächen geschildert und Szenarien entworfen: Warum die Schwimm-Präsidentin Christa Thiel eine gute Chance habe und warum sie, immerhin Vizepräsidentin für Leistungssport im DOSB, angeblich doch nicht tauge, wie ein mit allen Wassern gewaschener Fachverbandskollege in der Szene souffliert; dass der Basketball-Präsident Rolf-Ingo Weiss taktiere, sich aber noch nicht reif fühle, und der Turner-Boss Rainer Brechtken zwar als Sprecher der Fachverbände häufig Führungsansprüche geltend mache, aber damit die Sportkameraden schon zu oft brüskiert habe.

          Bilderstrecke

          Der Wirtschaftsmann Alfons Hörmann, Erster im Deutschen Ski-Verband, galt als Kandidat mit zu viel Schnee auf dem Kopf: Sollte denn die Winterfraktion nach dem Votum für die Bewerbung von München und den ohnehin zu erwartenden Erfolgen in Sotschi auch noch den neuen DOSB-Mann stellen? Hörmann sähe man gerne an der Spitze der Olympiabewerbung, doch er sagte am Donnerstag ab: „Ich fühle mich im DSV pudelwohl und hoch akzeptiert. Ich habe keinerlei Grund, mich als weiterer Bewerber in die Schlange einzureihen.“ Einig sind sich die Kombattanten aus den verschiedensten sportpolitischen Ecken der Republik nur in einer Frage: Für einen hauptamtlichen Präsidenten, für den Aufstieg von DOSB-Generaldirektor Vesper zum hochbezahlten Sportführer in einem ehrenamtlichen Gremium, soll die Zeit noch nicht reif sein.

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